Drei-Sterne-Koch Christian Jürgens aus Rottach.
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Drei-Sterne-Koch Christian Jürgens kritisiert in einem Offenen Brief den Lockdown für die Gastronomie und Hotellerie.

„Möchte nicht marktschreierisch auftreten“

Corona-Lockdown: Star-Koch vom Tegernsee schreibt Brief an Merkel und Söder - Gastro-Schließung „führt zu nichts“

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Der Rottacher Drei-Sterne-Koch Christian Jürgens hat einen Offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Darin übt er Kritik am Lockdown für die Gastronomie und Hotellerie.

  • Den Corona-Lockdown für Gastronomie und Hotellerie kann ein Rottacher Sternekoch nicht nachvollziehen.
  • Deshalb hat er einen Offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten verfasst.
  • Anstatt der generellen Schließung von Restauraunts und Hotel hat er einen anderen Vorschlag.
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Rottach-Egern – Zum zweiten Mal ist Christian Jürgens heuer schon dazu verdonnert, die Kochschürze im Althoff-Seehotel Überfahrt vorübergehend an den Nagel zu hängen. Jetzt hat sich der seit 2013 durchgehend mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Koch dazu entschlossen, seine Meinung zu sagen.

Lockdown in Bayern: Sternekoch schreibt Offenen Brief an Merkel und Ministerpräsidenten

Und die ist deftig: „Die Maßnahme, Hotellerie und Gastronomie zu schließen, ist ein Bauernopfer und führt zu nichts“, sagt der 52-jährige über seine durch den neuerlichen Lockdown betroffene Branche. Diese private Einschätzung formulierte Jürgens jetzt in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten.

Rottacher Sternekoch zu Corona-Maßnahmen: „Soziale Kontakte werden ins häusliche Umfeld verlegt“

Nach Ansicht des Sternekochs würden durch die veranlasste Schließung verstärkt die sozialen Kontakte ins häusliche Umfeld verlegt. „Doch dort herrschen keine Hygienekonzepte und findet auch keine Kontrolle über die Anzahl der Kontakte statt“, so Jürgens in dem Brief.

Dies alles sei in der Vergangenheit durch die Gastronomie und Hotellerie und durch verantwortungsvolle Gastronomen übernommen worden, sodass Infektionsketten, sofern vorhanden, gut nachvollzogen werden konnten.

Sternekoch betont: In Gastronomie und Hotellerie können Infektionsketten gut nachvollzogen werden

Jürgens: „Jeder Gastronom hat mit größtmöglichem Einsatz und im eigenen Interesse dafür Sorge getragen, dass Hygienemaßnahmen eingehalten wurden. Die geringe Infektionsrate hat die Wirksamkeit dieser Maßnahmen bestätigt. Auch die Problematik mit ausreichendem Lüften der Räumlichkeiten kann mit einer einmaligen Investition und Installation einer Lüftungsanlage gegengesteuert werden.

Und sicher sind die meisten Gastronomen mehr als bereit, diese Investition zu tätigen.“ Jürgens ist überzeugt: „Das elementare Bedürfnis der Menschen, sich mit anderen Menschen zu treffen, Gastlichkeit und Genuss zu erleben, wird jetzt ins häusliche Umfeld verlegt.“ Die steigenden Infektionszahlen würden zeigen, dass dies der falsche Weg sei.

Eindämmung von Corona: Sternekoch schlägt statt Schließung der Gastronomie einzelne Lockdowns vor

Um die Pandemie einzudämmen, müsste an den Stellen, an denen die Infektionsketten hoch sind, ein Lockdown erfolgen, „und nicht die Bereiche geschlossen werden, die anhand der belegten Zahlen nicht maßgeblich sind.“ Konkret fordert er Merkel auf, dies bei der Besprechung über weitere Maßnahmen in Betracht zu ziehen.

Die Schließung der Hotellerie und Gastronomie würde seiner Meinung nach Millionen von Arbeitsplätzen bedrohen und viele Gastronomen an den Rand der Insolvenz bringen. „Viele werden in naher Zukunft ihre Betriebe schließen müssen“, sagt Jürgens und befürchtet zudem: „Wir geben den Stimmen, die unseren Rechtsstaat als Kontrollstaat bezeichnen, immer mehr Nahrung, um ihre Parolen publikumswirksam in der Öffentlichkeit zu platzieren.“

Corona-Lockdown: Koch befürchtet Bedrohung von Millionen Arbeitsplätzen und Insolvenz vieler Betriebe

Der Sternekoch fordert Merkel & Co. auf: „Nehmen Sie den Schulterschluss mit einer der stärksten Branchen in Deutschland an und lassen sie uns Seite an Seite diese große Herausforderung zum Wohle Aller in den Griff bekommen.“

Auch auf Instagram veröffentlichte Christian Jürgens seinen offenen Brief an Angela Merkel.

Jürgens hat den Brief auch auf Instagram veröffentlicht und bereits viel Resonanz erfahren. Er betont, dass es sich um seine reine private Meinung handle, die nichts mit seiner Position in der Althoff-Gruppe zu tun habe.

Rottach-Egern: Sternekoch betont: „Möchte dazu anregen, alle Aspekte zu bedenken.“

„Ich möchte nicht poltern und nicht marktschreierisch auftreten“, sagt er auf Nachfrage, „aber ich möchte dazu anregen, alle Aspekte zu bedenken, damit dann vernünftige Entscheidungen zum Wohle aller Menschen getroffen werden.“ Es sei jetzt Zeit, sich für die Zukunft gut aufzustellen.

Wie er als Privatmann den Gastro-Lockdown verdaut? „Ich fülle meine Batterien auf mit der Familie“, sagt Christian Jürgens. Seine Frau, seine zweijährige Tochter und sein 23-jähriger Sohn, der als Notfallsanitäter sehr nah dran am Pandemiegeschehen sei, würden ihm dabei helfen.

Eine Gastronomin aus Hausham verwendet Fleisch der Initiative „Biokalb Oberland“. Dafür wirbt sie auch in ihrer Speisekarte. Nun wurde sie dafür bei der Behörde angeschwärzt - mit Folgen. 

(gr)

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