Zu einem Einsatz an den Rottacher Wasserfällen mussten die Aktiven der Bergwacht im Juli ausrücken. Ein Mann war beim Fotografieren in die Tiefe gestürzt.
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Zu einem Einsatz an den Rottacher Wasserfällen mussten die Aktiven der Bergwacht im Juli ausrücken. Ein Mann war beim Fotografieren in die Tiefe gestürzt.

Bereitschaft bewältigte bisher 122 Einsätze

Bergwacht-Chef vom Tegernsee: „Virus hat uns vor ganz neue Probleme gestellt“

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Die Corona-Krise ist auch an der Bergwacht Rottach-Egern nicht spurlos vorüber gegangen. Nicht nur, dass das Einsatzgeschehen schwieriger zu bewältigen war. Auch der Rosstag als Einnahmequelle fiel flach.

  • Corona hat die Bergwacht am Tegensee vor ganz neue Herausforderungen gestellt
  • Die Einsätze sind unter diesen Bedingungen schwieriger zu bewältigen
  • Weil der Rosstag ausfiel, fehlen jetzt auch wichtige Finanzmittel

Tegernseer Tal – Schon jetzt ist klar: Das Einsatzjahr 2020 wird als eines der außergewöhnlichsten in die Annalen der Bergwacht Rottach-Egern eingehen. Plötzlich hatten es die Ehrenamtlichen nicht nur mit teils schwierigen Rettungseinsätzen zu tun, sondern auch mit einem Hygieneprogramm. Dazu gehört neben dem Tragen der Maske während des Einsatzes und der Einschätzung eines Infektionsrisikos vor Ort beispielsweise auch das anschließende Desinfizieren der Fahrzeuge. „Das Virus hat uns vor ganz neue Probleme gestellt“, sagt Bereitschaftsleiter Adi Boemmel (55). Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, rücken seit Beginn der Pandemie nach Möglichkeit immer die gleichen Kameraden aus. „Darauf müssen wir peinlich genau achten“, erklärt Boemmel. „Denn wer holt die Leute vom Berg, wenn wir plötzlich lahmgelegt sind?“ Auch Aktive, die krank sind oder einer Risikogruppe angehören, sind derzeit von Einsätzen ausgeschlossen.

Wenn Not am Mann ist, rückt ein Bauhof-Angestellter mit aus

Dabei war die Situation der Bergwacht-Bereitschaft am Tegernsee ohnehin schon keine leichte, als Boemmel die Leitung vor gut einem Jahr übernommen hat. Für die 60 bis 70 Aktiven – allesamt ehrenamtlich tätig – war die Fülle der Einsätze kaum noch zu bewältigen. Insgesamt vier Bereitschaftsleiter, inklusive Stellvertreter, hatten innerhalb von nur sechs Jahren das Handtuch geworfen. Boemmel hat daher von Beginn an auf eine Entlastung der Bereitschaftsleitung gedrungen. Mit Erfolg. Inzwischen hat die Gemeinde Rottach-Egern einen neuen Mitarbeiter bei ihrem Bauhof angestellt, der auch für Bergwacht-Einsätze abrufbar ist, falls Not am Mann ist. Eine Lösung, für die Boemmel sehr dankbar ist. „Die Tal-Bürgermeister haben uns da in alle Richtungen stark unterstützt“, sagt er.

Bürgermeister: „Wir wissen, was wir an unserer Bergwacht haben“

Auch Rottach-Egerns Bürgermeister Christian Köck ist mit der jetzt erreichten Lösung sehr zufrieden. Die Doppelfunktion des Mitarbeiters funktioniere bisher „wunderbar“. Der Aufwand, der für die Bergwacht zu erbringen sei, halte sich für die Gemeinde derzeit in einem akzeptablen Rahmen. Bislang hätten sich die Nachbargemeinden daher auch noch nicht an der Finanzierung der Stelle beteiligen müssen, erklärt Köck. „Wir wissen, was wir an unserer Bergwacht haben“, macht der Bürgermeister deutlich. Deshalb sei es ihm – und auch den anderen Tal-Bürgermeistern – ein Anliegen gewesen, die Bereitschaft in dieser schwierigen Situation zu unterstützen.

Corona-Jahr bescherte den Aktiven bisher 122 Einsätze

Boemmel und seine Mannschaft sind zuständig fürs gesamte Tegernseer Tal und Waakirchen. 122 Einsätze hatten die Aktiven bisher im Corona-Jahr 2020 zu bewältigen. „Das Virus hat uns einen Einsatz-Rückgang beschert“, berichtet Boemmel. Vor allem während der Wochen der Ausgangsbeschränkung mussten er und seine Kameraden kaum ausrücken. „Danach hat es wieder merklich angezogen“, sagt der Bereitschaftsleiter. Allerdings nicht in dem Maße, wie er befürchtet habe, so Beommel. Trotz vieler Ausflügler und übervoller Wanderparkplätze: Eine Flut an Einsätzen – wie andernorts in den Tourismusregionen der Fall – gab es am Tegernsee für die Bergwacht glücklicherweise nicht.

Adi Boemmel leitet seit Juli 2019 die Bergwacht-Bereitschaft am Tegernsee.

Schmerzliche Folgen hatte die Pandemie trotzdem. Der Rosstag, von dem die Bergwacht alljährlich finanziell durch Brotzeitverkauf und Eintrittsgelder profitiert, konnte wegen des Virus nicht stattfinden. „Die Absage trifft uns hart“, sagt Boemmel. Denn vieles – so auch einen Teil des Unterhalts der Fahrzeuge – müsse die Bereitschaft aus eigener Tasche finanzieren. Sie sei deshalb neben staatlicher Unterstützung und den Einsatzpauschalen auch auf Spenden – und eben die Einnahmen aus dem Rosstag – angewiesen. Der 55-Jährige ist daher dankbar, dass seine Bereitschaft nach wie vor viele Förderer hat. Auch Köck ist darum bemüht, immer wieder private Spenden zu vermitteln. „Die Bergwacht steht da bei uns – ebenso wie Feuerwehr und Wasserwacht – in erster Reihe“, sagt der Rathaus-Chef.

Lesen Sie hier: Retter richtet flammenden Appell an Ausflügler: „Unsere Berge werden leider immer noch überrannt“

gab

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