Johanna Philipp, Elisabeth Raßhofer, Angelika Fischhaber und Julius Larasser
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Geschafft: Erst im Flugzeug kam die Erleichterung für (v.l.) Johanna Philipp, Elisabeth Raßhofer, Angelika Fischhaber und Julius Larasser. 

58,5 Stunden unterwegs

Wegen Corona: Vier junge Missionare erleben irre Rückreise aus Argentinien

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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In letzter Minute vor dem durch das Coronavirus bedingten „Lockdown“ in Argentinien haben es vier junge Missionare aus dem Landkreis Miesbach noch nach Hause geschafft.

Landkreis Bis die Missionarin auf Zeit (MaZ) Elisabeth Raßhofer (23) aus Gmund am 6. März zu ihren Missionars-Kollegen Julius Larasser (19) aus Rottach-Egern, Johanna Philipp (19) aus Holzkirchen und Angelika Fischhaber (20) aus Lenggries im argentinischen Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“ der Pfarrer Walter Waldschütz-Stiftung stieß, hatte dort kein Mensch etwas vom Coronavirus gehört. „Ich wurde sogar ein bisschen belächelt, als ich von den Reaktionen und vor allem der Desinfektionsmittel- und Toilettenpapier-Verknappung im Landkreis Miesbach erzählt habe“, erinnert sich die angehende Lehramtsreferendarin, die bis September im Kinderdorf arbeiten wollte. Doch das sollte sich in der Kleinstadt Puerto Rico, ganz im Norden in der Provinz Misiones, schnell ändern.

Vier Tage später fand sich die Gmunderin nämlich in Quarantäne wieder. Als sie dort am 17. März die Nachricht von drohenden Flugstopps erreichte, nahm sie Kontakt zu Monsignore Walter Waldschütz auf und teilte mit, dass sie umgehend wieder heim möchte. „Ich wollte keinesfalls in Argentinien und seinem Gesundheitssystem festsitzen, falls das Virus dort wirklich ausbrechen sollte“, erklärt Raßhofer.

Die anderen drei MaZler fühlten sich zu dem Zeitpunkt in Puerto Rico sogar noch sicherer als zu Hause und dachten gar nicht daran abzubrechen. „Erst als ein andere Mitmissionarin aus Augsburg gerade noch einen Platz im letzten verfügbaren Bus von Puerto Rico nach Buenos Aires ergattert hat, wurde uns etwas mulmig“, sagt Larasser.

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Zwei Tage später galten schon Ausgangsbeschränkungen, die Regionsgrenzen innerhalb Argentiniens wurden geschlossen und der öffentliche Nah- und Fernverkehr wurde eingestellt. Keiner konnte sich mehr ohne offizielle Behördengenehmigung im und aus dem Land bewegen. Die jungen Missionare schrieben sich dann umgehend in die Elefand-Liste, die Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland, auf die das Covid-19-Rückholprogramm der Bundesregierung aufgesetzt ist, eingeschrieben. Larasser: „Nicht aus Angst vor Covid-19, sondern davor, dass wir auf unbestimmte Zeit in Argentinien festsitzen, hat uns veranlasst, Pfarrer Waldschütz um Hilfe zu bitten.“

Hilfe von Bundestagsabgeordnetem und Lufthansa-Mitarbeiterin

Der war in der Zwischenzeit durch das Gesuch von Raßhofer bereits aktiv geworden und hatte sich an seinen Stiftungsratsvorsitzenden und CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Radwan, gewandt. Radwan, der Mitglied des Auswärtigen Ausschusses ist, konnte zu diesem Zeitpunkt noch seine Kontakte zum Auswärtigen Amt in Argentinien nutzen und sicherstellen, dass die vier MaZler auf der Liste derer stehen, die noch das Land verlassen können.

Auch die Waakirchner FW-Politikerin Gisela Hölscher, die bei der Lufthansa im Bereich Crew-Kontakt arbeitet und deren Kinder beide selbst schon bei der Walter Waldschütz Stiftung Missionare auf Zeit in Puerto Rico waren, setzte alle Hebel in Bewegung, um die vier MaZler sicher nach Buenos Aires und gemeinsam auf die Passagierliste einer der Rückholer-Maschinen zu bekommen.

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Das größte Problem stellte aber ein Übertragungsfehler des zwischenzeitlich völlig überlasteten Elefand-Systems dar, durch den sich zunächst weder auf der Ausreise-, noch der Passagierliste befand. „Wir haben einfach eine unserer Flugbestätigungen zwei Mal ausgedruckt, denn wir wollten Angelika nicht allein in Costa Rica zurücklassen“, gesteht Larasser.

Um 20.30 Uhr machte sich die Gruppe dann mit zwei Fahrern und fast allen notwendigen Papieren im Kleinbus auf nach Buenos Aires. Acht Mal wurden sie kontrolliert und ihre Papiere überprüft, bis sie am nächsten Vormittag am Flughafen ankamen. Dort wurden sie von Beamten in Ganzkörperschutzanzügen und Masken untersucht und desinfiziert, bevor sie den Terminal betreten durften.

Beim deutschen Botschafter persönlich galt es sich dann erneut in eine Check-In-Liste einzutragen. Und erst da – quasi zusammen mit dem Boarding-Pass – erhielt auch Fischhaber den Bescheid, dass auch sie mit den anderen ausreisen dürfe. „Da ist uns ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, erinnert sich Raßhofer.

Nach insgesamt 58,5 Stunden endete die Odyssee der vier Missionare am 23. März vor der evangelischen Kirche in Holzkirchen – und das mit einer letzten Kontrolle. Die Polizei vor Ort überprüfte, warum sich da so viele Menschen gruppenbildend und ohne gebührenden Abstand halb lachend und halb weinend in den Armen lagen.

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