War bei der Kauder-Abwahl dabei: Alexander Radwan (CSU).
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War bei der Kauder-Abwahl dabei: Alexander Radwan (CSU).

„Fraktion wird Korrektiv für Regierung“

CSU-Abgeordneter Radwan nennt spannende Details über Gründe und Folgen der Kauder-Abwahl

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Die CDU/CSU-Fraktion wählte gegen den Willen ihrer Kanzlerin ihren langjährigen Chef Volker Kauder ab. Alexander Radwan (CSU) hat mitgestimmt - und spricht mit uns über die Wahl.

Rottach-Egern/Berlin – Ein treuer Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel muss seinen Hut nehmen: Volker Kauder (69), der 13 Jahre lang die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag führte und für Merkel parlamentarische Mehrheiten organisierte, unterlag bei der Neuwahl um den Fraktionsvorsitz überraschend gegen Ralph Brinkhaus (50). Alexander Radwan (CSU), Wahlkreis-Abgeordneter aus Rottach-Egern, war einer von 237 Stimmberechtigten. Stimmte der 54-Jährige für den Herausforderer, den 125 Abgeordnete unterstützten? Höchste Zeit für einen Anruf.

Herr Radwan, haben Sie mitgeholfen, Volker Kauder zu stürzen?

Radwan: (lacht) Netter Versuch, nächste Frage bitte. Sie wissen, es war eine geheime Wahl.

Hat Sie denn die Wahl von Ralph Brinkhaus zum neuen Fraktionschef überrascht?

Radwan: Ich hatte auf jeden Fall mit einem sehr knappen Ausgang gerechnet. Es lag etwas in der Luft, das Stimmungsbild in den Tagen vor der Abstimmung hat sich immer mehr in Richtung Wechsel entwickelt. Das war deutlich spürbar. Im Vorfeld habe ich sehr viele Gespräche geführt mit Kollegen aus der Fraktion, vor allem auch mit CDU-Leuten.

War diese Wahl der Anfang vom Ende der Ära Merkel?

Radwan: Es kam da ein Stück weit Unzufriedenheit zum Ausdruck. Das hat aber weniger mit der CSU zu tun, wie jetzt vielleicht manche denken, sondern spiegelt die Situation in der gesamten CDU/CSU Fraktion wider. Die Stimmungslage bei ostdeutschen Fraktionskollegen ist angespannt, dort liegt die AfD laut aktuellen Umfragen erstmals vor der CDU. Auch in Baden-Württemberg, wo Volker Kauder herkommt, steht nicht alles zum Besten.

Wird die Unionsfraktion jetzt eigenständiger, wieder mehr Impulsgeber als Abnicker?

Radwan: Die Wahl von Ralph Brinkhaus kann der Beginn einer wieder selbstbewussteren Fraktion sein. Ich gehe davon aus, dass die Fraktion gegenüber der Regierung stärkere Akzente setzen wird, mit eigenen Vorschlägen, aber auch als Korrektiv. Diesen Wunsch gab es bei vielen Abgeordneten.

Welche Themen werden dem neuen Fraktionsvorsitzenden der Union wichtig sein?

Radwan: Ralph Brinkhaus ist wie ich vor allem in der Finanz- und Haushaltpolitik zuhause. Ich kenne ihn lange, wir haben immer gut zusammengearbeitet. Stabilität ist ihm wichtig, auf allen Ebenen, er legt Wert auf bürgerlich-konservative Ansätze.

Wie wird er sich bei der augenscheinlich so hoch gehandelten Flüchtlingsfrage positionieren?

Radwan: Hier gilt wie bei vielen anderen Themen: Wir sind die Union, wir müssen diesem Namen wieder alle Ehre machen. Beim Flüchtlings-Thema erleben wir in der Bevölkerung einerseits große Hilfsbereitschaft, andererseits große Ressentiments. Unsere Aufgabe muss es sein, diese beide Pole zusammenzuführen, zu versöhnen statt zu spalten. Wir sollten das Wir-Gefühl wieder stärker in der Vordergrund stellen.

Der neue Fraktionschef ist der richtige Mann an der richtigen Stelle?

Radwan: Er ist dieser Aufgabe sicher gewachsen. Ich traue ihm zu, dass er neue Impulse setzt. Übrigens nicht nur innerhalb der Union, sondern auch gegenüber unserem Koalitionspartner.

Wie hat Volker Kauder diese Niederlage verkraftet?

Radwan: Ich konnte noch nicht mit ihm sprechen. Natürlich war er nach der Abstimmung sehr getroffen. Seine Arbeit habe ich persönlich immer geschätzt.

Alle aktuellen Entwicklungen zur Brinkhaus-Wahl lesen Sie in unserem News-Ticker zum Thema

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