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Für Ideen beim Altbeton-Recycling wurde das Fraunhofer-Institut im Januar 2014 beim Wettbewerb Land der Ideen ausgezeichnet. Jetzt bewirbt sich das Institut für ein Forschungsprojekt zum Thema urbane Oberflächen.  Unser Bild zeigt v.l. Ulrich Schürenkrämer, Ilse Aigner, Volker Thome, Klaus Sedlbauer und  Monika Burkard.

Rottach-Egern bietet sich als kommunaler Partner an 

Forscher testen Super-Fassaden und Flüster-Asphalt

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Rottach-Egern - Urbane Flächen mit Wohlfühl-Charakter sind das Ziel eines Forschungsprojekts, für das sich das Fraunhofer Institut bewirbt. Rottach soll Testobjekt werden.

Beton, der Kaugummis abstößt, Fassaden, die jedem Wetter trotzen, Straßen, die Schall schlucken: Das könnte das Leben der Menschen angenehmer machen. Nicht nur in der Stadt, sondern auch in kleinen Gemeinden. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik in Oberlaindern bewirbt sich um die Teilnahme an einem Forschungsprogramm. Dazu brauchen die Wissenschaftler einen kommunalen Partner. 

Gesucht und gefunden hat ihn Institutsleiter Klaus Sedlbauer in seinem Wohnort Rottach-Egern. Der Gemeinderat signalisierte per Mehrheits-Beschluss die Bereitschaft zur Kooperation. Dies allerdings nur verhalten. Zusätzlicher Verwaltungsaufwand dürfe nicht entstehen, war man sich im Gremium einig. Aber nachdem für die Gemeinde keine Kosten entstehen, ließ sich Mehrheit überzeugen. Der Beschluss wurde mit 15:3 Stimmen gefasst Im Vorfeld hatte Sedlbauer sein Vorhaben Bürgermeister Christian Köck (CSU) persönlich vorgestellt. Zur Sitzung war Andreas Kaufmann als Vertreter des Oberlainderner Instituts gekommen. Er erläuterte das Vorhaben, das einen sperrigen Titel trägt: Bauphysikalische Gestaltung urbaner Oberflächen für nachhaltige Lebens- und Umweltqualität in Kommunen. Der Zeitpunkt der Präsentation war für die Forscher denkbar knapp. Abgabetermin für die Bewerbungsunterlagen des Instituts beim Forschungsministerium war der Tag nach der Sitzung. 

Während Kaufmann dem Gremium die Teilnahme am Projekt schmackhaft machte, wartete schon ein Kollege am Schreibtisch auf grünes Licht – also die Nachricht, dass mit Rottach-Egern der kommunale Partner gefunden ist. „Der Kollege ist darauf gefasst, die Nacht durchzuarbeiten“, meinte Kaufmann. Die Antragstellung sei sehr aufwendig. Ob das Fraunhofer Institut den Zuschlag für die Teilnahme am Forschungsprogramm bekommen wird, ist noch offen. Die Absichtserklärung Rottachs, in diesem Fall kommunaler Partner für das Programm zu sein, liegt jedenfalls vor. Sie verpflichtet die Gemeinde erst einmal zu nichts. Als weitere Partner aus dem Landkreis seien auch Holzkirchen, Valley, Irschenberg und Miesbach angefragt, berichtete Kaufmann. Dass Rottach-Egern der richtige Partner für ein Programm ist, bei dem es um urbane Oberflächen geht, bezweifelte mancher im Gemeinderat.

Das Ganze sei doch eher etwas für städtische Bereiche, hieß es. Kaufmann verneinte. „Urbane Oberflächen gibt es auch auf dem Dorf.“ Das Fraunhofer Institut wolle eine möglichst große Streubreite bei den untersuchten Kommunen. Also sowohl Städte als auch mittlere und kleine Gemeinden. In Rottach-Egern sehe er kaum Fassaden, die für dieses Projekt in Frage kommen, meinte Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU). Zudem wolle er nicht, dass Hausbesitzer, die sich schon mit dem Denkmalschutz herumschlagen müssen, vielleicht noch wegen der Teilnahme an diesem Programm weitere Vorgaben bekommen. Kaufmann versicherte, dem sei nicht so: „Wir kommen nicht wie eine Heuschreckenplage nach Rottach-Egern und nageln die Fassaden zu.“ 

Was und wie von den Wissenschaftlern in Rottach-Egern untersucht werden soll, blieb offen. Sollte das Projekt an den Start gehen, werde es wohl einen Workshop geben, kündigte Kaufmann an. Es gelte, die Problemstellungen zu erarbeiten: „Eventuell haben Sie Probleme, von denen Sie gar nicht wissen, dass Sie sie haben.“

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