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Langjähriges Gastro-Duo: Hotelinhaber Klaus Graf von Moltke (l.) und Küchenchef Michael Fell (r.), hier mit Relais&Chateaux-Präsident Philippe Gombert. 

Überraschender Abschied

Sternekoch packt die Koffer - hier verrät sein Chef die Gründe

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Der langjährige Küchenchef Michael Fell kehrt der Dichterstub‘n in Rottach-Egern zum Jahresende den Rücken. Im Exklusivinterview spricht Inhaber Klaus-Dieter Graf von Moltke über die Hintergründe.

Rottach-Egern – Personalrochaden im Park-Hotel Egerner Höfe: Mit sofortiger Wirkung startet Gabriele Frei als Direktorin des Luxus-Hotels in Rottach-Egern. Sie führt künftig gemeinsam und gleichberechtigt mit Maximilian Manzenrieder, der als Mann der ersten Stunde seit 25 Jahren als Direktor im Unternehmen tätig ist, die Geschicke des Hotels. Die Veränderung im Management gerät jedoch fast in den Hintergrund. Denn in der Küche gibt es einen gravierenden personellen Einschnitt. Küchenchef Michel Fell, kürzlich wieder mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, verlässt die Dichterstub’n. Im Interview erklärt Eigentümer Klaus-Dieter Graf von Moltke die Hintergründe der Trennung.

-Herr von Moltke, der Abschied von Michael Fell kommt überraschend. Wie kam es dazu?

Michael Fell hat 30 Jahre auf Sterneniveau gekocht und hat jetzt die Nase voll. Er will nicht noch den Druck des zweiten Sterns, den wir in Angriff nehmen. Und auch aus gesundheitlichen Gründen möchte er einen Gang zurückschalten. Das funktioniert bei uns aber nicht, wenn wir auf dem Weg nach vorne, auf dem Weg zum zweiten Stern sind. Herr Fell wird uns daher zum 31. Dezember verlassen und künftig in einem befreundeten Unternehmen tätig sein.

-Sie hatten schon vor zwei Wochen einen Zwei-Sterne-Neuzugang für die Küche angekündigt. Der sollte mit Fell doch eigentlich zusammenarbeiten und ihn nicht ersetzen.

Das war auch die Grundidee. Fell wollte jetzt aber eine andere Art von Küche machen und wollte, wenn er die Chance hat, rauskommen. Wir haben jetzt die Chance auf einen Neuanfang.

-Wie schwer wiegt der Verlust von Herrn Fell?

Er bleibt uns ja ein Stück weit erhalten. Er wird im Frühjahr auf zwei Veranstaltungen für uns kochen. Wir gehen in großer Freundschaft und bleiben eng verbunden. Aber klar: Es reißt ein Loch, weil er in den letzten 25 Jahren Teil des Erfolgs der Egerner Höfe war.

-Wer tritt Fells Nachfolge an?

Der Vertrag liegt unterschrieben vor. Aber das Unternehmen, das er verlässt, bat darum, dass wir den Namen nicht nennen, weil das Weihnachts- und Silvestergeschäft nicht belastet werden soll.

-Wann können Sie den Nachfolger bekannt geben?

Ich gehe davon aus, dass wir Anfang Januar mit dem Namen an die Öffentlichkeit gehen können.

-Mit Ihrem neuen Küchendirektor wollen Sie noch einen Stern drauflegen. Auf was dürfen sich Ihre Gäste künftig freuen?

Wir wollen der Gesamtküche einen neuen Impuls geben. Wir haben jemanden gefunden, der kein artifizieller Küchenkünstler ist, sondern eine natürlich geprägte Orientierung in seiner Haute Cuisine hat. Der zweite Stern ist eine schwere Aufgabe. Dafür wollen wir innerhalb der Küche eine moderne Qualität entwickeln. Damit hat sich der Mann, den wir haben, in den letzten Jahren einen Namen gemacht.

Gault & Millau

Neben dem Rottacher Drei-Sterne-Koch Christian Jürgens, der vom Gourmetführer Gault & Millau mit dem Restaurant Überfahrt mit 19,5 von 20 Punkten ausgezeichnet wurde, dürfen sich zwei weitere Restaurants am Tegernsee über Auszeichnungen vom Gault & Millau freuen: Die Dichterstub’n in den Egerner Höfen mit Sternekoch Michael Fell sowie das Restaurant Il Barcaiolo im Hotel Überfahrt wurden jeweils mit 15 Punkten bewertet. Damit werden der „hohe Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität“ gerühmt, wie es in der Erklärung zur Punktevergabe heißt. Beide Preisträger konnten damit ihre Bewertung vom Vorjahr erfolgreich halten.

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