Erstmals feiern (v.l.) die Eltern Daniela und Franz Maier mit ihren Kindern Sophia-Anna und Samuel nur im Familienkreis Weihnachten.  Foto: Thomas Plettenberg
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Erstmals feiern (v.l.) die Eltern Daniela und Franz Maier mit ihren Kindern Sophia-Anna und Samuel nur im Familienkreis Weihnachten.

Interview mit Daniela Maier vom Hotel Maier zum Kirschner

Ohne Corona wäre an Heiligabend Hochbetrieb: Das erste Weihnachten ohne Gäste

  • Christina Jachert-Maier
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Mit den Hausgästen den Heiligen Abend zu begehen, ist für die Rottacher Gastwirtsfamilie Maier zum Kirschner Tradition. Im Corona-Jahr ist alles anders. Wir haben mit Daniela Maier darüber gesprochen.

Frau Maier, hat Ihre Familie je überlegt, das Haus an Heiligabend zu schließen?

Nein. Wir haben die Tradition, mit den Gästen zu feiern, von den Eltern meines Mannes übernommen. Früher war das hier ein Bauernhof, der auch Gäste aufgenommen hat. Mein Schwiegervater Josef hat für die Gäste an Weihnachten die Heilige Nacht gelesen. Er konnte das beeindruckend gut. Meine Schwiegermutter hat die Gäste bekocht, gefeiert wurde gemeinsam. 1998 hat dann mein Mann das Restaurant eröffnet. Es an Heiligabend zu schließen, wie das in vielen Restaurants üblich ist, kam für uns nie in Frage.

Wie groß ist denn die Nachfrage?

Sehr groß. Wir haben Platz für etwa 80 Gäste und sind jetzt schon für Weihnachten 2021 ausgebucht. Zu 80 Prozent sind es Stammgäste, die jedes Jahr kommen. Die möchten immer das gleiche Zimmer haben und fühlen sich hier zuhause. Das Ambiente ist auch sehr stimmungsvoll in den urigen Stuben mit all den Kerzen. Für die Lesung der Heiligen Nacht konnten wir Gustl Bauer gewinnen, der seit vielen Jahren kommt. Ein Zitherspieler ist mit dabei, ansonsten sorgt unsere Familie selbst für Musik. Mein Mann spielt Weihnachten das Flügelhorn, mein Sohn Geige.

Wann war Ihnen klar, dass Sie diese Weihnachten nicht öffnen können?

Es war schon im November spürbar, dass es keine Lockerung zu den Festtagen geben wird. Somit war die Entscheidung der Regierung keine Überraschung. Anders als Ostern, wo ich das ganze Haus schon komplett fertig hatte, als der Lockdown kam. Diesmal habe ich die Deko gar nicht erst ausgepackt. Was man beim November-Lockdown light gesehen hat: An der Hotellerie liegt’s nicht, wenn die Corona-Zahlen steigen. Mir war jedenfalls früh klar, dass wir nicht öffnen dürfen. Manche Gäste haben dagegen bis zuletzt gehofft, dass sie Weihnachten bei uns feiern können.

Ihre Familie ist damit zum ersten Mal an Weihnachten unter sich. Wie fühlt sich das an?

Das werden wir wohl erst am Heiligen Abend wirklich wissen. Ich hab’ im Moment eher gemischte Gefühle. In den Jahren haben sich die Abläufe für unser Weihnachten mit den Gästen gut eingespielt. Das ist für uns alles Familie. Wir bekommen viel Zuspruch, über die Jahre hinweg sind auch Freundschaften entstanden. Es kommt sehr viel zurück. Aber natürlich ist es auch mal schön, an Weihnachten Ruhe zu haben.

Ist es sonst sehr hektisch?

Am 24. Dezember könnte der Tag für uns immer zwölf Stunden mehr haben, um das ganze Programm unterzubringen. Bis wir vom Restaurant ins Wohnhaus hinübergehen, wird es meistens 22 Uhr. Trotzdem gibt’s auch privat noch das volle Programm, wenn auch mit Zeitraffung. Wir lesen die Weihnachtsgeschichte, musizieren und singen Weihnachtslieder vor der Bescherung. Es findet alles eben sehr spät statt. Heuer verlegen wir unsere Feier nach vorn und kochen zusammen ein schönes Heilig-Abend-für-uns-Menü.

Im Moment sind in Ihrem Hotel die Handwerker zugange, Sie investieren weiter. Wie optimistisch sind Sie für 2021?

Wir gehen nicht davon aus, dass ab 11. Januar hier wieder etwas stattfinden darf. Es wird sich wohl bis März hinziehen, bis wir wieder durchstarten können. Aber ich bin für die Zukunft optimistisch, weil wir so viel Zuspruch von unseren Gästen kriegen. Die Loyalität und die Verbundenheit sind so groß, dass sie sicher wiederkommen, wenn das Reisen möglich ist. Auch im Corona-Sommer haben sich unsere Gästen trotz all der Auflagen sehr wohl bei uns gefühlt. Wir kennen unsere Gäste – und das ist einfach schön.

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