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Attraktion zur Osterzeit: Das Heilige Grab füllt den Altarraum der Pfarrkirche St. Laurentius in Egern. Monsignore Walter Waldschütz findet es faszinierend.

Attraktion in der Rottacher Pfarrkirche 

"Das Heilige Grab ist faszinierend"

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Rottach-Egern - Die Geschichte vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu als Kulissen-Inszenierung: Nur alle zwei Jahre ist in der Pfarrkirche Egern das Heilige Grab zu bestaunen.

Die Geschichte vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu als Kulissen-Inszenierung: Nur alle zwei Jahre ist in der Pfarrkirche Egern das 1757 geschaffene und 2012 aufwendig restaurierte Heilige Grab zu bestaunen. Es ist mehr als ein Osterbrauch. 

Zehn Meter hoch, sechs Meter breit, acht Meter tief. Mit seiner Gesamtfläche von rund 200 Quadratmetern hat das Kulissengrab fast die Größe eines Einfamilienhauses. Zwei Lkw karren die Einzelteile heran, bis zu zehn Mann, allesamt Handwerker, packen beim Aufbau mit an. Jeder Handgriff muss sitzen, um die wertvollen Elemente, bestehend aus Holz und bemalter Leinwand, im Altarraum der Egerner Kirche aufzubauen. Das Heilige Grab gleicht einer Theaterkulisse: Wie auf einer Bühne sind hier die Geschichte vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi auf verschiedenen Ebenen dargestellt. In der Karwoche wechseln die Passionsdarstellungen in Form von lebensgroßen Aufstellbildern: Gezeigt werden die Verurteilung Jesu durch Pilatus, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung und Kreuzaufrichtung. 

Dann kommt die Osternacht, und ab dem Weißen Sonntag sitzt der gute Hirte auf dem verhüllten Thron Salomons. Das Heilige Grab von Egern ist ein prächtiges Exemplar barocker Kirchenkunst. Nur alle zwei Jahre ist es zur Osterzeit aufgebaut – wie heuer seit Karfreitag bis zum Sonntag, 10. April. 1757, so heißt es in der Tegernseer Kirchenchronik, wurde es für die Egerner Kirche von 400 gespendeten Gulden angeschafft, doch um 1800 verbot die staatliche Obrigkeit die Inszenierung, weil sie fand, dieses „unanständige Schauspiel“ passe nicht in die Zeit. Später wurde der Aufbau wieder erlaubt, doch Mitte des 20. Jahrhunderts kam das vorläufige Ende: Das Heilige Grab verschwand auf dem Kirchenspeicher von Egern, wo ihm Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit zusetzten. 2007 machten sich 32 Mitarbeiter der Gaißacher Werkstätten von Erwin Wiegerling an die Restaurierung. Seit 2012 erstrahlt das Heilige Grab wieder in neuem Glanz. Besonders in der zweiten Woche erleben Besucher die Inszenierung auf mystische Weise: „Da sorgen 65 farbige Glaskugeln, die sogenannten Schusterkugeln, für magische Lichteffekte in der mit schwarzen Vorhängen verdunkelten Kirche“, bescheibt Kirchenpfleger Kajetan Liedschreiber den Verlauf im Kulissentheater. 

Er bietet Führungen und führt Teilnehmer dabei ein in die Geheimnisse des Heiligen Grabs. „Es ist eine einzigartige Meditation, die einen immer wieder einlädt, auf das Leben Jesu Christi zu blicken und den Heilsplan Gottes im eigenen Leben zu hinterfragen“, ist Liedschreiber überzeugt. Gerade in der schnelllebigen, modernen Zeit biete das Grab die Chance, einzukehren und zu verweilen. „Es ist eine Oase des Ausruhens“, sagt Liedschreiber. Das Heilige Grab sei nicht nur ein Kunstwerk und ein Lebensführer. „Es ist gemalter Ausdruck eines lebendigen Glaubens, der durch alle Zeiten der Geschichte die Menschen begeistert hat.“ 

Dass das Heilige Grab seit seiner Wieder-Aufstellung 2012 einen regelrechten Ansturm erlebt und auch die Führungen begehrt sind, freut Monsignore Walter Waldschütz, Leiter des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth, ganz besonders – und komme nicht von Ungefähr: „Wir haben doch alle eine Grundsehnsucht, Dinge mit den Sinnen wahrzunehmen“, glaubt Waldschütz. Aus seiner Erfahrung als Pfarrer wisse er, dass man manchmal mit viel reden nichts mehr anfangen könne. „Dann braucht der Mensch das Sehen.“ Das Kulissentheater, in dem sich zwar nichts bewege, das aber durch seine Darstellungen Sinnbild fürs Leben sei, könne dem Menschen helfen, „über das Schauen zum Glauben zu kommen“.´

Waldschütz bringt es auf den Punkt: „Das Heilige Grab ist faszinierend.“ Erleben könne er dies auch immer dann, wenn Schul- und Kommunionkinder in die Kirche kommen. Vor allem dann erlebe er „ein überaus staunendes und nachfragendes Publikum“. Dass das Heilige Grab bisher nur alle zwei Jahre bestaunt werden kann, könnte sich bald ändern: Der Pfarrverband plant die Sanierung des alten Pfarrhofs in Egern und befindet sich fast auf der Zielgeraden, was die Genehmigungen betrifft. „In diesem Zusammenhang wollen wir ein Schaudepot errichten, in dem das Heilige Grab dann in Teilbereichen ganzjährig ausgestellt werden kann“, erklärt Kirchenenpfleger Liedschreiber. Die bisherige Lagerung beim Restaurator in Gaißach und der aufwendige Transport hätten dann ein Ende. Ostern wäre dann in Rottach-Egern nicht nur einmal im Jahr.

 Die nächste Führung findet am Ostermontag, 28. März, um 17 Uhr statt. die Neureuth-Musi sorgt für die musikalische Umrahmung. Der Eintritt ist frei. Spenden zugunsten des Grabunterhalts sind erwünscht.

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