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„Das wird ein Vorzeigebetrieb in Bayern“

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Von: Alexandra Korimorth

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Bauvorbereitung in vollem Gange: Der Großstall, den die Familie Stadler in Rottach-Egern errichten möchte, hat nach anfänglichen Vorbehalten nun auch das Placet des Ortsplanungsausschusses bekommen.
Bauvorbereitung in vollem Gange: Der Großstall, den die Familie Stadler in Rottach-Egern errichten möchte, hat nach anfänglichen Vorbehalten nun auch das Placet des Ortsplanungsausschusses bekommen. © Thomas Plettenberg

Vor gut drei Jahren noch waren Josef Stadler und sein gleichnamiger Sohn mit der Planung ihres Riesenstalls inklusive Seminarraum in der Ortsmitte von Rottach-Egerns ihrer Zeit so weit voraus, dass das Bauvorhaben auf breiter Front abgelehnt wurde. Jetzt hat den Landwirten der Ortsplanungsausschuss das Vorhaben einstimmig bewilligt.

Rottach-Egern - „Wir sind aufgefordert, unseren Beschluss von damals zu überdenken“, eröffnete Bürgermeister Christian Köck (CSU) eine weitere Diskussions- und Entscheidungsrunde. Der Großstall für 27 Kühe soll 57 Meter lang und 36,5 Meter breit werden. Das Landratsamt hatte festgestellt, dass das Vorhaben auf der privilegierten Basis, die für die Landwirtschaft gilt, genehmigungsfähig sei. Der Rathauschef, der schon bei der ersten Inaugenscheinnahme ein Befürworter des Stadler’schen Stalls war, lobte das betriebliche wie auch das energetische Konzept des Betriebsgebäudes: „Zeitgemäßer geht nicht.“ Auch die architektonische Umsetzung im traditionellen Stil statt als vorgefertigtem Modulbau sei bestechend.

Köck wünschte sich seitens der Gemeinde mehr als nur Lippenbekenntnisse zur Landwirtschaft und zu den Betriebsnachfolgern. Er forderte geradezu einen positiven Bescheid für die Stadlers. „Die Anbindehaltung wird in Zukunft kein Thema mehr sein. Jeder Betrieb, der überleben will, muss einen Laufstall bauen“, stellte er fest. Die Landwirtschaft sei ein fester Bestandteil von Rottach-Egern und solle das auch blieben. Denn sie habe auch Auswirkungen auf den Tourismus und auf die Wahrnehmung der Gemeinde in der Öffentlichkeit. „Mit der Planung wurde alles erfüllt, wenn nicht sogar übererfüllt. Es spricht nichts gegen eine Zustimmung“, insistierte Köck. Auch das Landwirtschaftsamt habe keinen Grund für Beanstandung gefunden.

Großstall in Rottach-Egern bekommt sogar einen Tagungsraum

Zweiter Bürgermeister Josef Lang (CSU), bisher ein vehementer Gegner des Bauprojekts, wollte klarstellen, dass er nie etwas gegen die landwirtschaftliche Nutzung, sondern nur etwas gegen die Größe einzuwenden hatte: „Und wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb heutzutage einen Tagungsraum braucht, dann ist das wohl so“, lenkte er ein. Bauamtsleiterin Tanja Butz bestätigte, dass das Landwirtschaftsministerium Schulungsprogramme als privilegierte Betriebszweige fördern wolle: „Das wird kommen. Ziemlich bald sogar.“

Aber nicht nur dies sorgte für ein Einlenken. Gemeinderätin Anastasia Stadler (CSU), gleichzeitig Ehefrau beziehungsweise Mutter der Antragsteller, hatte in persönlichen Gesprächen um Verständnis geworben. Beispielsweise bei der Dritten Bürgermeisterin Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG). Die sagte, dass sie die Bedeutung der großen Fläche jetzt besser verstehe und diese nun auch für sie in Ordnung sei. Auch Josef Kaiser (parteilos) nickte die Planung nun angesichts der Privilegierung und des Placet des Landwirtschaftsamts nun ab, aber nicht ohne zu betonen, wie ungerecht er diese Privilegierung findet: „Wenn ein Handwerker im Außenbereich expandieren möchte, hat er keine Chance.“ Während Lang eine Vorstellung des Konzeptes für sinnvoll erachtet hätte, legte Köck noch einmal nach: „Das große Plus ist, dass die Familien Stadler ihren Stall von Grund auf regionaltypisch baut und auch einen enormen Investitionsaufwand in Kauf nimmt, damit ihr Betrieb ganz weit vorne ist. Ich bin stolz drauf. Das wird ein Vorzeigebetrieb in Bayern – und das in einer Zeit, in der so viele Landwirte aufhören.“ Das zeigte Wirkung. Der gesamte Ausschuss stellt sich nun geschlossen hinter den Riesenstall.

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ak

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