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Die heilige Familie aus Künstlerhand: Waltraud Milazzo zeigt ihre Schätze

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Von: Gabi Werner

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Vor ihrer Garage haben Waltraud und Gaetano Milazzo eine Krippe aufgebaut. Im Haus finden sich viele weitere Darstellungen der heiligen Familie. Dabei werden die Szenen in die heutige Zeit übersetzt.
Vor ihrer Garage haben Waltraud und Gaetano Milazzo eine Krippe aufgebaut. Im Haus finden sich viele weitere Darstellungen der heiligen Familie. © Thomas Plettenberg

Maria, Josef, das Jesus-Kindlein: Im Künstlerhaushalt des Ehepaars Milazzo in Rottach-Egern ist die heilige Familie in jeder erdenklichen Ausführung vertreten. Wir haben uns auf Entdeckungstour gemacht.

Rottach-Egern – Nein, besonders fromm seien sie und ihre Familie nun wirklich nicht, stellt Waltraud Milazzo gleich zu Beginn des Interviews klar. Die Vermutung könnte bei einem Besuch des etwas versteckten Häuschens in der Meta-Gadesmann-Straße in Rottach-Egern durchaus aufkommen. Schon im Hof der Milazzos empfangen einen Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen in der Krippe, liebevoll drapiert auf Holzstümpfen, umgeben von Tannengrün. Drumherum scharen sich Hirten, Schafe, ja und sogar Enten. Künstlerische Freiheit eben. Waltrauds Mann Gaetano (82) hat die von der Straße her sichtbare Szenerie aufgebaut. „Um den Leuten eine Freude zu machen“, wie er sagt.

Die Krippen-Szenerie muss nicht immer authentisch sein

Den Anspruch, das Geschehen um die Geburt Christi möglichst authentisch darzustellen, haben die beiden Künstler nicht. Im Gegenteil. Die betende Maria, knieend vor dem Heiland, sucht man im Hause Milazzo vergeblich. „Ich möchte das in unsere Zeit übersetzen“, erklärt die 77-jährige Waltraud Milazzo, die ihre Figuren aus Ton modelliert und nach dem Brennen mit der eigens von ihrem Mann angefertigten Farbe glasiert.

Wer sich im Zuhause der Künstler-Familie näher umsieht, bekommt schnell heraus, was die Bildhauerin mit „zeitgemäßen Krippenfiguren“ meint. Im Keller des Gebäudes, wo auch der neue, erst vor wenigen Wochen angeschaffte Brennofen steht, hütet das Paar einen wahren Schatz: Neben Unmengen an Material und Gläsern mit Farbe sowie zahlreichen Keramiken aus Jahrzehnten eines Künstler-Daseins finden sich dort auch weitere Weihnachtskrippen.

Das Rottacher Rathaus als Heimstatt für die heilige Familie

In einem Fall hat Waltraud Milazzo das Rottacher Rathaus nachgebildet und kurzerhand zur Heimstatt der heiligen Familie gemacht. Die Figuren rundherum tragen original Tegernseer Tracht – die Männer eine Joppe, die Frauen Dirndl mit Schößchen. Sogar ehemalige Würdenträger der Neuzeit haben es in die Szenerie geschafft: „Das sind die Herren Cnyrim, Hatzl und Niedermaier“, erklärt die Künstlerin lachend und zeigt auf drei Figuren, die tatsächlich an die Altbürgermeister von Tegernsee, Kreuth und Rottach-Egern erinnern.

Bunte Krippenfiguren reihen sich auf Wäscheklupperln auf

Gleich darunter im Regal lagert eine „Klupperlkrippe“. Eigentlich hatte Milazzo die Holzklammern zum Wäscheaufhängen gekauft, dann aber nutzte sie die kleinen Helfer aus Pinienholz doch lieber als Basis für bunte Miniatur-Krippenfiguren. „Mir ist halt so schnell langweilig“, sagt die Künstlerin achselzuckend und erklärt damit ihren unbändigen Schaffensdrang. Vor Jahrzehnten hat Milazzo das Modellieren von Keramiken für sich entdeckt. Damals war gerade das dritte von vier Kindern auf die Welt gekommen. Die Kleine wollte nicht schlafen. Milazzo formte daher das Antlitz ihres Kindes, das sie ständig an der Brust trug, aus Ton nach. Damit war die Leidenschaft fürs Figürliche geweckt.

Die Künstlerin Waltraud Milazzo modelliert, was sie gerade bewegt

Egal, wo der Blick in Haus und Garten hinfällt: Neben unzähligen Krippen-Figuren – die teils nur wenige Zentimeter messen – sind die Räume gespickt mit den Skulpturen von Waltraud Milazzo und der Mosaikkunst ihres Mannes. Die Motive sind so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten. Die Künstlerin modelliert das, was sie gerade bewegt.

Lesen Sie hier: Rottacher „Krippenerzähler“ präsentiert seinen Schatz

Doch warum Krippen-Figuren, wenn doch das Religiöse in ihrem Haus keine zentrale Rolle spielt? „Das hat sich so ergeben“, erzählt Waltraud Milazzo. Bei einer Krippen-Ausstellung im Tegernseer Quirinal vor mehr als 20 Jahren habe ihr der damalige Pfarrer Rupert Rigam einen ganzen Raum zur Verfügung gestellt. „Damit hat es angefangen“, sagt die 77-Jährige, die ihre Werke schon zigfach im Tegernseer Tal, im Landkreis und auch weit darüber hinaus ausgestellt hat.

Ein schwarzer Rabe als Symbol für die schwierige Corona-Zeit?

Das neueste Werk Milazzos ist übrigens ein schwarzer Rabe. Er ist nach 48-stündiger Brennzeit gerade frisch – und heil – aus dem Steinofen gekommen. „Er sollte eigentlich als Symbol für unsere etwas dunkle Zeit stehen“, erklärt Milazzo mit Blick auf die noch immer vorherrschende Corona-Krise. Dann aber habe sie festgestellt, dass der Vogel entgegen ihrer Annahme in der Natur und in der Historie doch nicht so einen schlechten Ruf genießt. Manchmal müsse man eben umdenken, sagt die Künstlerin. Sogar, wenn es um die Weihnachtsgeschichte geht.

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