Die Petition mit 1297 Unterschriften überreichte Peter Janssen (l.) im September 2019 an Wilfried Krames, Abteilungsleiter im Bayerischen Justizministerium.
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Die Petition mit 1297 Unterschriften überreichte Peter Janssen (l.) im September 2019 an Wilfried Krames, Abteilungsleiter im Bayerischen Justizministerium.

Noch keine Entscheidung über Wiederaufnahme des Verfahrens

Seit zehn Jahren hinter Gittern: Die letzte Hoffnung des Manfred Genditzki

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Seit zehn Jahren sitzt der Rottacher Manfred Genditzki (60) wegen des sogenannten Badewannen-Mordes im Gefängnis. Viele meinen: unschuldig. Und warten auf eine Entscheidung.

  • Manfred Genditzki wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
  • Verteidiger gehen von Haushaltsunfall aus
  • Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt

Rottach-Egern – Im Juli 2019 startete der Tegernseer Alt-Bürgermeister Peter Janssen gemeinsam mit seiner Frau Ursula und dem Münchner Stanislaus Benecke eine Online-Petition. Sie wollten mit möglichst viel Rückenwind die Wiederaufnahme des Verfahrens im Fall Manfred Genditzki befördern. 1000 Unterschriften waren die Zielmarke. Als die Zahl erreicht war, übergab Janssen im September 2019 die Petition im Münchner Justizpalast an den zuständigen Abteilungsleiter Wilfried Krames. Im Oktober wurde die Online-Petition geschlossen. Stand: 1297 Unterstützer.

Wann Entscheidung des Gerichts fällt, ist „nicht absehbar“

Auf eine Entscheidung warten Genditzki, seine Familie und die Unterstützer noch immer. Die Akten liegen beim Schwurgericht des Landgerichts München I, das über die Wiederaufnahme entscheidet. „Es handelt sich um ein besonders umfangreiches und komplexes Verfahren“, erklärt Richterin Ingrid Haussmann als Pressesprecherin des Oberlandesgerichts München. Eine erhebliche Bearbeitungszeit sei in einem solchen Verfahren üblich. Der Fall liege dem Schwurgericht auch erst seit Januar tatsächlich zur Bearbeitung vor. Wann eine Entscheidung ergehen könne, sei derzeit „nicht absehbar“.

Offenbar hat das Schwurgericht sehr viel zu tun. Es müsse sich nicht nur „mit der gebotenen Prüfungstiefe“ dem Wiederaufnahmeverfahren Genditzki widmen, merkt Haussmann an, sondern habe auch Sitzungen abzuhalten und Urteile zu erlassen.

Janssen wertet die lange Dauer des Prüfverfahrens eher positiv. „Es zeigt, dass sich das Gericht eingehend mit dem Fall befasst“, meint er. Aktuell bleibe nichts anderes übrig, als zu warten. Es gebe auch kein Rechtsmittel, dass man in diesem Fall einlegen könnte.

Genditzki soll 87-Jährige in der Badewanne ertränkt haben

Genditzki war 49 Jahre alt und Hausmeister in einer Rottacher Wohnanlage, als die von ihm betreute 87-Jährige in der Badewanne starb. Der Familienvater beteuerte stets seine Unschuld. Das Gericht kam jedoch zu der Überzeugung, dass der Hausmeister die alte Dame getötet hat. Zunächst stand der Vorwurf im Raum, Genditzki habe Geld der 87-Jährigen unterschlagen. Als klar wurde, dass dies nicht der Fall war, zeigte sich die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass Genditzki die Frau nach einem Streit niedergeschlagen und anschließend ertränkt hat. Im Mai 2010 wurde der Hausmeister zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

Als der Bundesgerichtshof das Urteil im Januar 2011 wieder aufhob, keimte Hoffnung auf. Doch im März 2012 verurteilte das Landgericht München II Genditzki erneut zu lebenslanger Haft.

Verteidiger glauben an Unfall und legen Computersimulation vor

Genditzkis Familie und seine Anwältin Regina Rick geben dennoch nicht auf. Sie sind davon überzeugt, dass die Seniorin bei einem Haushaltsunfall gestorben ist. Für die Theorie, dass die 87-Jährige ihre Wäsche in der Badewanne reinigen wollte und dabei ohnmächtig wurde, sehen sie neue Beweismittel und bringen auch eine neue Zeugin ins Spiel. Am 11. Juni 2019 reichte die Anwältin beim Landgericht München II den Antrag auf Zulassung der Wiederaufnahme ein. Ein wesentlicher Punkt ist dabei eine Computersimulation, die bisherigen Annahmen zum Tathergang widerspricht.

Die Staatsanwaltschaft München II sieht darin jedoch keinen Beweis, der die Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertigt. Die Prüfung durch das Schwurgericht ist die letzte Hoffnung. In den Medien wurde und wird der Fall Genditzki immer wieder diskutiert. Vielfach war von einem Justiz-Irrtum die Rede. Online sind die Fakten aus Sicht der Unterstützer unter www.manfred-genditzki.eu nachzulesen.

Auch Janssen hält einen Unfall für wahrscheinlich. Seine Frau hatte die Familie und auch den Verurteilten als Ärztin behandelt. Genditzki war nicht nur als Hausmeister tätig, sondern hatte die alte Dame im Alltag in vielen Dingen unterstützt, übernahm auch Einkäufe und Fahrten zum Arzt. Aus ihrer Wohnung wurde nichts gestohlen.

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