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Selbst für einen Könner wie ihn eine Herausforderung: Peter Lamm drechselte aus einem Stück Olivenholz diese urige Schüssel mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern. 

Rottacher hat es mit einem riesigen Stück Olivenholz aufgenommen

Drechsler Peter Lamm (72) und seine neueste Herausforderung

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Peter Lamm steht mit seinen 72 Jahren noch täglich an der Drechslerbank. Der Rottacher ist ein Unikum – und sein neuestes Werk ist es auch.

Rottach-Egern – Früh am Morgen, manchmal schon kurz nach 6 Uhr, knipst Peter Lamm das Licht in seiner kleinen Werkstatt am Anzengruberweg an, schaltet das Radio für seine geliebte Volksmusik an, und schon geht’s los. Im sogenannten Reitstock ist mit einer Metallplatte vom Vorabend noch ein Stück Holz fixiert. Zirbenholz. „Das wird eine Schüssel mit Deckel“, sagt Lamm, als ihn die Tegernseer Zeitung einige Stunden später in der Werkstatt besuchen. Er deutet auf die Äste im Holz und erklärt, dass diese die ätherischen Öle freigeben. Zirbenholz sei luftdurchlässig und ein richtiges „Modeholz“ – wegen des Dufts. „Zirbe riecht sicherlich zwei bis drei Jahre. Wenn Sie das Holzstück dann lauwarm abwaschen oder nachschleifen lassen, dann riecht’s wieder intensiver“, sagt der 72-jährige Rottacher. Zirbenholz ist so begehrt, dass Lamm die Späne nicht einfach zusammenkehrt und entsorgt. Er packt sie in kleine Tüten und gibt sie dem Kunden mit nach Hause. „Ich muss ja lachen“, sagt er und schmunzelt, „weil manche Damen die Späne sogar ins Badewasser geben, weil sie so gut riechen.“

Sogar Hüte werden gedrechselt

Gekonnt und mit ruhigen Händen, die trotz der 72 Jahre und lebenslangem Zupacken erstaunlich jung wirken, führt Lamm das entsprechend große Drechseleisen über das Holz, das sich in Wellen dreht. Hat der Gegenstand seine richtige Form, wird er mit Schleifpapieren in unterschiedlicher Körnung bearbeitet. So lange, bis das filigrane Kunststück fertig ist. Schalen, Schüsseln, Brotdosen, Kugeln, Pfeffermühlen, Schreibwerkzeuge, Schützenscheiben und vieles mehr drechselt Lamm. Auch Hüte mit nur zwei Millimetern dünner Krempe. Sogar ins Fernsehen brachte ihn diese Kunst schon, die er sich von einem Neuseeländer abgeschaut hatte. In seinem Ausstellungsraum gleich neben der Werkstatt, sind einige Exemplare zu sehen, auf die Kunden aus der ganzen Welt ganz narrisch sind.

Drechseln ist eines der ältesten Handwerke mit kulturhistorischer Bedeutung. Lamm gehört zu den noch wenigen Könnern. Dabei hat er erst vor 17 Jahren damit begonnen, sich seiner Leidenschaft intensiv zu widmen. Damals übergab der Schreinermeister die von seinem Vater Adolf gegründete Schreinerei an die beiden Söhne Markus (44) und Thomas (41). Sein Vater war es auch, der in ihm die Begeisterung weckte. Lamm besuchte Kurse und verfeinerte seine Fertigkeit.

Wenn er prüfend, bewundernd, ja liebevoll über die geformten Gegenstände streicht, dann wird die innige Verbindung dazu deutlich. Und die Begeisterung für die Schönheit, die ein Holzstück bei seiner Bearbeitung entfaltet – egal ob es sich um die bevorzugte Zirbe, durch Nässe gestocktes Ahornholz, Birke, Zwetschge, Welschnuss oder ein exotisches Holz handelt.

Diese Olivenholz-Schüssel war eine Herausforderung

Vor kurzem nahm es Lamm mit einem Stück Olivenholz auf. In die Werkstatt kam ein Kunde mit einem fast einem Meter großen, 40 Zentimeter dicken Stück, das er aus Griechenland mitgebracht hatte. „Ich solle was daraus machen, mit Vorliebe eine Schale“, erinnert er sich. „Das war ein Riesen-Brackl Holz, 80 Kilo schwer“, erzählt Lamm. Der Naturrand sollte dran bleiben. „die Schüssel war eine echte Herausforderung, die größte für mich bisher“, erzählt Lamm. Er rief einen Drechsler-Freund in Burghausen an, fuhr mit dem Holz dorthin und bearbeitete auf dessen großer Drechslerbank wie gehabt das Holz. Millimeter für Millimeter, ohne Zwischenfall. „Da hab’ ich mir schon gedacht, ’jetzt duast scho so lang drechseln, und dann kimmt so was’“.

Die Schale mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern gelang natürlich und ziert seitdem die Wohnung des Kunden. Eine urige Schüssel mit natürlichem Rand – ein echtes Kunstwerk. „Die Zeit hat sich geändert“, glaubt der 72-Jährige, „Natur pur, das ist gefragt.“

Das Stück Zirbenholz auf der Drechslerbank braucht noch seine Zeit. Morgen früh, noch ehe die Sonne aufgeht, wird sich Peter Lamm ihm wieder widmen.

gr

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