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Einfühlsame Hilfe für Kindern mit Problemen: Um das zu leisten, brauchen Lehrer Unterstützung. 

Jugendhilfeausschuss bestätigt Bedarf

Schulen rufen um Hilfe: Brauchen dringend mehr Sozialarbeiter

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Mobbing, Stress in der Familie, Sprachprobleme – in den Miesbach und Rottach-Egern Mittelschulen und der Grundschule Bad Wiessee muss die Sozialarbeit deutlich verstärkt werden.

Landkreis„Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, machte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) im Jugendhilfeausschuss deutlich. Das Gremium war aufgefordert, den Bedarf für Sozialarbeit an gleich drei Schulen zu bestätigen. In Miesbach und Rottach-Egern wird die Stundenzahl von 20 auf 40 pro Woche aufgestockt. An der Grundschule Bad Wiessee wird die Sozialarbeit neu eingeführt, vereinbart sind 20 Stunden pro Woche.

In Zweifel stand der Bedarf nicht, der Jugendhilfeausschuss gab sein Okay einmütig. Allerdings monierte Ulrike Stockmeier (FWG), ehemals Leiterin der Holzkirchner Grundschule, dass die Jugendsozialarbeit an den Schulen noch immer auf kommunaler Ebene finanziert werden muss. „Das sollte längst Sache des Kultusministeriums sein. Ich bin da maßlos ernüchtert.“

Warum Lehrer Unterstützung durch Sozialarbeiter brauchen, schilderte Martina Thrainer, Konrektorin der Mittelschule Miesbach. Dort ist das Spektrum besonders breit: An der einzigen eigenständigen Mittelschule des Landkreises gibt es Ganztagsunterricht, M-Klassen und eine Praxisklasse. Die Vielfalt mache es nicht leichter, merkte Thrainer an. Dazu komme ein hoher Anteil an Migranten. „Da wird es den Mittelschulen auch nicht leicht gemacht, weil sich die Realschulen und Gymnasien sperren und nicht einbringen“, meinte Thrainer. Für manchen jungen Migranten sei die Einstufung als Mittelschüler frustrierend. „Die sprechen drei, vier Sprachen. Nur eben nicht deutsch.“ Andere hätten bislang überhaupt keine Schule besucht.

Daneben nehme die Zahl der Eltern zu, die ihre eigenen psychischen Probleme in die Schule tragen. „Und wir haben auch viele Fälle von WhatsApp-Mobbing.“

Eltern frühzeitig mit ins Boot zu nehmen, ist Gertraud Pfaffenberger wichtig, Rektorin der Grundschule Bad Wiessee. Je früher eine Einzelfallbetreuung einsetze, desto besser. Wie Ulrich Throner, Konrektor der Mittelschule Rottach-Egern, war sie in den Ausschuss gekommen, um den Bedarf zu erläutern. Ins Detail gingen Pfaffenberger und Throner nicht. Es sei wichtig, die Mittelschule zu stärken, Probleme gebe es an allen Schulen, betonte Throner.

Ausführlicher begründet ist der Bedarf der Rottacher Mittelschule im schriftlichen Antrag zur Sitzung. Dort ist von „extrem zugenommenen Auffälligkeiten“ die Rede. Die Fallzahl der Beratungen habe sich seit 2010 verdoppelt. „Die innerhalb der Schülerstruktur auftretenden Probleme sind zunehmend komplexer und in ihren Auswirkungen massiver geworden“, heißt es im Bericht.

In der Wiesseer Grundschule bedeutet der hohe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund eine Herausforderung. Im Schnitt liegt er bei 32,8 Prozent, in den beiden dritten Klassen sogar bei 56 und 68 Prozent. „Teilweise gibt es verhärtete Gruppenkonstellationen“, heißt es zur Situation. In der Schülerschaft bestehe ein hoher und täglicher Bedarf an Konfliktmediation. Dies zu leisten, sei nicht in wenigen Minuten möglich, sondern müsse in „Ruhe und vertraulichem Rahmen“ stattfinden.

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