Rottach-Egern: So malerisch von oben und doch auch Schauplatz eines ziemlich schmutzigen Drogen-Dramas.
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Rottach-Egern: So malerisch von oben und doch auch Schauplatz eines ziemlich schmutzigen Drogen-Dramas.

Drogenhandel via Darknet und Pflegeheim

Dealer-Familie in Rottach-Egern: Sohn bringt Mutter mit Aussage hinter Gittern - jetzt wird sie entlastet

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  • Angela Walser
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  • Klaus-Maria Mehr
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  • Nina Gut
    Nina Gut
  • Claudia Schuri
    Claudia Schuri

Ein Jahr nach einem Drogenprozess, bei dem eine Rottacherin und ihr Sohn zu Haftstrafen verurteilt wurden, ist plötzlich alles anders. Die Strafe der Frau wird reduziert.

  • Vor einem Jahr wurden eine Rottacherin und ihr Sohn zu mehreren Jahren Haft verurteilt.
  • Sie sollen im großen Stil mit Amphetaminen und Haschisch gehandelt haben - um ihre eigene Sucht zu finanzieren.
  • Der Sohn, der damals die Mutter schwer belastete, revidiert seine Aussage nun komplett.

Mutter wird nur noch zu acht Monaten Haft verurteilt - und erhält Entschädigung

Update, 7. September 2020: Nach zwei Tagen Verhandlung ist das Urteil gefallen. Am Montag wurde die 52-jährige Rottacherin vor dem Landgericht München I zu nur noch acht Monaten Haft verurteilt. Da sie bereits 15 Monate verbüßt hat, ist die Strafe wirkungslos. Im Gegenzug erhält die Mutter eine Entschädigung für die zusätzlichen sieben Monate. Verteidiger Bernd Szaunig, der ein Wiederaufnahmeverfahren beantragt hatte, war glücklich, obwohl er auf Freispruch plädiert hatte.

Dem Sohn war niemand so wirklich böse. Seine Verteidiger hätten ihm geraten, nichts zu sagen, erklärte die Mutter am Rande des Verfahrens. Und auch der Vater (70), mit dem die Angeklagte seit langem nicht mehr zusammen, aber dennoch freundschaftlich liiert ist, hielt die Verteidiger aus erster Instanz für die „Schuldigen“ an der Freiheitsstrafe der 52-Jährigen. Dabei hatte der Vorsitzende Richter aus erster Instanz den angeklagten Sohn mehrfach gefragt, ob sein pauschales Geständnis auch die Bereiche betreffen würde, welche die Mutter belasten. Eine abweichende Antwort sei von den Verteidigern abgeblockt worden, hieß es am Montag in einer Prozesspause.

Die Mutter nutzte die Zeit in Haft, um einen Entzug zu machen. Außerdem begann sie in der Unterbringung eine Therapie. Immer wieder soll sie ihrer behandelnden Ärztin erklärt haben, dass sie unschuldig sei. Doch die rechtliche Komponente interessierte die Psychologin weniger. Ihr ging es mehr um die Krankheitseinsicht der Frau, die streckenweise eine Flasche Wodka pro Tag getrunken und sich auch Joints gegönnt hatte. Deshalb kam sie auch nicht von einer Verurteilung wegen Besitzes von Rauschmitteln weg. Dass sie von 150 Gramm Cannabis in ihrer Wohnung angeblich nichts gewusst hatte, nahmen ihr die Polizei und auch das Gericht nicht so richtig ab.

Doch kein Drogen-Duo am Tegernsee? Verhandlung wird nach einem Jahr neu aufgerollt

Update, 6. September 2020: Ein ungleiches Drogenduo vom Tegernsee steht erneut vor Gericht. Mutter und Sohn aus Rottach-Egern wurden vor einem Jahr wegen geschäftsmäßigen Drogenhandels verurteilt. Beide zu mehreren Jahren Haft (siehe Update weiter unten). Nun wurde der Fall neu aufgerollt: Offenbar hatte der inzwischen 25-jährige Sohn einen Sinneswandel.

Vor einem Jahr belastete er seine Mutter schwer: In einer überraschenden Stellungnahme am zweiten Verhandlungstag sagte der Rottacher aus, dass eine Mutter durchaus und vollumfänglich an den Drogengeschäften beteiligt gewesen sei. Unter anderem gingen die Drogen-Pakete, die im Darknet in Spanien bestellt worden, an die Adresse eines Bekannten der Mutter. Wie die Bild am Sonntag berichtet, flog so der Handel erst auf. Der Bekannte der Mutter lag nämlich da schon im Pflegeheim.

Als er starb, richtete dessen Schwägerin einen Nachsendeauftrag ein - und erhielt prompt eine Drogenlieferung aus Haschisch und Amphetaminen im Wert von 3000 Euro. Deshalb und weil die Mutter selbst ihre Sucht finanzieren musste, folgte das Gericht den belastetenden Aussagen des Sohnes.

Drogen-Dealer in Rottach-Egern: Sohn zeigt plötzlich Reue und entlastet Mutter

Nun der plötzliche Sinneswandel: In einem Brief an seine Mutter bereut der Rottacher, sie damals mit belastet zu haben. Das sei gelogen gewesen. In keiner Weise war die Mutter an seinen Drogengeschäften beteiligt. Ob das Gericht an die neue Version glaubt, stellt sich noch heraus. Am Montag (7. September) wird das Urteil erwartet.

Wenn es so kommt, droht dem Rottacher Burschen ein neues Verfahren - wegen Falschaussage und Freiheitsberaubung. Die Muter hat aber offenbar ihrem Sohn vergeben. „Blut ist dicker als Wasser“, sagte sie der BamS. Außerdem habe ihr die Haftstrafe gutgetan. Sie sei jetzt seit Monaten clean.

Drogen-Dealer in Rottach-Egern: Urteil gefallen - Mutter und Sohn verurteilt

Update, 12. August 2019: München/Rottach-Egern – Das Drogengeschäft war ein Familienunternehmen: Vor dem Landgericht München II mussten sich eine Mutter (51) und ein Sohn (24) aus Rottach-Egern verantworten, weil sie gemeinsam mit Drogen gehandelt haben sollen (siehe ursprüngliche Meldung weiter unten). Jetzt ist ein Urteil gefallen: Der Sohn wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monate verurteilt, die Mutter zu vier Jahren. Beide müssen in eine Entziehungsanstalt. 

Dealer-Familie aus Rottach-Egern am Tegernsee: Regelmäßige Pakete aus Spanien

Die Angeklagten hatten aus Spanien Pakete mit Haschisch und Amphetamin bestellt. Nach Ansicht des Gerichts wollten sie sich durch den Verkauf von Drogen eine dauerhafte Einnahmequelle schaffen. „Das Gericht ist von der Erwerbsmäßigkeit überzeugt“, erklärte der Richter. Das Geld benötigten Mutter und Sohn unter anderem, um ihren eigenen Drogenkonsum zu finanzieren.

Der 24-Jährige hatte am zweiten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen und ein umfassendes Geständnis eingereicht - und dabei auch seine Mutter belastet. Diese erklärte jedoch, selbst nicht aktiv an den Drogengeschäften beteiligt gewesen zu sein. Sie hätte ihrem Sohn nur psychischen Beistand geleistet. 

Dem schenkte das Gericht keinen Glauben. Zum einen hätte der Sohn keinen Grund, seine Mutter falsch zu belasten, hieß es in der Urteilsbegründung. Zum anderen würden Chat-Gespräche und Handy-Sprachnachrichten zwischen Mutter und Sohn aus Rottach-Egern belegen, dass die beiden gleichberechtigt gehandelt hätten. Zwar sei die Mutter nicht im Verkauf der Drogen involviert gewesen. Sie hätte aber den Kontakt zu einem mittlerweile verstorbenen Bekannten gehalten, der damals in einem Pflegeheim lebte. Die Pakete wurden zum Teil an dessen Adresse geschickt. Die 51-Jährige soll unter anderem Absprachen gemacht und Pakete weitergegeben haben. 

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Das Gericht war sich deshalb sicher, dass sie sich ebenfalls aktiv um den Drogenhandel gekümmert hat. „Sie hatte auch ein Eigeninteresse an der Tat“, so der Vorsitzende Richter. Immerhin sei ihr Lebenswandel durch den Konsum von Alkohol, Zigaretten und Betäubungsmittel sehr teuer gewesen. 

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Ohne Therapie sei deshalb die Gefahr für weitere Taten groß, so die Einschätzung der Richter. Sie ordneten deshalb die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, wo Mutter und Sohn die Chance haben, ihre Sucht zu bekämpfen.

Ursprünglicher Bericht vom 8. August 2019: Rottach-Egern/München – Es ist ein ungewöhnliches Drogen-Duo, das seit Donnerstag auf der Anklagebank des Landgerichts München II sitzt: Mutter (51) und Sohn (24), beide aus Rottach-Egern, beide jetzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat die gelernte Masseurin und den Einzelhandelskaufmann angeklagt, gemeinsam in fünf Fällen mit Drogen gehandelt zu haben. Weitere Vorwürfe lauten auf Anstiftung zur unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln, versuchten Erwerb von Betäubungsmitteln sowie bei der Mutter auf unerlaubten Besitz von Drogen.

Es geht vor allem um fünf Drogen-Lieferungen aus Spanien. Das Mutter-Sohn-Gespann soll im Juni und Juli 2018 bei unbekannten Lieferanten im Darknet fünf Pakete mit Haschisch und Amphetamin bestellt haben. Zur Verschleierung gaben sie als Empfänger zunächst Namen und Adresse eines mittlerweile verstorbenen Bekannten an, der in einem Pflegeheim in Tegernsee lebte. Nachdem die Pakete von einer Zeugin abgefangen worden waren, gingen die nächsten Sendungen an den 24-Jährigen selbst. Bei einer Hausdurchsuchung am 19. Juli 2018 fand man in der Wohnung der 51-Jährigen LSD-Trips, Ecstasy-Tabletten, Amphetamin sowie Marihuana-Stängel und -dolden.

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Der Sohn machte zum Auftakt des Prozesses keine Angaben zu den Vorwürfen. Seine Mutter dagegen schon. Ihr Verteidiger schickte vorweg, dass sie „kein umfassendes Geständnis im Sinne der Anklage“ ablege. Dann berichtete sie selbst, dass sie „ab und an“ Cannabis rauche, „aber nicht täglich“. Die Amphetamine, die man bei ihr in der Wohnung gefunden habe, hätten sich in einer Tasche befunden, „die nicht mir gehört“. Sie habe auch gar keinen Bezug zu Amphetaminen. Wem die Tasche gehört, wollte sie nicht preisgeben. Nur das „bissl Gras“, das die Polizei gefunden habe, habe ihr gehört, „das war’s“. „Ein paar Stängel, da war nix mehr dran.“

Die 1100 Euro, die man ebenfalls in der Wohnung entdeckte, würden nicht aus Drogengeschäften stammen. Sie kämen vom Vater ihres Sohnes. „Der bringt jeden Tag irgendetwas vorbei.“ Das Geld sei für den Sohn bestimmt gewesen, etwa 200 Euro davon für sie selbst. Aber das wusste sie angeblich nicht so genau. „Wenn ich 1100 Euro bekomme, dann weiß ich das“, entgegnete der Vorsitzende Richter.

Die 51-Jährige gab schließlich zu, dass sie „irgendwie schon was“ von den Drogen-Bestellungen aus Spanien wusste. „Aber ich wusste nicht, wo und wie.“ Außerdem sei sie nur von geringen Mengen Cannabis ausgegangen – von zwei oder drei Paketen mit jeweils zehn Gramm. Dabei waren es meist an die 50 Gramm.

In einem Rechtsgespräch versuchten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Doch das scheiterte an weit unterschiedlichen Vorstellungen. Das Gericht stellte den Angeklagten bei einem umfassenden Geständnis schließlich folgende Haftstrafen in Aussicht: zwischen drei und dreieinhalb Jahren für die Mutter; zwischen drei Jahren und drei Monaten sowie drei Jahren und neun Monaten für den Sohn.

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