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Prozess am Landgericht München II

Harte Strafen für Drogen-Duo aus Rottach-Egern 

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Das Landgericht München II hat eine Mutter und ihren Sohn aus Rottach-Egern wegen Drogenvergehen zu Haftstrafen verurteilt - und nicht nur das.

Update, 12. August

München/Rottach-Egern – Das Drogengeschäft war ein Familienunternehmen: Vor dem Landgericht München II mussten sich eine Mutter (51) und ein Sohn (24) aus Rottach-Egern verantworten, weil sie gemeinsam mit Drogen gehandelt haben sollen (wir berichteten). Jetzt ist ein Urteil gefallen: Der Sohn wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monate verurteilt, die Mutter zu vier Jahren. Beide müssen in eine Entziehungsanstalt. 

Die Angeklagten hatten aus Spanien Pakete mit Haschisch und Amphetamin bestellt. Nach Ansicht des Gerichts wollten sie sich durch den Verkauf von Drogen eine dauerhafte Einnahmequelle schaffen. „Das Gericht ist von der Erwerbsmäßigkeit überzeugt“, erklärte der Richter. Das Geld benötigten Mutter und Sohn unter anderem, um ihren eigenen Drogenkonsum zu finanzieren. Der 24-Jährige hatte am zweiten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen und ein umfassendes Geständnis eingereicht - und dabei auch seine Mutter belastet. Diese erklärte jedoch, selbst nicht aktiv an den Drogengeschäften beteiligt gewesen zu sein. Sie hätte ihrem Sohn nur psychischen Beistand geleistet. 

Dem schenkte das Gericht keinen Glauben. Zum einen hätte der Sohn keinen Grund, seine Mutter falsch zu belasten, hieß es in der Urteilsbegründung. Zum anderen würden Chat-Gespräche und Handy-Sprachnachrichten zwischen Mutter und Sohn belegen, dass die beiden gleichberechtigt gehandelt hätten. Zwar sei die Mutter nicht im Verkauf der Drogen involviert gewesen. Sie hätte aber den Kontakt zu einem mittlerweile verstorbenen Bekannten gehalten, der damals in einem Pflegeheim lebte. Die Pakete wurden zum Teil an dessen Adresse geschickt. Die 51-Jährige soll unter anderem Absprachen gemacht und Pakete weitergegeben haben. 

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Das Gericht war sich deshalb sicher, dass sie sich ebenfalls aktiv um den Drogenhandel gekümmert hat. „Sie hatte auch ein Eigeninteresse an der Tat“, so der Vorsitzende Richter. Immerhin sei ihr Lebenswandel durch den Konsum von Alkohol, Zigaretten und Betäubungsmittel sehr teuer gewesen. 

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Ohne Therapie sei deshalb die Gefahr für weitere Taten groß, so die Einschätzung der Richter. Sie ordneten deshalb die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, wo Mutter und Sohn die Chance haben, ihre Sucht zu bekämpfen.


Ursprünglicher Bericht vom 8. August

Rottach-Egern/München – Es ist ein ungewöhnliches Drogen-Duo, das seit Donnerstag auf der Anklagebank des Landgerichts München II sitzt: Mutter (51) und Sohn (24), beide aus Rottach-Egern, beide jetzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat die gelernte Masseurin und den Einzelhandelskaufmann angeklagt, gemeinsam in fünf Fällen mit Drogen gehandelt zu haben. Weitere Vorwürfe lauten auf Anstiftung zur unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln, versuchten Erwerb von Betäubungsmitteln sowie bei der Mutter auf unerlaubten Besitz von Drogen.

Es geht vor allem um fünf Drogen-Lieferungen aus Spanien. Das Mutter-Sohn-Gespann soll im Juni und Juli 2018 bei unbekannten Lieferanten im Darknet fünf Pakete mit Haschisch und Amphetamin bestellt haben. Zur Verschleierung gaben sie als Empfänger zunächst Namen und Adresse eines mittlerweile verstorbenen Bekannten an, der in einem Pflegeheim in Tegernsee lebte. Nachdem die Pakete von einer Zeugin abgefangen worden waren, gingen die nächsten Sendungen an den 24-Jährigen selbst. Bei einer Hausdurchsuchung am 19. Juli 2018 fand man in der Wohnung der 51-Jährigen LSD-Trips, Ecstasy-Tabletten, Amphetamin sowie Marihuana-Stängel und -dolden.

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Der Sohn machte zum Auftakt des Prozesses keine Angaben zu den Vorwürfen. Seine Mutter dagegen schon. Ihr Verteidiger schickte vorweg, dass sie „kein umfassendes Geständnis im Sinne der Anklage“ ablege. Dann berichtete sie selbst, dass sie „ab und an“ Cannabis rauche, „aber nicht täglich“. Die Amphetamine, die man bei ihr in der Wohnung gefunden habe, hätten sich in einer Tasche befunden, „die nicht mir gehört“. Sie habe auch gar keinen Bezug zu Amphetaminen. Wem die Tasche gehört, wollte sie nicht preisgeben. Nur das „bissl Gras“, das die Polizei gefunden habe, habe ihr gehört, „das war’s“. „Ein paar Stängel, da war nix mehr dran.“

Die 1100 Euro, die man ebenfalls in der Wohnung entdeckte, würden nicht aus Drogengeschäften stammen. Sie kämen vom Vater ihres Sohnes. „Der bringt jeden Tag irgendetwas vorbei.“ Das Geld sei für den Sohn bestimmt gewesen, etwa 200 Euro davon für sie selbst. Aber das wusste sie angeblich nicht so genau. „Wenn ich 1100 Euro bekomme, dann weiß ich das“, entgegnete der Vorsitzende Richter.

Die 51-Jährige gab schließlich zu, dass sie „irgendwie schon was“ von den Drogen-Bestellungen aus Spanien wusste. „Aber ich wusste nicht, wo und wie.“ Außerdem sei sie nur von geringen Mengen Cannabis ausgegangen – von zwei oder drei Paketen mit jeweils zehn Gramm. Dabei waren es meist an die 50 Gramm.

In einem Rechtsgespräch versuchten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Doch das scheiterte an weit unterschiedlichen Vorstellungen. Das Gericht stellte den Angeklagten bei einem umfassenden Geständnis schließlich folgende Haftstrafen in Aussicht: zwischen drei und dreieinhalb Jahren für die Mutter; zwischen drei Jahren und drei Monaten sowie drei Jahren und neun Monaten für den Sohn.

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