Ein Laserkreuz strahlte an Ostern 2020 als Zeichen des Trostes und der Hoffnung am Wallberg (Archivbild)
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Ein Laserkreuz strahlte an Ostern 2020 als Zeichen des Trostes und der Hoffnung am Wallberg (Archivbild)

Pfarrer Walter Waldschütz im Interview

Echte Gottesdienste: Mehr Leuchtkraft als ein Laserkreuz

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Als Licht in der dunklen Zeit der Pandemie leuchtete zu Ostern 2020 ein Laser-Kreuz über dem Tegernsee. Eine einmalige Aktion? Das sagt Pfarrer Walter Waldschütz.

Rottach-Egern – Um in der dunklen Zeit der Pandemie ein Zeichen zu setzen, hatte Walter Waldschütz (68) als Leiter des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth an Ostern 2020 von Karfreitag bis Ostersonntag allabendlich ein Laserkreuz auf dem Wallberg erstrahlen lassen. Wird das eine einmalige Aktion bleiben oder leuchtet der Laser auch diese Ostern? Wir haben nachgefragt.

Monsignore Waldschütz, haben Sie über eine Wiederauflage der Laser-Aktion nachgedacht?

„Schon an Weihnachten bin ich sehr oft darauf angesprochen worden, ob ich nicht wieder für ein Laserkreuz sorgen möchte. Jetzt zu Ostern fragen auch viele nach. An den Finanzen würde das auch nicht scheitern. Es haben sich einige wohlhabende Leute angeboten, die Kosten zu übernehmen. Aber ich will dabei bleiben, dass es – wie angekündigt – eine einmalige Aktion war. Vor einem Jahr wurde Ostern einfach abgesagt, da wollte ich ein ganz besonderes Zeichen setzen. Das war gelungen!“

Heuer hatte die Kanzlerin erst eine Osterruhe angekündigt.

„Das hat mich dann auch tatsächlich dazu gebracht, intensiv über eine neue Laser-Aktion zum Osterfest nachzudenken. Diesmal sollte es aber nicht nur das Kreuz sein, sondern ein Zeichen der Auferstehung. Ich war deshalb schon im Kämmerchen mit dem lieben Gott. Diesmal sollte es ein strahlender Stern sein, ich hatte schon mit den Burschen vom Laser-Team gesprochen. Aber dann ist die Kanzlerin in Sachen Oster-Lockdown wieder zurückgerudert, und das ist gut.“

Gibt es jetzt keine Veranlassung mehr für einen Laser-Stern?

„Solange wir Präsenzgottesdienste abhalten dürfen, sehe ich keine Veranlassung. Gottesdienste sind für uns ungemein wichtig, auch in der durch Corona eingeschränkten Form. An Ostern 2020 war gar kein Zusammenkommen möglich, deshalb musste ich mir eine neue Form überlegen, um ein Zeichen des Trostes und der Hoffnung zu senden und sichtbar zu machen, dass man uns nicht einfach so wegdenken kann.“

Monsignore Walter Waldschütz

Und ist das Zeichen angekommen?

„Ich habe noch nie so viel Resonanz bekommen wie auf dieses Laserkreuz. Noch lange danach haben mich Briefe von Menschen erreicht, die ihr persönliches Erleben schildern. Tief berührt hat mich der Brief einer Frau, die eigentlich nicht in die Kirche geht, sich aber intensiv das Laserkreuz angesehen hat. „Ich spüre, dass das Kreuz mich trägt“, schreibt sie. Eine andere hat mir berichtet, dass sie als Spaziergängerin unterwegs war und meinte, ein Wunder zu erleben. Sie hatte in dem Moment für sich gedacht, dass sie ein Zeichen braucht, um diese dunkle Zeit zu überstehen, und dann strahlte plötzlich ein Kreuz am Himmel. Wir hatten da gerade eine Probebeleuchtung gemacht.“

Die Durchführung war sicher nicht einfach.

„Es war wirklich sehr schwierig. Erst hieß es vonseiten der Behörde, eine Laseraktion in Richtung Wallberg wäre unmöglich. Aber dann hat uns Martin Pemler vom Landratsamt wirklich sehr unterstützt und mögliche erlaubte Wege aufgezeigt. So haben wir die nötigen Genehmigungen doch noch bekommen. Wir mussten zum Beispiel darlegen, dass unser Kreuz keine Insekten und andere Tiere verstört. Den Projektor durften wir im Garten von Bürgermeister Christian Köck platzieren. Bei den Kosten von knapp 3000 Euro habe ich erst schwer geschluckt. Aber dann haben die Gemeinde Rottach-Egern und die Stadt Tegernsee uns unterstützt, viele weitere Spenden kamen dazu. Am Ende blieben nur 400 Euro für die Kirche.“

Die düsteren Zeiten sind leider nicht vorbei. Werden denn trotz Corona lebendige Gottesdienste stattfinden können?

„Ja, ich bin sehr dankbar, dass es hier durch Verhandlungen mit dem Katholischen Büro Bayern zu diesem Ergebnis gekommen ist. Ich bin überzeugt, dass der Präsenzgottesdienst für viele auch Medizin und lebensnotwendig ist. „Bitte Herr Pfarrer, setzen Sie sich unbedingt dafür ein!“, bekam ich immer zu hören. Allein der Auftakt am Palmsonntag hat trotz steigender Infektionszahlen mit ganz viel Verständnis, Rücksichtnahme und auch Wertschätzung der Gläubigen bewiesen, wie zutreffend und wertvoll diese Aussage ist. Ich selbst bin ganz angetan von der Feierlichkeit und auch Teilnahme von vielen Familien und Gläubigen: „Wer Ostern kennt, braucht nicht verzweifeln.“ Wir brauchen auch Mutmacher!“

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jm

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