+
Teppichklopfen und andere Tätigkeiten, die der tägliche Haushalt erfordert, lernten die jungen Damen im Töchterheim Schneider in Rottach-Egern.

Ehemalige Schülerinnen treffen sich in Rottach

Töchterheim am Tegernsee: Wo die jungen Damen zur guten Hausfrau wurden

  • schließen

Wie ein Haushalt ordentlich zu führen ist, das lernten früher die Schülerinnen im Töchterheim in Rottach-Egern. Nur noch wenige wissen, dass es diese Schule mal gab. Jetzt kehren ein paar Ehemalige an den Tegernsee zurück. 

Rottach-Egern – Monika Hammans – heute 66 Jahre alt – weiß noch gut, wie es seinerzeit im Töchterheim Schneider in Rottach-Egern zuging. Junge Damen aus besserem Hause verbrachten dort zwischen sechs und zwölf Monate, um das Einmaleins der guten Haus- und Ehefrau zu erlernen. „Betten machen, Teppich klopfen – wir haben dort alles gelernt, was die jungen Frauen von heute wohl nicht mehr so machen“, erzählt Hammans, die eigentlich in Nettetal am Niederrhein zuhause ist. Auch Themen wie Geburtslehre und Grammatik standen auf dem Stundenplan.

Die Zeit in dem Töchterheim im Wittgensteinfeld, das Ende der 60er-Jahre seine Pforten endgültig schloss, sind Hammans in positiver Erinnerung geblieben. Daher organisiert sie alle fünf Jahre gemeinsam mit einer Freundin ein Treffen des Jahrgangs 1967/68 am Tegernsee. Heuer feiern die Töchter von damals ihr 50-Jähriges. Knapp 30 Frauen aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland werden dabei sein.

Als „modernes Internat“ warb das Töchterheim in damaligen Zeiten für sich.

Schon damals kamen die wenigsten Schülerinnen aus der Region selbst. Und auch heute muss Hammans ihre Fühler bis nach Frankreich, Portugal, England oder auch Argentinien ausstrecken, um ihre ehemaligen Mitschülerinnen zu erreichen. Dennoch sei der Kontakt stets geblieben, berichtet die 66-Jährige. „Wir haben am Tegernsee ein so intensives Jahr miteinander erlebt“, sagt Hammans. Das verbindet die Frauen bis heute. „Wir durften eigentlich kaum vor die Türe, und Jungen mussten wir natürlich links liegen lassen“, erinnert sich die ehemalige Schülerin des Töchterheims.

Heute steht an der Stelle des einstigen Schulgebäudes an der Südlichen Hauptstraße ein Wohnhaus, die Erinnerungen ans Töchterheim Schneider sind mittlerweile verblasst. Selbst bei intensiver Recherche im Internet finden sich kaum Informationen über die Einrichtung.

Aus Aufzeichnungen, die Monika Hammans vorliegen, geht jedoch hervor, dass Gründerin Margarethe Schneider 1933/34 zunächst ein Kinderheim in Rottach-Egern eröffnete. Weil die Technische Lehrerin, eine tatkräftige und willensstarke Frau, aber weiterhin ihre Lehrtätigkeit ausüben wollte, gesellte sie dem Heim schon bald eine Gruppe von zwölf Schülerinnen hinzu. „Ihr Ziel war es, eine eigene Haushaltsschule beziehungsweise Berufsfachschule zu gründen“, heißt es in den Aufzeichnungen.

1936/37 war es schließlich soweit: Nach eigenen Plänen wurde das Töchterheim gebaut. Der Krieg zwang 1942 zwar zu einer Schließung des Hauses, doch schon im Juli 1949 wurde die Schule wieder eröffnet. Das Ausbildungsziel beschränkte sich fortan nicht mehr nur auf die Hauswirtschaft, sondern es gab auch Angebote in Englisch, Französisch und in kaufmännischen Fächern. 1964 zog sich Gründerin Margarethe Schneider mehr und mehr aus dem Betrieb zurück. Damit war auch das Ende des Schulbetriebs eingeläutet. „1973 starb Frau Schneider, ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof in Rottach“, heißt es abschließend.

Wenn nun am Wochenende, 9. bis 11. März, die ehemaligen Schülerinnen am Tegernsee zusammentreffen, werden die Erinnerungen an das Töchterheim wieder aufleben. Allerdings wird es weitaus weniger streng zugehen wie damals: Geplant haben die Frauen unter anderem eine Schifffahrt, einen Museums-Besuch und nicht zuletzt eine Einkehr im Bräustüberl.

gab

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ruine am Tegernsee: Münchner hinterlässt Trümmerfeld in Rottacher Nobelviertel
Eine Ruine und Schuttberge in teuerster Wohnlage: Am Rottacher Parkweg hat eine Münchner Firma ein Bild der Verwüstung zurückgelassen. 
Ruine am Tegernsee: Münchner hinterlässt Trümmerfeld in Rottacher Nobelviertel
Immobilien-Wahnsinn am Tegernsee: Teuerstes Ferienhaus kostet zehn Millionen Euro
Sylt bleibt Spitzenreiter, aber der Tegernsee schließt auf. Eine Marktstudie von Engel&Völkers vom ersten Quartal 2018 zeigt: Die Preise für Immobilien steigen weiter. 
Immobilien-Wahnsinn am Tegernsee: Teuerstes Ferienhaus kostet zehn Millionen Euro
Westerhof: Das Hotel der vielen Gutachten
Die Erweiterung des Westerhofs ist ein Mammut-Projekt. Gewaltig sind aber auch die Einwände dagegen. Bei seiner Sitzung befasste sich der Stadtrat jetzt ausführlich …
Westerhof: Das Hotel der vielen Gutachten
Das gab‘s noch nie im Tal: Bürgermeister legt sein gesamtes Gehalt offen
Ein Novum am Tegernsee: Kurz nach seinem Amtsantritt legt uns Gmunds neuer Bürgermeister Alfons Besel detailliert vor, wie viel er verdient. Hier die genaue Zahl mit …
Das gab‘s noch nie im Tal: Bürgermeister legt sein gesamtes Gehalt offen

Kommentare