+
Von außen erscheint das Wohnhaus des Ehepaars Lore und Gunther Mair ganz normal. Doch das Minus-Energiehaus beherbergt modernste Technik.

Außergewöhnliches Gebäude in Rottach-Egern

Dieses Haus spart Unmengen Energie und bringt auch noch Geld

  • schließen

Lore und Gunther Mair haben 2016 in Rottach-Egern ein „Minus-Energiehaus“ gebaut. Auf diese Weise sparen sie nicht nur Energie - mit dem außergewöhnlichen Gebäude verdienen sie sogar Geld.

Rottach-Egern – Auf den ersten Blick erscheint das Haus des Ehepaars Mair inmitten der vielen noblen Landhausvillen an der Karl-Theodor-Straße zwar als etwas bescheiden, aber durchaus als ganz normal: Unten weiß getüncht, oben mit hellem Holz verschalt. Es hat grüne Fensterläden und einen schnörkellosen Balkon. Hinter dem hölzernen Gartentor öffnet sich eine mit Kopfsteinpflaster gestaltete Hofeinfahrt.

Und doch hat es das Haus in sich, es tanzt mit seiner Ökobilanz sogar gehörig aus der Reihe. „Wir haben ein Negativ-Energiehaus im positiven Sinn“, sagt Gunther Mair, der sein Haus jetzt sogar im Rahmen einer Info-Veranstaltung des Arbeitskreises Tegernseer Tal für Energie und Klimaschutz (ATTEK) im Seeforum vorstellte.

Vorgänger-Haus mit miserabler Energiebilanz

Seine Eltern hatten 1951 das 1200 Quadratmeter große Grundstück gekauft und ein einfaches Haus darauf gebaut. Sie zogen kurz darauf aber nach Ludwigshafen, wo auch Sohn Gunther zur Welt kam. 2013 erbten er und seine Schwester den Besitz. Für den 62-jährigen Chemiker war schnell klar: Die Energiebilanz des Elternhauses war nicht nur schlecht, sondern miserabel. „Ein Acht-Liter-Haus ist heute Standard, unser Haus war ein 22-Liter-Haus.“ Mair erklärt: Ein Verbrauch von acht Litern Öl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr, berechnet für einen Vier-Personen-Haushalt, gelte heute als Standard für Neubauten.

Neues Gebäude beinhaltet modernste Technik

Das Ehepaar bestellte also den Abrissbagger und plante ein Haus, das als Vier-Liter-Haus durchgeht, wenngleich es mit Öl nichts am Hut hat. „Wenn wir schon bauen, dann zukunftsfähig“, sagte sich Mair, der sich mit seiner Frau für ein Fertighaus entschied. Zusammen mit einer renommierten Wiesseer Firma für Haustechnik packten sie modernste Technik hinein. „Im Laufe des Innenausbaus haben wir die sogar mehrfach optimiert“, berichtet Mair und erläutert die drei Säulen, auf denen die Versorgung des Zweifamilienhauses ruht.

Energiekonzept beruht auf diesen drei Säulen:

Erstens: Photovoltaik auf dem Dach, und zwar so viel wie geht. Sowohl Nord- als auch Südseite des 28 Grad steilen Dachs, insgesamt 140 Quadratmeter, sind mit jeweils einem durchgängigen Rechteck belegt. Maximal 19 Kilowatt (kw) Strom liefert die Anlage bei optimalen Bedingungen.

Das „Kraftwerk“ im Keller des Hauses.

Zweiter Baustein: die Grundwasser-Wärmepumpe. „Sie macht aus acht Grad kaltem Grundwasser vier Grad kaltes Grundwasser“, erklärt Mair. „Das ist natürlich genehmigungspflichtig und kann nicht jeder machen, sonst würden wir Permafrost bekommen.“ Diese acht Grad werden auf vier Grad abgekühlt, die Differenzwärme wird energetisch „hochgepumpt“ – daher der Name.

Familie Mair darf in acht Metern Tiefe Grundwasser nutzen – an einem Eck des Grundstücks zapft sie es an, am anderen Ende leitet sie wieder ein. Die Wärmepumpe wird elektrisch betrieben, den Strom dafür liefert die Photovoltaik-Anlage. Aber: Aus einer kWh Strom werden drei bis vier kWh Wärme gemacht. „Aus Bodenwärme, also aus Nichts, mach’ ich viel Nutzwärme.“ Funktioniert allerdings nur tagsüber.

Und nachts? Da kommt Baustein Nummer Drei ins Spiel: Im Keller des Hauses stehen vier einen Kubikmeter große Pufferspeicher, die permanent aufgefüllt werden. Sollte die Energie nicht reichen, steht zur Not eine Gastherme zur Verfügung. Gas deshalb, weil Mair aus Überzeugung nicht auf Strom aus dem Netz zurückgreifen möchte, „um den Stromleitungsbau nicht anzutreiben“.

Übriger Strom wird ans E-Werk verkauft

Sollte Strom übrig sein, verkauft Mair den ans E-Werk. Elf Cent pro kWh bekommen die Mairs heute noch über das Energieeinspeisungsgesetz. „Wir können viel verkaufen“, sagt Mair und kommt ökonomisch auf den Punkt: „Unterm Strich machen wir im Monat 100 Euro Gewinn.“ Mit diesem Geld bestreitet er die restlichen Nebenkosten. Der Clou sei zudem die negative CO2-Bilanz. Der Überschussstrom entspricht sechs Tonnen CO2 pro Jahr, damit könnte man ein zweites Haus derselben Größe heizen und mit Strom versorgen, hat Mair ausgerechnet.

Und was ist mit den Kosten? „Unterm Strich liegen wir wohl bei den Kosten eines ganz normales Hauses“, glaubt Mair. Gelohnt habe sich der Bau aber allemal: „Natürlich bewegt sich das alles an der Kante zum Hobby, aber wir haben einen Baustein zum nachhaltigen Wohnen hinterlassen.“

gr

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Plötzlich zwei Tegernseer Höfe am Tegernsee - Stadt schaltet Anwalt ein
Aus dem Feichtner Hof in Finsterwald wird der Tegernseer Hof. Das schmeckt der Stadt Tegernsee allerdings gar nicht, denn sie besitzt seit jeher ein gleichnamiges Haus …
Plötzlich zwei Tegernseer Höfe am Tegernsee - Stadt schaltet Anwalt ein
Warum geraten grade Kühe überall in der Region in Not? Das sagt der Experte
Vier Kuhrettungen in vier Tagen allein im Landkreis Miesbach – wie kann man das erklären? Auch der Bezirksalmbauer kann da nur mutmaßen. Einige Ansätze hat er aber.
Warum geraten grade Kühe überall in der Region in Not? Das sagt der Experte
Wiesseer Nahwärmenetz europaweit ausgeschrieben
Bad Wiessee treibt das Öko-Projekt Nahwärmenetz voran - trotz des Widerstands gegen den Standort. Um das Vorhaben juristisch wasserdicht zu machen, hat die Gemeinde eine …
Wiesseer Nahwärmenetz europaweit ausgeschrieben
Nach schlimmem Großbrand: Wiesner organisiert 1000 Halbe Freibier für Helfer
Klaus Wiesner löst sein Versprechen ein: Am 23. Juni steigt ein großer Hoagascht auf der Wildbachhütte. Mit Freibier als Dankeschön für die Helfer beim Brand seines …
Nach schlimmem Großbrand: Wiesner organisiert 1000 Halbe Freibier für Helfer

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.