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Ein Fonds für die Weihnachtsfreude

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Von: Christina Jachert-Maier

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Die Kinder umsorgt, den Mann unterstützt, die Eltern gepflegt. Und am Ende fehlt mancher Seniorin das Geld fürs kleinste Extra. Eine Weihnachtsfreude macht der Sozialfonds der Gemeinde möglich.

Rottach-EgernWeihnachten beginnt für Marille Tipolt (69) schon Ende November. „Sonst reicht die Zeit nicht“, meint sie. Jahr um Jahr besucht sie 30 bis 40 Senioren, um ein Präsent zu bringen. Meist sind es Frauen. „Viele sind wegen der Kindererziehung nicht zum Arbeiten gekommen“, weiß Tipolt. Manche hat im Betrieb des Ehemanns geholfen und ging nach einer Trennung leer aus. Und dann ist da noch eine besondere Klientel. Menschen, denen es mal ziemlich gut ging und die sich irgendwann den Traum vom Leben am Tegernsee erfüllt haben. Heute leben sie in der ehemaligen Zweitwohnung, umgeben von Antiquitäten, an denen ihr Herz hängt. Aber der Partner ist gestorben, das Konto mager bestückt.

„Das Problem bei unseren Senioren ist eigentlich nicht der leere Kühlschrank, sondern die Einsamkeit“, weiß Tipolt. Eben darum nimmt sie sich viel Zeit für die Weihnachtsbesuche. Drei bis vier macht sie an einem Tag, mehr nicht. „Sonst laugt man emotional aus.“

Tipolt besucht „ihre“ Senioren auch nicht nur zur Weihnachtszeit. „Ich habe eigentlich das ganze Jahr hindurch Kontakt“, sagt sie. Sie weiß, wo der Schuh drückt. Für das Existenzielle wie Lebensmittel ist überall gesorgt, meint Tipolt. Echte Not und Hunger, das gebe es in Rottach-Egern nicht. Aber Einsamkeit und sehr knappe Budgets. „Viele müssen überlegen, ob sie sich den Friseur oder die Fußpflege leisten. Beides geht nicht.“

Seit zehn Jahren ist Tipolt Seniorenbeauftragte. In früheren Jahren hat sie zu Weihnachten Kaffee oder Sekt als Präsent gebracht. „Aber das ist überholt“, meint sie. Jetzt verteilt sie meist Gutscheine für Aldi, dm-Markt und Lidl oder auch einen Geldbetrag. Dass sie etwas zu verteilen hat, dafür ist durch den Sozialfonds der Gemeinde Rottach-Egern gesorgt, den Dr. Scheid-Fonds.

Der Name erinnert an den mutigen Einsatz des Stabsarztes Dr. Karl Friedrich Scheid, der am Ende des Zweiten Weltkriegs mithalf, das Tal vor der Bombardierung zu bewahren und dabei sein Leben verlor. Der Spendentopf wird auch heute noch fleißig gefüllt. „Viele wünschen sich zum Geburtstag Spenden für diesen Fonds statt Geschenke“, berichtet Gerhard Hofmann, Geschäftsleiter im Rathaus. Das Erfreuliche: In jüngerer Zeit hat das Spendenvolumen wieder zugenommen. „Eine Zeit lang war es mager, da musste die Gemeinde zu Weihnachten aus eigenen Mitteln auffüllen“, erinnert sich Hofmann. Das sei nun nicht mehr nötig.

Dank des Fonds kann die Gemeinde das ganze Jahr über im Notfall unbürokratisch helfen. „Bei einem Brand zum Beispiel“, erklärt Hofmann. Zu Weihnachten gibt’s für Bedürftige alljährlich ein Geldgeschenk. Wie groß es ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. „Meist bewegt sich die Summe zwischen 100 und 200 Euro“, erklärt Hofmann. Dieses Jahr wurden 49 Rottacher von der Gemeinde bedacht. Meist Senioren, aber auch Familien und jüngere Alleinstehende. Mit Tipolt arbeiten die Verantwortlichen im Rathaus eng zusammen. „Der Fonds ist eine brutal gute Sache“, sagt Tipolt. Sie danke Bürgermeister Christian Köck und seinem Team für das Vertrauen und die stete Unterstützung.

Die Hilfe braucht auch Fingerspitzengefühl. Tipolt hat ein weitreichendes Netzwerk und weiß auch ohne Daten vom Amt, wer Unterstützung braucht. Sie freut sich über Aktionen wie die vom Club Tegernsee, der in der Vorweihnachtszeit 180 Senioren aus dem gesamten Tegernseer Tal ins Bräustüberl eingeladen hat. Selbst bleibt sie am liebsten im Hintergrund. Aber dass ihr Beispiel Schule gemacht hat im Tal, darüber ist sie froh. Bei ihrem Start vor zehn Jahren war Tipolt noch die einzige Seniorenbeauftragte im Tal, jetzt ist das Amt in allen Gemeinden besetzt: „Und wir arbeiten super zusammen.“

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