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Nobel-Gemeinde am Tegernsee wohl weiter älteste in Oberbayern - Bürgermeister wünscht sich Balance

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Von: Jonas Napiletzki

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Rottach-Egern ist und bleibt die Gemeinde in Oberbayern mit den ältesten Einwohnern.
Rottach-Egern ist und bleibt wohl die Gemeinde in Oberbayern mit den ältesten Einwohnern. © Thomas Plettenberg

Wie würden sich die Einwohnerzahlen in den Gemeinden entwickeln, wenn sich aktuelle Trends einfach fortsetzen würden? Diese Frage beantwortet eine Statistik.

Landkreis – Was wäre, wenn sich die Trends der Geburten- und Sterberaten sowie die Zu- und Abwanderungsraten konstant fortsetzen würden? Diese Frage beantwortet das Bayerische Landesamt für Statistik alle drei Jahre für bayerische Gemeinden neu.

Im Ergebnis erhalten Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern eine Vorausberechnung für ihre Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2033. Für größere Städte und Gemeinden werden die aktuellen Trends bis 2039 fortgeschrieben.

Wenig überraschend: Der demografische Wandel soll sich der jüngsten Hochrechnung nach fortsetzen. Das Durchschnittsalter der Landkreisbevölkerung soll bis 2040 von 45,4 Jahre auf 46,6 Jahre steigen. Wie berichtet, könnten es außerdem mehr Einwohner im Landkreis werden: Statt rund 100 200 Bürger könnten es 2040 bereits 105 200 sein – ein Anstieg um fünf Prozent.

Modellberechnung Landkreis Miesbach
Die Modellrechnung schreibt die Entwicklung für Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern bis 2033 (mit Stern markiert) fort, für größere Gemeinden bis Ende 2039. © Daten: Bayerisches Landesamt für Statistik; Grafik: Münchner Merkur

Einzelne Gemeinden weichen von dieser Gesamtprognose jedoch teils deutlich ab. Drei der 17 Gemeinden stechen aus der Grafik (rechts) besonders hervor.

Otterfing: Einwohner-Rückgang laut Bürgermeister wenig wahrscheinlich

Die Gemeinde Otterfing etwa liegt geografisch nahe an der Landeshauptstadt und ist mit der S-Bahn gut daran angebunden. Der Siedlungsdruck ist groß – von außen wie von Einheimischen. Warum berechnet das Landesamt für Statistik für Otterfing also einen Bevölkerungsrückgang um 0,4 Prozent bis 2033?

Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) erklärt sich die Hochrechnung damit, dass in dieser eben nur die bisherigen Trends fortgeschrieben würden. Und tatsächlich: „Wir haben in den vergangenen Jahren weniger gebaut und waren sehr zurückhaltend mit der Entwicklung.“ Das sei gut und richtig so – schließlich müsse auch die Infrastruktur mithalten können. Jedoch stünden in Otterfing in naher Zukunft mehrere Großprojekte an – beispielsweise die Bebauung des Preimesser-Areals mit über 30 Wohneinheiten oder die Pläne von Thomas Pfandzelt. Der Landwirt will, wie berichtet, anstelle seines aussiedelnden Pensionspferdehofs ein Haus mit 15 Wohneinheiten und zwei Doppelhäuser bauen.

Ferner lasse zwar die Altersstruktur im genannten Zeitraum statistisch mehr Todesfälle erwarten. Dem gegenüber steht Falkenhahn zufolge aber auch die Altersstruktur der Häuser. Viele Gebäude aus den 1960er-Jahren seien nun sanierungsbedürftig und würden im Zuge des Generationenwechsels mit Wohnraum nachverdichtet.

Insgesamt hält der Bürgermeister das Eintreffen der Berechnung deshalb für unwahrscheinlich. „Wir werden uns genauso entwickeln wie die Gemeinden außenrum.“

Weyarn: Viel Zuzug beflügelt die Statistik - Gemeinde rechnet aber mit anderer Entwicklung

Außenrum – dazu zählt im weiteren Sinne auch Weyarn. Diese Gemeinde sticht mit einem vorausberechneten Wachstum von 12,5 Prozent im Landkreis hervor. Die Erklärung von Rathaus-Mitarbeiterin Katja Klee lässt sich im Vergleich zu Otterfing umkehren: „In den vergangenen Jahren kam in Weyarn besonders viel Wohnraum hinzu.“ Dazu zählt Klee zwei Projekte: „Das Baugebiet am Klosteranger mit rund 400 Personen und das Gut Falkenberg an der Bürgermeister-Panzer-Straße mit 100 bis 120.“

Beide Projekte wurden in den vergangenen Jahren entwickelt und verzerren so den Trend, auf dessen Basis die Zahlen fortgeschrieben wurden. Denn: „Es wird definitiv nicht so weitergehen“, sagt Klee. „In nächster Zeit wird ein so großes Baugebiet nicht entstehen.“

Rottach-Egern: Durchschnittsalter 53,1 Jahre - Rekordwert in Oberbayern

Rottach-Egern sticht indes mit dem oberbayernweit höchsten vorausberechnetem Durchschnittsalter der Bevölkerung hervor. Im Jahr 2033 soll das bei 53,1 Jahren liegen. Bürgermeister Christian Köck (CSU) bestätigt: „Das demografisch sehr hohe Alter ist uns bekannt.“ Rund 40 Prozent der Bürger mit Erstwohnsitz seien älter als 60 Jahre. Die Zweitwohnungen würde Köck gerne eindämmen – denn in deren Genuss kämen vorwiegend „gut situierte“ und somit meist ältere Leute. Köck betont: „Nichts gegen alte Leute – wir werden ja alle älter.“ Aber: „Es muss eine verträgliche Balance sein.“

Firmen bräuchten Nachwuchs als Personal, Vereine als Mitglieder, gleiches gelte für den Gemeinderat. Zwar seien die Geburtenraten mit 35 bis 40 pro Jahr recht stabil. „Es ist aber anspruchsvoll, als junger Erwachsener hier Fuß zu fassen“, meint Köck. Die Immobilienpreise seien eben nicht einheimischenfreundlich.

Gegensteuern will der Bürgermeister mit mehr Kinderbetreuungsangeboten, mit dem Einheimischenmodell und dem Eindämmen der Zweitwohnsitze sowie mit Bebauungsplänen. „Wir können nicht vollumfänglich alles anbieten.“ Aber Angebote schaffen, das könne die Gemeinde schon.

Die Statistik

Das Landesamt für Statistik betont, die Vorausberechnungen seien als Modellrechnung zu verstehen. Sie dürften „nicht als exakte Vorhersagen missverstanden werden“. Zwar würden sie eine Bevölkerungsentwicklung unter bestimmten, aus heutiger Sicht plausiblen Annahmen zeigen. Vor Ort seien jedoch spezifische Einflussfaktoren wie etwa Zuzüge besser bekannt.

Die Vorausrechnungen der Einwohnerentwicklung lesen Sie hier in absoluten Zahlen.

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