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„Zeitalter der Plattformökonomie“: Stefan Spiegel (r.) beim Digitalforum Tegernsee.

„Besetzen Sie ein Nischenthema“

Erstes Digitalforum Tegernsee: Wie Gastgeber in der digitalen Welt noch überleben können

  • Klaus-Maria Mehr
    vonKlaus-Maria Mehr
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Hoteliers treten heute nicht mehr gegeneinander sondern gegen Online-Riesen wie Google und Booking.com an. Ein ungleicher, fast aussichtsloser Kampf, der aber auch Chancen bietet.

Rottach-Egern – Google, Facebook, Booking.com & Co: „Wir leben im Zeitalter der Portalökonomie“, warnt Stefan Spiegel, Gründer der Digital-Agentur yukon consulting. Wenige Online-Riesen haben sich in der digitalen Welt zwischen Anbieter und Kunden geschoben. 

Für Gäste ist das Recherchieren über Google und Buchen über Booking eine tolle Sache. Kleine Hotels und Gastgeber haben schlechte Karten: Sie konkurrieren um die teuren Plätze auf jenen Plattformen. 

Die Mediengruppe Münchner Merkur/tz, zu der auch die Tegernseer Zeitung gehört, lud Hoteliers von Tegernsee und Schliersee am Donnerstagabend ins Seeforum, um genau dieser Problematik zu begegnen.

Google, Facebook, Booking.com & Co: „Wir leben im Zeitalter der Portalökonomie“

„Unsere Konkurrenten heißen nicht mehr Süddeutsche Zeitung oder Tagesschau“, sagt Thomas Kaspar, Online-Chefredakteur der Ippen-Gruppe. „Sie heißen Netflix, Amazon und Youtube.“ Merkur.de* habe das frühzeitig erkannt und seine Digital-Strategie geändert. 

Hoteliers können von Merkur.de lernen

„Wir erzählen Geschichten, die Leser lesen wollen, nicht mehr nur, was unserer Meinung nach von Interesse ist.“ Mit Erfolg. Geschichten der Tegernseer Zeitung werden digital in ganz Deutschland gelesen und von anderen Medien übernommen und geteilt. Egal, ob es dabei nun um den Geruch einer Bäckerei in Rottach-Egern oder eine Großlage wie die Explosion der Wiesseer Rettungswache geht.

Experte rät Hoteliers am Tegernsee. „Besetzen Sie ein Nischenthema“

So müssten auch Gastgeber umdenken, schließt Berater Stefan Spiegel an. Wer auf Google und Facebook gefunden werden will, muss sich seinen Platz nicht unbedingt teuer erkaufen. Spiegel rät: „Besetzen sie ein Nischenthema.“ Wenn ein Hotel im Tal die schönsten Mountainbike-Touren am Tegernsee auf seiner Webseite beschreiben würde, würde es, wenn potenzielle Gäste „Mountainbiken am Tegernsee“ googeln, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit gefunden.

Diesen Kardinalfehler bei Booking.com machen viele Hotels

Beim Buchen selbst stolpert Unternehmensberater Spiegel immer wieder über einen Kardinalfehler: Das Hotelzimmer ist bei Booking.com deutlich günstiger als auf der hoteleigenen Webseite. „Das darf nicht sein. Der Gast wird nie wieder bei Ihnen direkt buchen.“

Ein weiterer oft begangener Faux-Pas: Hotels greifen viel zu wenige Daten ab. „Treten Sie mit den Gast in einen digitalen Dialog ein.“ Umsonst gibt der Gast seine Daten nicht her. „Bieten Sie ihm einen Tauschhandel an.“ Seine Email-Adresse für einen Gutschein oder einen Rabatt zum Beispiel.

Anzeigen-Verlagsleiter und Forum-Organisator Stefan Hampel freut sich über die hohe Resonanz am Tegernsee und die hochwertigen Redner. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das jetzt regelmäßig machen.“

kmm

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*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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