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Fahrschulen im Landkreis Miesbach: Prüf-Termine knapp - Engpass beim TÜV

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Von: Gabi Werner

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Als Kreisvorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Fahrlehrer vertritt der Rottacher Christian Stadler einen Großteil der Fahrschulen im Landkreis.
Als Kreisvorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Fahrlehrer vertritt der Rottacher Christian Stadler einen Großteil der Fahrschulen im Landkreis. © Thomas Plettenberg

Wer die nötigen Fahrstunden beisammen hat, möchte den Führerschein zeitnah in der Tasche haben. Doch das war zuletzt vielerorts ein Problem: Es gibt nicht genügend Prüftermine.

Rottach-Egern/Landkreis – Viele Fahrschüler müssen sich teils über Wochen gedulden, bis sie zu ihrer praktischen Prüfung antreten können. Geht es den Fahrschülern im Landkreis Miesbach auch so? Wir haben bei Christian Stadler (53) nachgefragt. Er betreibt in Rottach-Egern eine Fahrschule und ist zudem Kreisvorsitzender im Landesverband Bayerischer Fahrlehrer sowie stellvertretender Regionalvorsitzender fürs Oberland.

Viele Fahrschüler in Bayern sind frustriert. Sie müssen bisweilen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis sie ihre praktische Fahrprüfung ablegen können. Kennen Sie das Problem auch vom Landkreis Miesbach, Herr Stadler?

Christian Stadler: Bis vor ein paar Monaten hatten wir tatsächlich eine ähnliche Situation im Landkreis. Inzwischen aber hat es sich gut eingependelt: Die Nachfrage der hiesigen Fahrschulen und das Angebot des TÜVs Rosenheim, der ja bei uns für die Abnahme der Prüfungen zuständig ist, passt wieder ganz gut zusammen. Allerdings ist es schon so, dass wir als Fahrschulen keinen der möglichen Prüftermine auslassen möchten. Jeder Prüfplatz ist wertvoll.

Wie kommt es, dass die Zahl der Prüftermine aktuell so knapp ist?

Christian Stadler: Da gibt es mehrere Ursachen. Zum einen wirkt Corona nach. Wegen des Lockdowns und dann der 2G-Regel, die von 24. November an zweieinhalb Monate für die Fahrschulen galt, haben wir eine Welle an wartenden Fahrschülern vor uns hergeschoben. Die schlagen jetzt natürlich alle auf. Im Frühjahr und Sommer kommen dann auch noch die Motorrad-Fahrschüler dazu – auch die stehen in den Startlöchern.

Man hört immer wieder den Satz „Prüfermangel beim TÜV“. Wie sehen Sie das?

Christian Stadler: Der TÜV, als einzige zugelassene Prüforganisation für Fahrprüfungen in Bayern, hat etwas verzögert auf die Veränderungen in der Fahrausbildung reagiert. Die Verlängerungen bei den Prüfzeiten um annähernd 20 Prozent und kurzzeitig höhere Kapazitäten von fertig ausgebildeten Fahrschülern haben zu einem höheren Prüfungsbedarf bei den Fahrschulen geführt. Diese steigende Nachfrage konnte teilweise nicht zeitnah kompensiert werden. Wie in vielen großen Firmen hat Corona auch bei der Belegschaft des TÜV zu personellen Ausfällen und Einschränkungen geführt. Hinzu kommt, dass die Ausbildung von neuen Sachverständigen, die als Prüfer tätig werden, seine Zeit dauert und auch hier der Fachkräftemangel deutlich spürbar ist.

Sie betreiben in Rottach-Egern Ihre Fahrschule Benkwitz. Ganz konkret gefragt: Wie lange muss ein Schüler derzeit bei Ihnen warten, bis er nach der Ausbildung seine Prüfung ablegen kann?

Christian Stadler: Ich persönlich habe die Ausbildungen in meiner Fahrschule auf die Prüfungskapazitäten abgestimmt. Ich bilde nicht auf Halde aus, somit können meine Schüler zeitnah ihre Prüfung ablegen. Bei mir müssen die Jugendlichen eher einmal warten, bis sie einen Platz für die Fahrausbildung bekommen.

Das heißt, es gibt derzeit Wartelisten bei den Fahrschulen im Landkreis?

Christian Stadler: Wir haben derzeit 20 aktive Fahrlehrer im Landkreis. Ein Fahrlehrer darf dabei nicht mehr als elf Fahrstunden pro Tage geben. Da ist es schon rein rechnerisch nicht möglich, alles abzudecken, was an 17- und 18-Jährigen in den Fahrschulen aufschlägt. Dazu kommen die Lkw- und Motorrad-Ausbildungen. Wir könnten derzeit im Landkreis Miesbach insgesamt vier weitere Fahrlehrer in Vollzeit gebrauchen.

Der Beruf des Fahrlehrers ist aber nicht allzu begehrt. Woran liegt das?

Christian Stadler: Laut Statistik ist die Zahl der Fahrlehrer deutschlandweit in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent zurückgegangen. Es fallen altersbedingt einfach oben mehr Fahrlehrer weg, als unten jüngere nachkommen. Früher wurden auch bei der Bundeswehr und bei der Polizei Fahrlehrer ausgebildet, die nach ihrem Ausscheiden dann in der freien Wirtschaft bei den Fahrschulen weitergearbeitet haben. Das gibt es so nicht mehr. Hinzu kommt, dass die Ausbildung zum Fahrlehrer erst mit 20 Jahren begonnen werden kann und privat finanziert werden muss. Viele haben in dem Alter bereits einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Ich persönlich finde aber, dass der Fahrlehrer-Job ein extrem attraktiver Beruf ist.

Warum?

Christian Stadler: Man hat hier eine schöne Mischung aus Theorie und Praxis, aus den Bereichen Pkw, Lkw und Motorrad. Und man kann sich seine Zeit gut einteilen. Als Verband sind wir derzeit darum bemüht, den Beruf des Fahrlehrers weiter aufzuwerten und zu einem anerkannten Ausbildungs-Beruf zu machen. Es geht darum, den Beruf attraktiver zu machen und die Werbung dafür zu verstärken.

Das Gespräch führte Gabi Werner.

Lesen Sie auch: Neuer Führerschein: Fahrschulen setzen auf Elektromobilität

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