+
Starke Männer auf heißem Teil: Die neue Rottacher Drehleiter samt Feuerwehrler. 

Neue Anschaffung der Feuerwehr Rottach-Egern

Ganz schön stark, die neue Drehleiter

  • schließen

Die neue Drehleiter der Feuerwehr Rottach-Egern setzt neue Maßstäbe: Ihr Rettungskorb kann mit bis zu 500 Kilo beladen werden. Damit öffnen sich neue Einsatz-Möglichkeiten.

Rottach-Egern – DLK 23/12 steht offiziell in den Papieren, doch die neue Drehleiter hört auf den Namen Florian Rottach-Egern 30/1. Wenn sie ihre Leiter auf eine Länge von 30 Metern ausfährt, dann blitzt in den Augen von Kommandant Josef Stadler eine gehörige Portion Stolz hervor. „Unsere Drehleiter ist die modernste im ganzen Landkreis“, sagt Stadler. Auch Tegernsee, Miesbach und Holzkirchen besitzen eine. So modern wie das Rottacher Modell ist jedoch keine. „Allerdings“, fügt der Kommandant ganz bescheiden hinzu, „entspricht diese Bauart inzwischen der bayerischen Norm.“

Die Technik

So sieht diese Norm aus: DLK 23/12 ist mit einem multifunktionalen Rettungskorb für fünf Mann ausgestattet und ermöglicht neben der Brandbekämpfung mit einem Wenderohr mit einer Wasser-Förderleistung von 1200 Litern pro Minute auch die Aufnahme einer Kranken- oder Schwerlasttrage des Rettungsdienstes. Dank einer Rampe kann sogar ein Rollstuhl samt körperlich behinderter Person transportiert werden. Eine Aufgabe, die immer wichtiger wird. „Ein Großteil unserer Einsätze bezieht sich inzwischen auf den Rettungsdienst“, weiß Stadler. Mussten Patienten bisher durch schmale Treppenhäuser in Sicherheit gebracht werden, so leistet nun Florian 30/1 hilfreiche Dienste. 500 Kilogramm kann die neue Drehleiter in die Höhe hieven und auch wieder zurück auf den Boden. Der Rettungskorb des Vorgängermodells war auf 180 Kilogramm beschränkt. „Ein ordentlicher Feuerwehrmann hat schon mal 100 Kilo, da war bisher nicht mehr viel möglich“, sagt Stadler. In der Praxis war der Rettungskorb also permanent überladen. Die Folge waren Risse im Korb. „Und nicht nur das“, berichtet der Kommandant. „Die Elektronik des 27 Jahre alten Fahrzeugs war marode und zeigte Korrosionsschäden.“ Auch zu gefährlichen Situationen sei es schon gekommen, weil die Technik nicht mehr mitgespielt hat. „Das war ein echtes Sicherheitsproblem.“

Die Finanzierung

Weil eine Drehleiter eine Lieferzeit von gut einem Jahr hat, begannen schon vor zwei Jahren erste Gespräche mit der Gemeinde. Sie musste mitziehen und das Geld locker machen. Dabei ist die neue Drehleiter ein finanzieller Kraftakt: Insgesamt 635 000 Euro sind zu stemmen. 276 500 Euro sind heuer im Haushalt eingeplant. Beim Thema Staatszuschuss waren die Feuerwehrler einfallsreich: Weil sich mit der Feuerwehr in Bad Endorf (Kreis Rosenheim) eine weitere Feuerwehr fand, die ein baugleiches Modell bestellt hat, erhöht sich die Finanzspritze des Freistaats von 225 000 Euro auf 247 000 Euro. Die alte Drehleiter wird derzeit im Internet versteigert, mindestens 8000 Euro soll sie noch bringen. Etwa 125 000 Euro will die Feuerwehr selbst beisteuern. Ein Spendenaufruf in der Bevölkerung läuft bereits. „Die Bürger in der Gemeinde sind glücklicherweise extrem aufgeschlossen, was unsere Bittbriefe betrifft“, freut sich Josef Stadler. Bei der letzten Anschaffung 2014, dem Kauf eines geländegängigen Tragkraftspritzenfahrzeugs, zeigten sich die Rottacher sehr spendabel und halfen mit 150 000 Euro. Weitere Aktionen der Feuerwehrler selbst – vom Public Viewing im Feuerwehrhaus bis zum Abbruchfasching zuletzt in der Rottacher Seeperle – bringen Geld in die Kasse. Zudem greifen Bad Wiessee und Kreuth sowie die Papierfabrik Louisenthal der Gemeinde Rottach-Egern finanziell unter die Arme, weil sie im Notfall auf deren Hilfe setzen.

Der Einsatz

Moderne Technik will gelernt sein: Neben Kommandant Stadler und seinem Vize Tobias Maurer sollten etwa acht Mann die Bedienung der Drehleiter beherrschen. „Da sind einige Ausbildungstage nötig“, sagt Stadler. Gesteuert wird die Mega-Leiter entweder von einem Hauptbedienstand am Heck des MAN-Fahrzeugs oder vom Korb aus. Mit ihrer Größe passt sie übrigens gerade noch in die Feuerwehrgarage. Auch wenn er noch keine großen Einsätze meistern musste: Seinen Dienst hat Florian Rottach-Egern 30/1 bereits angetreten. Ausgerechnet einen Tag nach dem Brand im Wiesseer Rettungszentrum im Februar wurde die Drehleiter ausgeliefert.

gr

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unwettersommer: Was er für die Fest-Veranstalter bedeutet hat
Alle drei Seefeste und mehrere Waldfeste im Tegernseer Tal mussten heuer wetterbedingt verschoben werden. Was heißt das für die Veranstalter?
Unwettersommer: Was er für die Fest-Veranstalter bedeutet hat
Schlimmer Fehler: Rottacher landet mit riesiger Narbe vor Gericht
Den 6. Januar 2017 wird ein 20-jähriger Rottacher wohl nie vergessen. Seit diesem Tag ziert die Narbe einer Schnittwunde seinen Kopf, die ihm für immer bleiben wird.
Schlimmer Fehler: Rottacher landet mit riesiger Narbe vor Gericht
Bergwacht sauer: Rosstag bringt kein Geld mehr
Weniger Festplatzbesucher, weniger Einnahmen: Die Bergwacht Rottach-Egern ist unzufrieden mit den Entwicklungen beim Rosstag. Auch weil inzwischen viele andere die Hand …
Bergwacht sauer: Rosstag bringt kein Geld mehr
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Seine Frau leidet unter Depressionen, er kann nicht mehr schlafen. Der Grund: Kuhglocken auf der Weide. Aber es geht ihm auch um die Kühe selbst - die seien …
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde

Kommentare