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Preisverleihung: Kardinal Marx (M.) erhält die Skulptur von Wolfram Weimer und Christiane Goetz-Weimer.

Beim Ludwig-Erhard-Gipfel im Rottacher Seeforum

Freiheitspreis für Reinhard Kardinal Marx

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Rottach-Egern - Reinhard Kardinal Marx hat beim zweiten Ludwig-Erhard-Gipfel in Rottach-Egern den Freiheitspreis der Medien erhalten. Die Jury würdigte ihn als Brückenbauer.

Feine Antennen zwischen zwei sehr unterschiedlichen Körpern – so hat der Waakirchner Bildhauer Otto Wesendonck den „Dialog“ gestaltet, den Freiheitspreis der Medien. Bekommen hat ihn dieses Jahr Reinhard Kardinal Marx beim Ludwig-Erhard-Gipfel im Rottacher Seeforum. Seine Theologie atme den Geist der freiheitlichen Aufklärung und sei zugleich der Idee der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet, erklärte Wolfram Weimer die Entscheidung der Jury. „Marx war und ist Brückenbauer sowohl beim ökumenischen Dialog als auch beim Zusammenwachsen der Weltkirche“, führte er aus.

Die feierliche Preisverleihung stand am Ende eines hochkarätig besetzten „Gipfeltreffens der Entscheider“. Wie berichtet, hatten Christiane Goetz-Weimer und ihr Mann Wolfram ein zweites Mal zum Jahresbeginn ein Treffen auf die Beine gestellt, bei dem Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse, Wissenschaftler und Medienvertreter miteinander diskutierten.

Erster Preisträger war 2016 Michael Gorbatschow gewesen. Dass diesmal die Wahl auf ihn gefallen war, habe ihn erst mal überrascht, gestand Kardinal Marx bei der Verleihung. „Ich habe mich schon gefragt, ob ich der Richtige für einen Freiheitspreis der Medien bin“, meinte er – und nahm’s zum Anlass, seinen Begriff von Freiheit zu erläutern. Die dürfe niemals beliebig sein, sagte Marx. „Verantwortliche Freiheit ist immer auf andere Menschen bezogen. Sie muss gebunden sein, sonst läuft sie ins Leere.“

Der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Bischofskonferenz holte in seiner Rede zum Freiheitspreis weit aus, um über Gott und den Geist der westlichen Ideen zu reden. „Kann der Westen gedacht werden ohne Christentum?“, führte er an. Gerade in Zeiten, in denen ideelle Grundlagen der westlichen Gesellschaft Anfeindungen ausgesetzt sind, will der Kardinal einen klaren Kurs zeigen: „Ich möchte versprechen, dass ich in den kommenden Auseinandersetzungen um eine Erneuerung der Gesellschaft – und die werden nicht ohne sein –, für die Idee der verantwortlichen Freiheit kämpfen werde.“

Um die Laudatio für Marx zu halten, war die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU), nach Rottach-Egern gekommen. Goetz-Weimer kündigte sie als „junge Angela Merkel“ an, als Vielleicht-Nachfolgerin der Bundeskanzlerin. Mit Marx verbindet Kramp-Karrenbauer die Erinnerung an die Zeit, als dieser noch Bischof in Trier war. Leider sei es in der Kirche wie beim Fußball, meinte die Politikerin: „Wenn einer viel Talent hat, kommen die Münchner und werben ihn ab.“ Auch wenn es im Fall Marx nicht Uli Hoeneß gewesen sei, sondern der Papst. Dass Marx den Freiheitspreis erhalte, freue sie persönlich sehr: „Und ich danke für sein freiheitliches Beispiel.“

Nach der Preisverleihung ging’s im Hotel Das Tegernsee weiter. Eine Premiere. „Letztes Jahr sind alle noch im Seeforum gestanden, und keiner wollte schon gehen“, erinnert Goetz-Weimer. Diesmal sorgte sie mit einem schillernden Gala-Abend bei Live-Musik und feinster Kulinarik für einen passenden Abschluss. Und hat schon längst mit den Planungen für den nächsten Ludwig-Erhard-Gipfel begonnen. Das Datum steht: 12. Januar 2018. Bis dahin, so rief Goetz-Weimer ihren Gästen zu, erwarte die Welt eine spannende Zeit: „Wirken Sie mit, dass 2017 besser wird als sein Ruf.“  jm

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