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Fünf Gründer im Tal: (v.l.) Leopold Oesterheld, Cord Walther, Johann Ebert, Jacob Engels und Fabian Ebert wollen die IT-Elite von Morgen an den Tegernsee locken – mit einer künstlichen Intelligenz.

IT-Gründer mischen das Tal auf

Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen

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Ein alter Haudegen und vier Youngsters wollen das Tegernseer Tal zum deutschen Silicon Valley machen. Mit ihrer künstlichen Intelligenz Harvey X. Das ist ihr kühner Plan:

Rottach-Egern – Das Internet ist ein Dschungel. Verwirrend, gefährlich, undurchdringlich – und doch voller fantastischer Schätze. Wir nennen sie schlicht Informationen. Und doch bedeuten sie inzwischen die Welt. Facebook, Twitter, Instagram sind die Marktplätze in diesem Dschungel, wo die Schätze gehandelt werden. So gut wie alle Unternehmen haben hier ihren Stand – egal, ob Schreiner, Autobauer oder der Optiker um die Ecke. Alle posten, twittern, teilen. Die meisten tun das recht unbedarft. Viele wissen gar nicht so genau, warum sie das tun.

Harvey X soll das ändern. Er durchstreift den Dschungel wie ein Raubtier. Seine Beute: verlässliche Informationen. Und er apportiert. Harvey bringt die Informationen zu genau zu denen, die sie auch interessieren – und das für jedes Unternehmen, das Kunde bei der fiveinnovations GmbH ist. Ein Service, der weltweit bisher einzigartig ist.

Klingt wie das Programm eines abgehobenen Start-ups aus dem Silicon Valley, ist aber das Kind eines alten IT-Haudegen und fünf Burschen aus einem ganz anderen, uns wohlbekannten Tal. Mehr noch: Mit ihrer Idee wollen die zwei Rottacher und ihre drei Partner aus dem Tegernseer Tal ein deutsches Silicon Valley machen. Total verrückt? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Die fünf Gründer – das sind die Johann Ebert (55) und sein Sohn Fabian aus Rottach-Egern sowie Florians ehemaligen Mitschülern Leopold Osterheld, Jacob Engels und Cord Walther – haben sich schon was dabei gedacht. Und ihr Harvey X ist schon so eine Art Eier legende Wollmilchsau.

Ihr Produkt, in dem die KI (künstliche Intelligenz) Harvey X steckt, nennen sie SocializerHub. Für den Grundtarif von 60 Euro im Monat bieten sie jedem Geschäftstreibenden die Möglichkeit, in den Sozialen Medien präsent zu werden, ohne dass der noch einen Finger rühren muss. Und dabei bekommen dessen Kunden auch noch für sie relevante Informationen serviert. So die Idee. Und sie scheint zu funktionieren. Einen ihrer ersten Tests starteten die Fünf bei der Vernissage eines befreundeten Künstlers in München. Ergebnis: Er verkaufte alle seine Bilder – 70 Prozent über die sozialen Medien. Weitere Tests folgten. Seine Erfinder waren von Harvey von Mal zu Mal beeindruckter.

Bald gibt’s ein Büro im Tegernseer Sparkassengebäude. Vorerst steht fiveinnovations GmbH nur auf dem Briefkasten von Johann Eberts Haus in Rottach-Egern. Dort sitzt Johann Ebert im Garten und raucht. Wenn man ihn fragt, warum er sich, um KI zu vermarkten, seinen Sohn und drei Schulfreunde als gleichberechtigte Partner gesucht hat, zieht der Mann im kurzärmligen Hemd wissend lächelnd an seiner Zigarette. „Warum nicht?“, fragt er, „20-Jährige sind heute extrem gut ausgebildet und beherrschen die Technologien.“

Ebert muss es wissen. Ihn als Internet-Pionier zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Ebert hat den Dschungel wachsen sehen. Er war dabei, als die ersten zarten Pflänzchen aus dem Boden gesprossen sind und wandert noch heute mit wachen blauen Augen durchs Netz.

Seine Karriere machte er bei einer IT-Firma, die die Potenziale des World Wide Web schon Anfang der 90er erkannte. Inzwischen arbeitet der IT-Fachmann selbstständig. Nebenbei hat er eine Professur in Edinburgh. „Ich war Twitter-Nutzer Nummer sieben in Deutschland.“ Der Dschungel wuchs mit Eberts Know-how.

Jene KI, die nun Herzstück der Rottacher Firma ist, entwickelte Ebert für einen Scheich aus den Emiraten. Der spekuliert an der Börse und hatte plötzlich sehr schnell sehr viel Geld verloren, weil weder er noch seine Mitarbeiter den Überblick in eben jenem Informations-Dschungel behalten konnten. „Schreib mir ein Programm“, hatte er deshalb zu Ebert gesagt, „das mir am Ende des Tages die 20 wichtigsten Brachen-News aus dem IT-Bereich auf den Tisch legt.“ Heraus kam jene KI, die in Sekunden tausende und abertausende Informationen liest, prüft und in handlichem Format präsentiert. Und nur die Infos, die den Kunden auch interessieren. Der Scheich macht seitdem wieder viele Millionen und Ebert behielt die Rechte für die KI – nur was damit anfangen?

Sein Sohn kam auf die Idee: Warum nicht eine KI vermieten – auch für den kleinen Unternehmer, schon ab 60 Euro im Monat? Denn das ist das Problem: Die großen Firmen haben eine Social-Media-Abteilung.

Harvey kann sich jeder mieten. Schon ab 60 Euro im Monat. Auch der Schreiner und der Optiker. Jedem sein eigener Fährtenleser durch den Dschungel.

Gemeinsam mit Jacob, Cord und später Leopold arbeiteten sie die Details aus. Harvey X war geboren. Übrigens von den Burschen nach einem Charakter ihrer US-Lieblingsserie Suits getauft. Jeder der vier Burschen übernimmt eine andere Aufgabe. Vom Geschäftsführer bis zum Pressesprecher. Kunden haben sie schon einige. „Wir planen binnen eines Jahres Gehälter zahlen zu können“, sagt Ebert senior, von dem neben der KI auch das nicht unbeträchtliche sechsstellige Startkapital stammt.

Aber warum ausgerechnet am Tegernsee? Einerseits ist es ein Statement an die jungen Menschen, die hier aufwachsen und dann in die Stadt ziehen. „Das muss nicht sein“, sagt Fabian, „das wollen wir zeigen.“ Andererseits haben sie Harvey gefragt, ob der Tegernsee ein guter Standort für die fiveinnovations ist. Und ob, hat der geantwortet. „Und ihr werdet wie ein Magnet für weitere IT-Firmen wirken.“

kmm

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