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Diese Baulücke an der Karl-Theodor-Straße soll geschlossen werden. Die Gemeinde lehnt den Bau ab, das Landratsamt wird ihn jedoch zulassen.

Streit um Bauvorhaben an der Karl-Theodor-Straße

Köck zu Bauboom und Verdichtung: „Das geht mir extrem gegen den Strich“

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Die Gemeinde bleibt dabei: Sie lehnt ein Bauvorhaben an der Karl-Theodor-Straße ab, das das Landratsamt für genehmigungsfähig hält. Sie setzt damit ein klares Signal: So kann‘s nicht weitergehen.

Rottach-Egern – Das Grundstück an der Karl-Theodor-Straße gegenüber dem Glasl-Areal stellt eine Baulücke dar. Die cwbauprojekte GmbH des Gmunder Unternehmers Christian Werth möchte diese Lücke mit einem Gebäude füllen – und zwar mit einem großen. Elf mal 22 Meter soll das schnörkellose, rechteckige Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage haben. Seit vielen Monaten beschäftigt der Antrag die Gemeinde: Die Mitglieder des Ortsplanungsausschusses lehnten bereits ab, weil sie das Haus für zu groß halten. Es würde eine „neue Spirale der Bebauung“ in Gang setzen, hieß es.

Der Antragsteller ließ nicht locker und bat das Landratsamt um seine Einschätzung. Die Kreisbehörde hält das Haus für machbar und begründet das so: Das Haus liege im Innenbereich und füge sich nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs in die Umgebung ein. Zwei teils noch größere Häuser, die alle auf der gleichen Seite der Karl-Theodor-Straße und in der Umgebung liegen, werden als Vergleich herangezogen. Überhaupt hatte der Fall dazu geführt, dass das Landratsamt ausführlich zum Thema Bauen am Tegernsee äußerte. 

Das Landratsamt gab der Gemeinde bereits einmal die Gelegenheit, die Entscheidung zu revidieren. Die Gemeinde blieb aber bei ihrer Ablehnung.

Zu seiner letzten Sitzung vor Weihnachten bekam der Ortsplanungsausschuss eine neue Chance: „Wir haben vier Wochen Zeit, Stellung zu beziehen, ansonsten wird das Landratsamt unsere Ablehnung durch seine Zustimmung ersetzen“, informierte Bürgermeister Christian Köck (CSU) die Mitglieder. Der Rathauschef sagte dann sehr deutlich, was er von dem geplanten Vorhaben hält: „Ich war immer vehement dagegen und habe auch jetzt noch Bauchweh.“ Köck wetterte auch wegen der gegenüberliegenden Mega-Baustelle rund um den ehemaligen Gasthof Glasl, wo gleich mehrere Bauträger ihre Neubauten verwirklichen. „Es ist schon Wahnsinn, wenn man sieht, was da passiert“, sagte Köck. Die Baustelle spiele sich zu hundert Prozent auf der Straße ab. „Das zu ändern, interessiert die Bauträger aber nicht.“ Die Ablehnung des konkreten Falls sei für ihn vor allem eine Frage des Gewissens. „Diese massive Bebauung in diesem Teil des Orts geht mir extrem gegen den Strich.“ Er werde dem Bauherrn keinen Gefallen tun und auch weiter ablehnen.

Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) schien nicht gut auf den Antragsteller zu sprechen zu sein. „Er tut der Gemeinde zum wiederholten Mal keinen Gefallen.“ Sie erkundigte sich nach Möglichkeiten, das Vorhaben auf dem Rechtsweg zu verhindern. Bauamtsleiterin Christine Obermüller begrub ihre Hoffnungen: „Wir haben null Chance. Das Haus fügt sich rechtlich ein.“ Es sei dennoch nicht ortsverträglich, nicht schön und ziehe Verkehr an. „Doch der Gesetzgeber sagt, man solle in den Orten verdichten, was geht.“ Diese Gangart werde zu mehr Streitigkeiten unter den Nachbarn und Problemen mit der Infrastruktur führen. Probleme wie in München werde auch Rottach-Egern bekommen, prophezeite die Bauamtsleiterin.

Die Mitglieder des Ortsplanungsausschusses zeigten am Ende Einigkeit: Sie blieben einstimmig bei ihrer Ablehnung des Bauvorhabens. „Dann sollen sie uns jetzt ersetzen“, kommentierte Köck abschließend. Die Gemeinde macht damit klar: Sie will die Spirale der immer massiver werdenden Verdichtung im Ort in diesem Fall nicht mittragen.

gr

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