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Nachdenklich und melancholisch, aber auch mit der gewohnten Ironie und Bissigkeit präsentierte sich Georg Ringsgwandl bei seinem Auftritt im Rottacher Seeforum.

Liedermacher sorgt in Rottach-Egern für Begeisterung

So kultig war der Ringsgwandl-Abend im Seeforum

Auch wenn Georg Ringsgwandl mit den neuen Songs ungewohnt melancholische Klänge anschlägt: Nahezu schmerzhafte Ironie und Provokation gehören bei ihm dazu. Rund 400 Zuhörer im Seeforum waren begeistert.

Rottach-Egern„Woanders“ lautet der Titel der neuen Ringsgwandl-CD und dem dazugehörigen Konzertprogramm, in dem der bayerische Liedermacher und Kabarettist Georg Ringsgwandl neue, vor allem bluesige, bisweilen versöhnliche Töne anschlägt. Es sind ganz feine, wunderbar lyrische Klänge, mit denen der als vogelwuider Bayern-Punker bekannte Murnauer das Genre Blues mal rockig, mal soulig, mal jazzig auslotet.

Handwerklich echt und zum Niederknien gut agiert der 68-Jährige mit seiner kraftvollen Stimme, spielt Gitarre oder Zither. Eskortiert wird er dabei von den Vollblutmusikern Daniel Stelter an Gitarre und Mandoline, Christian Diener am Kontrabass und Tommy Baldu am Schlagzeug, die ihrerseits (anders als auf der CD) mit mitreißenden Soli brillieren.

Angesichts der selbstreflektierten, nachsichtigen, anrührenden Texte wollte keiner der Zuschauer im ausverkauften Saal woanders sein als just hier bei diesem Konzertabend, bei dem Ringsgwandl mit „Koda“ das Leben, mit „Dawischt“ die Liebe, aber auch soziale Missstände besingt. Es wäre auch kein echter Ringsgwandl-Abend, wenn der Kabarettist nicht auch provozieren würde. Darüber kann auch der erste Song des Abends „Sitz de her, sei mei Freind“ nicht hinwegtäuschen.

Ringsgwandl hat das Establishment auf dem Kieker („Da hilft Dir auch kein Porsche, kein Riesenhaus am See, das ganze Geld ist sinnlos wie ein Rausch.“) und lebt das in Rottach-Egern lustvoll aus: „Wir kommen aus einer Billigwohngegend und haben Respekt vor Rottach-Bindestrich-Egern. Dort, wo wir die Leute durch ihre Existenz finanzieren“, lässt er augenzwinkernd verlauten. Ringsgwandl vermutet, dass einen für die 20.000 Euro, die ein Haus in der Oberpfalz kostet, am Tegernsee gerade mal ein Makler spazieren führt.

Als ein Handy bimmelt, fragt er scheinbar mitfühlend: „Das ist das Babyphon, oder? Hat die Ukrainerin wieder nicht gespurt?“ Uli Hoeneß hingegen zollt er vermeintlich Respekt: „Auch ich habe schon mal Steuern hinterzogen – mit kleinen kaum merklichen Summen. Aber für den Hoeneß-Stil habe ich einfach den Arsch zu weit unten.“

Ringsgwandl, der Internist, erzählt von seiner Nahtoderfahrung bei einem Radlsturz, seiner „Abfahrt ins Jenseits“ („Überall Blut und keiner da, da musste ich erst einmal ein Selfie machen“), seinen Erfahrungen im Murnauer Krankenhaus („Alles sauber; besser als dahoam“) und seiner Gehirnerschütterung: „Ab einem bestimmten Alter ist es gut, wenn man das Gehirn mal durchschüttelt, um alte Denkmuster aufzubrechen“, findet er.

Damit – aber auch mit seinem musikalischen Abstecher ins alte, schrille provokative Repertoire – hat Ringsgwandl die Lacher und den Applaus auf seiner Seite. Und die geballte Konzentration des Publikums. Selten, dass 400 Leute jeden Alters über zweieinhalbstunden so gebannt sind. Das ist nur so, wenn Kunst Kult ist.

Alexandra Korimorth

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