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Richterin spricht Urteil: Verwahrloste Dogge bleibt in Obhut der Tierschützer

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Der Streit um eine Dogge (Symbolbild) am Tegernsee hat jetzt das Amtsgericht in Miesbach beschäftigt. © dpa / Gero Breloer

Wem gehört die Dogge „Pinsel“? Am Tegernsee ist ein erbitterter Streit um einen Hund entbrannt. Jetzt hat das Amtsgericht Miesbach entschieden: Die Dogge bleibt in der Obhut des Tierschutzvereins.

Rottach-Egern/Miesbach Einen zumindest vorläufigen Abschluss hat jetzt der Rechtsstreit um die Dogge „Pinsel“ vor dem Amtsgericht Miesbach gefunden, nachdem sich in einer gut zweieinhalbstündigen Hauptverhandlung im April die ganze Widersprüchlichkeit des Falles gezeigt hatte. Geklagt hatte die ehemalige Halterin des Hundes aus Gmund gegen die Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, Johanna Ecker-Schotte.

Zur Vorgeschichte: Ende 2018 hatte der Lebensgefährte der Gmunderin in deren Abwesenheit den Notdienst des Tierheims in Rottach-Egern gebeten, „Pinsel“ abzuholen, da er sich wegen der Beißattacken des Hundes nicht mehr zu helfen wisse. Der Verein griff ein. Doch bereits am übernächsten Tag forderte die Halterin vom Tierschutzverein die Rückgabe des Hundes, was ihr Ecker-Schotte aber verweigerte. Die Begründung: „Pinsel“ habe sich bei der Aufnahme im Tierheim in einem desolaten Zustand befunden – abgemagert, mit struppigem Fell und zu langen Krallen, die auf mangelnden Auslauf hindeuteten. Auch notwendige Impfungen sind laut Heimtierausweis nicht vorgenommen worden, vermutlich aufgrund finanzieller Engpässe des Paares.

Kompliziert hatte sich vor allem die Frage gestaltet, wer eigentlich der rechtmäßige Besitzer des Hundes ist. Das Gmunder Paar hatte „Pinsel“ über eine Internetplattform von einer Familie erworben; statt eines Kaufpreises sei lediglich ein Besuchsrecht vereinbart worden. Völlig anders sah hingegen das Ergebnis der Recherchen von Ecker-Schotte aus: 350 Euro seien als Kaufsumme festgesetzt worden – die die Gmunderin allerdings nie gezahlt habe. Als Reaktion auf Mahnungen und die Forderung der ursprünglichen Besitzer, den Hund zurückzugeben, habe sie kurzerhand den Kontakt abgebrochen. Damit erkannte der Tierschutzverein einzig die vorherigen Halter als rechtmäßige Besitzer an.

Die Klägerin hingegen bestand darauf, die Eigentümerin des Hundes zu sein – die Unterschrift ihres Freundes unter dem Abgabevertrag an das Tierheim sei deshalb nicht rechtswirksam. Im Heimtierausweis ist der Mann als Besitzer zu 20 Prozent vermerkt.

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Kurz und bündig fiel vor diesem Hintergrund das Urteil aus, das Richterin Katja Knauer jetzt verkündete: Eigentümer von „Pinsel“ ist der Tierschutzverein. „Mit der Übergabe an den Tierpfleger und der Unterzeichnung des Abgabevertrages ist die Übereignung wirksam geworden, der Hund muss also nicht mehr herausgegeben werden.“ Die Unterschrift des Mannes als Miteigentümer gilt nach Knauers Erachten stellvertretend auch für die seiner Freundin, der der Hund zu 80 Prozent gehört.

Unglaubwürdig war für die Richterin die Version der Klägerin und ihres Freundes, wonach „Pinsel“ ohne Wissen seiner Halterin weggegeben worden sei: „Nach meinem Eindruck von den beiden hat der Mann sicher nicht ohne Einverständnis und Genehmigung der Frau gehandelt.“ Der Mann hatte bei der Abholung des Hundes dem Tierpfleger erklärt, seine Freundin anrufen zu wollen, um nochmals deren Einverständnis einzuholen. Daraufhin habe er kurz den Raum verlassen. Vor Gericht sagte er später aus, das Telefonat sei lediglich fingiert gewesen, er habe stattdessen eine Zigarette geraucht. „Ich bin überzeugt, dass er nach dem Vertragsschluss bei seiner Freundin angerufen und ihre Zustimmung eingeholt hat“, widersprach Knauer dieser Version, die sie als „abwegig und absurd“ bezeichnete.

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„Das ist absoluter Wahnsinn. Ich bin entsetzt über solche jungen Menschen, denen jeglicher Sinn für die Realität abhanden gekommen ist“, erklärte Ecker-Schotte, die als einzige Beteiligte zur Urteilsverkündung des Amtsgerichts gekommen war. Sichtlich erleichtert dankte sie im Namen des Tieres und des Vereins für die Entscheidung des Gerichts. Sie habe bereits „sehr gute Interessenten“ für „Pinsel“. Die müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden, denn rechtskräftig wird das Urteil erst nach Ablauf der Monatsfrist. Bis dahin hat die Klägerin noch Gelegenheit, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Stefan Gernböck

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