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Beim Gipfeltreffen: Christiane Goetz-Weimer mit Frank-Jürgen Weise, Beauftragter der Bundesregierung für Flüchtlingsmanagement. 

Treffen der Entscheider im Seeforum

Gipfel in Rottach-Egern: VonTrump bis Chuck Norris

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Rottach-Egern - Wohin treibt die Welt – und welche Anstöße braucht es für eine gute Zukunft? Es sind die großen Zusammenhänge, die beim Erhard-Gipfel beleuchtet wurden, mit Esprit und Zuversicht. Ein zweites Mal ist es dem Verleger-Ehepaar Weimer gelungen, hochkarätige Gäste zu gewinnen.

 Der erste Ludwig-Erhard Gipfel am Tegernsee war ein Experiment. 2016 stellten Christiane Goetz-Weimer und Wolfram Weimer, beide Medienmenschen und Netzwerker aus Leidenschaft, erstmals ein „Gipfeltreffen der Entscheider“ auf die Beine. Am Tegernsee, wo sie selbst ihr Zuhause und ihre Denkfabrik haben. Tatsächlich gelang es dem Paar, das Motto „Wirtschaft trifft Politik trifft Medien“ mit Leben zu füllen und hochrangige Gäste zu gewinnen. Damit lag die Messlatte fürs zweite Treffen hoch.

„Aber es könnte nicht besser laufen“, meinte Goetz-Weimer am Freitag. Alles passte: Die Gästeliste, die Anmeldezahlen, das Ambiente. „Wir haben Kaiserinnenwetter“, strahlte Goetz-Weimer. Die Schönheit des Tegernseer Tals verleihe dem Gipfel einen besonderen Glanz. „Hier holt man sich Inspiration für das Jahr.“

Das Programm im Rottacher Seeforum war äußerst reichhaltig. Referate und Diskussionen den ganzen Tag über, am Abend der Freiheitspreis für Reinhard Kardinal Marx und dann eine Gala im Hotel Das Tegernsee (wir berichten noch). Die 400 Besucher brauchten Kondition.

„Aber ich finde, dieses Jahr sind das Niveau und die Qualität sogar noch höher“, urteilt Korbinian Kohler. Der Unternehmer, unter anderem Besitzer des Hotels Bachmair Weissach, hatte sich fürs Gipfeltreffen viel Zeit genommen. Auch Landrat Wolfgang Rzehak zeigte sich begeistert. Ein solches Treffen sei schon „ein Riesengewinn“ meinte er. Und lächelte tapfer, als der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner in einer eloquenten Rede die grüne Hegemonie in der Politik beklagte. Lindner klopfte dem Landrat später freundschaftlich auf die Schulter, die Zuhörer nahmen ihm an diesem Tag ohnehin nichts übel. Der FDP-Politiker hatte sich offenbar zum Ziel gesetzt, nicht nur seine politische Botschaft zu verbreiten, sondern seine Zuhörer auch kabaretttreif zu unterhalten. Das gelang.

Dabei ging es eigentlich um die politischen Herausforderungen 2017. Nicht gerade ein leichtes Thema, schon gar nicht am Tag der Amtseinführung von Donald Trump. Noch nie hat der Amtsantritt eines amerikanischer Präsidenten so viele Ängste ausgelöst. Aber Lindner fürchtet vor allem eines: den wachsenden Anti-Amerikanismus. Auf den wichtigsten Verbündeten könne Deutschland nicht verzichten, mahnte Lindner. „Und nicht alles, was Herr Trump sagt, ist falsch.“ Er erwarte, dass die Bundeskanzlerin nächste Woche nach Amerika reise, um gute Deals zu machen.

Die „Master Speech“ des Tages hielt kein Politiker. Sondern ein Mann den Moderator Wolfram Weimer als „Chuck Norris der Berliner Republik“ und „gefühlten Bundespräsidenten“ ankündigte. Frank-Jürgen Weise ist einer der wichtigsten Spitzenbeamten und gern dort eingesetzt, wo es am meisten brennt. Darum war der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit von 2015 bis 2016 Leiter des Bun

desamtes für Migration und Flüchtlinge, inzwischen fungiert er als Beauftragter der Bundesregierung für Flüchtlingsmanagement.

Offen sprach Weise  darüber, was schief gelaufen ist, als die große Flüchtlingswelle kam, 1,5 Millionen Menschen in vier Jahren. „Das war schon ein bisschen ein Amtsversagen, kein Politikversagen“, meinte er. Eine zentrale Registrierung fehlte, die Bearbeitungszeiten waren viel zu lang, Sachbearbeiter sehr unterschiedlich belastet. Mit der Folge, dass junge Flüchtlinge bisweilen anderthalb Jahre Geld erhielten, ohne zu arbeiten. „Das verdirbt den Charakter“, meinte Weise. Inzwischen sei viel geschafft, ein beachtlicher Teil der Flüchtlinge in Arbeit. 850 000 Geflüchtete würden anerkannt und dürften bleiben, 700 000 nicht – eigentlich. Oft bleiben sie doch im Land, dürfen aber nicht arbeiten. Dies sei aus seiner Sicht ein großes Problem, so Weise: „Darum muss sich die Politik kümmern.“

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