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„Mensch ist Mensch“: Die Gmunder Künstlerin Ekaterina Zacharova wirft mit ihrer Serie „New York – New York“ einen Blick auf die US-amerikanische Gesellschaft.

Ekaterina Zacharova zeigt Bilder in Rottach und Rosenheim

New-York-Ausstellung: Eine Metropole und ihre Menschen

Die Künstlerin Ekaterina Zacharova hat sich im Big Apple umgeschaut - und vor allem die Menschen New Yorks studiert. Herausgekommen ist eine Serie an Bildern, die Zacharova derzeit an zwei Orten ausstellt.

Gmund/Rottach-Egern – Letztes Jahr Kuba, dieses Jahr New York. Erneut zeigt die Gmunder Künstlerin Ekaterina Zacharova in einer Doppelausstellung aktuellen Zeitgeist und beweist, wie politisch Kunst sein kann: „New York – New York“ ist ein Spiegel Amerikas.

Seit 2013, seit sie den ersten Arbeitsaufenthalt in der US-Metropole hatte, arbeitet Zacharova an ihrer New York-Reihe. Dafür nahm sie auch hier die Menschen auf den Straßen unter die Lupe – und zwar immer unter anderen Aspekten: Mal hat sich die Malerin nur die Frauen angesehen, mal nur die Berufstätigen, die morgens zur Arbeit hasten, mal die Kaffee-Trinker, mal das Völker-Gemisch an Hotspots wie der Brooklyn Bridge, dem Times Square oder der Central Station. Zacharova begibt sich mit ihrer Kunst stets an Orte mit maximalem Entwicklungspotenzial, in Länder und Städte, in denen gesellschaftlicher Wandel sichtbar ist, weil er sich im Alltag der Menschen manifestiert.

Ihr Talent liegt darin, die Menschen zu erkennen. Wie sie deren innere Vorgänge, ihre Individualität und aktuelle Lebenssituation in Farben und Pinselstrich festhält, beeindruckt. „Mir geht es um die Menschen. Mensch ist Mensch. Egal wo, uns treiben dieselben Ziele an. Und jeder will und darf seinen Platz an der Sonne haben“, sagt die gebürtige Russin, die seit fast 25 Jahren in Deutschland lebt.

Durch die Menschen allerdings offenbart Zacharova immer auch den aktuellen Zustand einer Gesellschaft. Das macht sie fast automatisch auch zu einer politischen Künstlerin. In der Reihe „New York – New York“, die 25 großformatige Ölgemälde umfasst und derzeit in der HypoVereinsbank in Rosenheim und der Filiale in Rottach-Egern zu sehen ist, zeigt Zacharova Menschen, die isoliert sind, ständig mit großer Geschwindigkeit in Bewegung und von (architektonischen) Strukturen dominiert.

Mit Blick auf ihren zweiten Arbeitsaufenthalt im Big Apple, der direkt nach ihrer Recherche in Kuba stattfand, sagt die 49-jährige Künstlerin: „Im Vergleich zu Havanna war es sehr spannend die fast geschlechtslosen Menschen in New York zu beobachten. Es war richtiggehend ein Kontrastprogramm.“ Das zeigt, wie sehr Menschen, obgleich mit denselben Zielen, von ihrem Umfeld geprägt sind.

In „New York – New York“ begegnet der Betrachter etwa einer blonden Frau in einem dieser bekannten Coffee-to-go-Cafés („Coffee habit“), die wirkt, als säße sie in einem Eispalast, völlig starr und abgeschnitten von den anderen Menschen, die sich in der Fensterfront spiegeln. In „Placeholder“ erkennt man in einer Straßenschlucht einen Jogger, der gegen die Bewegung der grau-gelben Masse anläuft. In der Central Station („First order oft the day“) beobachtet man asiatische Schuhputzer, wie sie mit gebeugten Rücken den lesenden, telefonierenden und Nachrichten schreibenden Anzugträgern dienen.

Und auf der „Brooklyn Bridge“ mit dem Financial District im Hintergrund triff der Betrachter mit einer weißen, blonden, sonnenbebrillten Amerikanerin auf amerikanischen Pseudo-Patriotismus: Sie trägt Hosen im Design der amerikanischen Flagge. Das sticht geradezu aus dem handlungs- und mitteilungsunfähigen Melting Pot heraus, zwischen einem Obdachlosen, einem gesichtslosen schwarzen Teenager mit Baseball-Cap, einem seine Hände auf dem Rücken verschränkenden Asiaten und einer Latina mit Mundschutz.

Wie alle anderen Bilder, ist auch dieses Gemälde sehr genau und mit Bedacht konstruiert. Dadurch wird es aktuell und hochpolitisch, erzählt von der Trump-Ära. „Ich zeige nur mit den Menschen die Gesellschaft“, stellt Zacharova klar, „zeige sie in Bewegung und Unruhe. Donald Trump hat mich nie interessiert, und ich habe sogar darauf geachtet, dass bis auf eine Ausnahme auch der Trump Tower auf keinem meiner Gemälde erscheint.“

Mit ihrer Ausstellung „New York – New York“ ist Zacharova fraglos wieder einmal am Puls der Zeit. Dennoch sei Amerika an sich aktuell kein populäres Thema, meint sie: „Niemand weiß, wie man so eine politische Kraft einschätzen und vor allem mit ihr umgehen soll.“ Aber Trump sei ja nicht alle Amerikaner. In New York stünde er sehr in der Kritik. Und New York hat bereits kundgetan, dass es nicht aus dem Klimaabkommen aussteigen wolle, weiß die Künstlerin. Auch deshalb sollte man den New Yorkern in Rosenheim und Rottach-Egern eine Chance geben.

Die Ausstellungen und ihre Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist von 28. Juli bis 30. November in der HypoVereinsbank in Rottach-Egern (Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr) und in der HypoVereinsbank in Rosenheim (Münchner Straße 11, Montag bis Freitag 8.30 bis 12.30 Uhr sowie 14 bis 16.30 Uhr) zu sehen. Eine Führung mit der Künstlerin durch die Ausstellung in Rottach-Egern findet am Mittwoch, 27. September, um 15 Uhr statt.

Alexandra Korimorth

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