Nett anzusehen sind die Graugänse und ihr Nachwuchs – hier an der Tegernseer Point – allemal. Allerdings hinterlassen sie an den Badeplätzen zahlreiche riesige Kothäufen.
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Nett anzusehen sind die Graugänse und ihr Nachwuchs – hier an der Tegernseer Point – allemal. Allerdings hinterlassen sie an den Badeplätzen zahlreiche riesige Kothäufen.

Tierschützer fordern alternative Konzepte

Graugänse am Tegernsee wieder im Visier

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Wie geht es weiter mit den Graugänsen vom Tegernsee? Nachdem im Frühjahr bereits ein Abschuss stattgefunden hatte, wollen die Gemeinden auch künftig dafür sorgen, dass der Bestand nicht ins Maßlose wächst. Der Tierschutzverein lehnt die Bejagung ab – und fordert alternative Konzepte.

Tegernseer Tal – Die Graugänse sind schön anzusehen und durchaus stattlich – leider sind es ihre Kothäufen auch. Weil es in den vergangenen Sommern immer wieder Ärger wegen der Verunreinigung der Wiesen und Badeplätze rund um den Tegernsee gab, baten die Tal-Bürgermeister im vergangenen Jahr das Landratsamt Miesbach darum, den Bestand – damals war die Rede von rund 80 Exemplaren – deutlich zu reduzieren. 17 Gänse mussten daraufhin im Frühjahr 2021 ihr Leben lassen. Es dürften nicht die letzten gewesen sein.

„Wir wollen den Bestand nicht ausradieren“, versichert Rottachs Bürgermeister Christian Köck auf Nachfrage. Er macht aber deutlich, dass er auf einem erträglichen Niveau gehalten werden soll. Schließlich gehe es nicht nur darum, die Ufer vor Verkotung zu schützen, sondern auch darum, die Lebensräume für hier ursprünglich beheimatete Arten zu bewahren. „Die Gänse haben keine natürlichen Feinde und sind sehr vermehrungsfreudig“, erklärt der Rathaus-Chef. Wegen der gepflegten Flächen und dem vielen frischen Gras fühle sich das Federvieh am Tegernsee – und hier vor allem an beliebten Badeplätzen wie der Rottacher Popperwiese oder der Tegernseer Point – pudelwohl.

Ziel der Bürgermeister ist es laut Köck, dass sich die Schar der Tegernseer Graugänse bei rund 60 Exemplaren einpendelt. Derzeit bewege man sich jenseits dieser Zahl, weshalb die Gemeinden die Vögel erneut im Visier haben. Seit August ist die Schonzeit für die Graugänse offiziell vorbei, allerdings ist derzeit keine Bejagung geplant. Noch tummeln sich zu viele Besucher am und auf dem Tegernsee. Im Herbst, so lässt Köck durchblicken, könnte es aber erneut einen Abschuss geben. Alle anderen Möglichkeiten – etwa eine Vergrämung oder das Anstechen von Eiern währen der Brut – würden „nicht greifen“, sagt der Bürgermeister. Es sei aber vereinbart, vor jedem Eingriff sowohl mit der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt als auch mit der betroffenen Gemeinde Kontakt aufzunehmen.

Schießerlaubnis während Jagdsaison ist erteilt

Das Landratsamt bestätigt auf Nachfrage, dass die Jagdbehörde eine Schießerlaubnis während der Jagdsaison erteilt habe, um den Bestand der Graugänse am Tegernsee zu regulieren. Auch die Behörde nennt keinen konkreten Zeitplan – sie erklärt lediglich: „Das Thema Gänse am Tegernsee beschäftigt die Gemeinden um den Tegernsee als Sicherheitsbehörden sowie die Naturschutz- und Jagdbehörde am Landratsamt seit einigen Jahren, daher stehen alle Beteiligten im engen Austausch.“ Laut Landratsamt ist der Graugänse-Bestand am Tegernsee derzeit „annähernd gleichbleibend“.

Was die Anzahl der Tiere und damit auch den Störfaktor anbelangt, gehen die Meinungen weit auseinander. Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, berichtet von einer Zählung, die erst wenige Wochen zurückliege. „Es sind derzeit maximal 30 Graugänse da – und dieser Bestand ist absolut vertretbar“, sagt die Rottacherin. Während des Sommers seien die Vögel eine Zeit lang sogar komplett aus dem Tegernseer Tal verschwunden gewesen. „Die fliegen auch mal andere Seen an.“

Tierschützerin: „Abschuss darf nur letzte Alternative sein“

Für die Tierschützerin geht es nun darum, zu überlegen, wie man mit dem Bestand umgeht, wenn er nach der Brutzeit tatsächlich wieder überhand nimmt. „Ein Abschuss“, so macht Ecker-Schotte deutlich, „darf nur die letzte Alternative sein“. In ihren Augen gibt es durchaus die Möglichkeit anderer Entnahmen – „das wird von uns gerade intern besprochen“. Die Tierschützerin würde sich wünschen, dass die Beteiligten gemeinsam und mit Unterstützung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ein Konzept auf den Weg bringen. Das LfL beschäftigt sich seit 2014 mit dem Thema und hat einen Leitfaden zum Gänsemanagement entwickelt.

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