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Ein Team für einen Sportler: Wenn Sebastian Huber (2.v.l.) zur 8. Red Bull X-Alps startet, ist er nicht auf sich allein gestellt. Betreut wird er von (v.l.) Martin Walleitner, der sich um die Logistik kümmert, Physiotherapeut Helmut Lorenz aus Schliersee und Fliegerfreund Tobias Bauer.

Gleitschirmflieger vom Wallberg startet bei Red Bull X-Alps

Der härtest mögliche Weg nach Monaco

Am Wallberg über dem Tegernsee hat Sebastian Huber seine Leidenschaft fürs Gleitschirmfliegen entdeckt. Am Sonntag startet der Extremsportler auf dem härtest möglichen Weg über die Alpen: bei den Red Bull X-Alps. Und zwar schon zum zweiten Mal.

Rottach-Egern Sebastian Huber vom Drachen- und Gleitschirmfliegerclub Tegernseer Tal ist einer von 32 Teilnehmern, die sich bei der 8. Red Bull X-Alps in einem der härtesten Extremwettkämpfe der Welt messen. Vor zwei Jahren hat er das schon einmal gemacht und wurde nach knapp neun Tagen auf Anhieb Zweiter. Nun will es der 32-Jährige noch einmal angehen – mit der Erfahrung des ersten Wettbewerbs und dem Bewusstsein, das Rennen von Salzburg nach Monaco bei allen Strapazen richtig genießen zu können. Ein drittes Mal soll es nicht geben. „Man muss aufhören, wenn es gut läuft.“

Aber der Reihe nach. Am Anfang standen Hubers Leidenschaft für die Berge und seine Knie-Probleme beim Abstieg. So war der gebürtige Passauer, der schon als Kind mit seinen Eltern viel Zeit in Aurach und Schliersee verbrachte, schnell dabei, als sich sein Freund Florian Glockner aus Scharling 2008 bei der Gleitschirmschule Tegernsee zum Kurs anmeldete. Oft waren die beiden Berg-Kameraden aus Bundeswehr-Zeiten gemeinsam im Hochgebirge unterwegs gewesen. Nun versuchten sie sich in einem neuen Metier, das sie von Anfang an begeisterte. Den gelernten Forstwirt Huber so sehr sogar, dass er die Ausbildung zum Tandempiloten absolvierte.

Im Alltag „ein ganz normaler Mensch“

Seine Basis dafür war von Anfang an der Wallberg in Rottach-Egern, seine sportliche Heimat der Drachen- und Gleitschirmfliegerclub Tegernseer Tal. Animiert von Peter Rummel begann der Mann, der von sich sagt, „im Alltag bin ich ein ganz normaler Mensch“, mit dem Streckenfliegen. Mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und Verpflegung ging er in die Luft und war fasziniert von den besonderen Eindrücken und der Intensität dieser Art des Fliegens. Unter anderem versuchte er beim 33-Stunden-Wettkampf am Hochriß, innerhalb von 33 Stunden möglichst weit zu fliegen und wieder zum Start zurückzukehren. Irgendwann habe er alles ausgereizt. „Die einzige Steigerung waren die X-Alps“, erzählt Huber, der es noch einmal packen, sich stundenlang von der Thermik tragen lassen, einen möglichst kraftschonenden und schnellen Weg in den Süden finden und mit ebenso viel Spaß wie damals gesund das Ziel am Mittelmeer erreichen will.

Rennen, wo der Schirm nicht trägt

Auf die bevorstehenden Strapazen ist er gut vorbereitet. Er ist viel geflogen und „wahnsinnig viel gelaufen und Rad gefahren“. Die Kondition braucht er, weil er rennen muss, wo ihn sein 3,1 Kilo leichter Schirm nicht mehr trägt. Ein paar Stunden sind es täglich. Dabei gibt es unterwegs Orte, die die Teilnehmer verpflichtend passieren müssen. An manchen Punkten ist ein Passierschein zu unterschreiben. Zu den Fixpunkten gehören Dachstein, Zugspitze oder auch Matterhorn. Welchen Weg sie dazwischen nehmen, ist den Athleten selbst überlassen.

An guten Flugtagen hängen sie acht bis neun Stunden im Schirm. Dabei ist jeder geflogene Kilometer gut, weil man in der Luft sieben Mal schneller ist als zu Fuß. Notwendige Umwege um Hindernisse gar nicht eingerechnet. Besonders haarig sei es an den oberitalienischen Seen. Wer diese nicht direkt überfliegen kann, muss unter Umständen sehr weite Umwege nehmen. Deshalb könne eine weniger riskante Route am Ende auch die erfolgreichere sein, weiß der Pilot, der sich zwischen den Etappen viel mit Martin Walleitner bespricht. Der Vorsitzende des Drachen- und Gleitschirmfliegerclubs im Tal ist als sogenannter Supporter sein Teamkollege am Boden. Er kümmert sich wie schon 2015 um die Logistik und sorgt für moralischen Rückhalt, wenn es mal nicht nach Wunsch läuft. Ebenfalls mit auf Tour sind zwei Fliegerfreunde vom Wallberg: Tobias Bauer aus Ostin und Helmut Lorenz. Der Physiotherapeut aus Schliersee lockert Huber nach einem langen Tag die Waden.

Sie alle fiebern dem Sonntag entgegen, wenn frühmorgens in Salzburg der Startschuss fällt. Die erste Etappe beginnt mit einem Berglauf zum Gaisberg, wo Tausende die Strecke säumen und applaudieren. Für Huber ist das die Stunde, in der noch einmal die ganze Anstrengung der Vorbereitung spürbar wird. Das dicht gedrängte Feld, der Trubel. Aber mit jedem Schritt in Richtung Gipfel wächst die Vorfreude: „Wenn ich oben dann den Schirm ziehe und losfliege, fällt mir eine große Last vom Herzen“, sagt er, und dass er sich freut auf den Moment „in dem das beginnt, was man gern macht: das Fliegen.“

Live mitverfolgen können Interessierte die X-Alps auf der Internetseite des Events. Was Fluglehrer Peter Rummel, der 2007 selbst an den Red Bull X-Alps teilnahm, über den Start seines früheren Schülers denkt, hat er uns im Interview verraten.

Heidi Siefert

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