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Heimkehr: Barbara Winkler (hinten l.) mit den jungen Künstlern (ab unten l. im Uhrzeigersinn) Vitus Rettermeier, Muriel Breu, Felix Wolf, Miriam Mayer und Katharina Bourjau.

Junge Kreative vom Tegernsee zeigen ihre Blickwinkel im Rottacher Seeforum 

„Wo samma denn?“ Die Heimat jenseits der Klischees

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Sechs junge Kreative aus dem Tegernseer Tal enthüllen am Wochenende im Rottacher Seeforum ihre Heimat aus 70 überraschenden und wilden Perspektiven. In Fotoarbeiten und Illustrationen fragen sie ab Freitagabend mit der Schau: „Wo samma denn?“

Rottach-Egern– Der Rottacher Kunst- und Kulturverein hat 2012 bereits Arbeiten von Schülern des Gymnasiums Tegernsee präsentiert. Aus einigen der Hobbyfotografen von damals sind heute gut vernetzte Kreative und Fotokünstler geworden.

„Unser verbindendes Element ist, dass wir alle am Tegernsee aufgewachsen sind und von diesem Tal geprägt sind, dass es uns auch mehr bedingt, als uns klar war, bevor wir es verlassen hatten“, sagt Miriam Mayer. Die 23-Jährige studiert mittlerweile Fotodesign, hielt aber Kontakt mit Muriel Breu (22), Katharina Bourjau (28), Lea Schneider (31), Vitus Rettermeier (17) und Felix Wolf (29). Ohne zu wissen, dass ihre Lehrerin vom Gymnasium, Barbara Winkler, das Ruder im Kunst- und Kulturverein übernehmen würde, diskutierte Mayer vor gut einem Jahr mit ihr über das kraftvolle Heimatgefühl, das sie alle berührt – ob sie noch oder wieder im Tegernseer Tal leben und arbeiten oder, wie Schneider in Berlin, in der Ferne. So wurde die Idee einer Heimatausstellung mit Fotos Illustrationen geboren.

So nennen wollten die sechs jungen Künstler ihre Schau aber nicht. Schließlich ist der Begriff „Heimat“ ziemlich strapaziert und auch nicht unbelastet. Die Ausstellung diene auch der eigenen Standortbestimmung. Daher der deutlich mit einem Augenzwinkern versehene Titel „Wo samma denn? – A Schau“. Eine Frage, die sie auch an die Besucher richten.

Die Arbeiten zeigen so gar nicht das, was gemeinhin als Klischee mit „Tegernseer Heimat“ verbunden wird. Mayer zeigt, was sich ihr in Berg und Tal um 3 Uhr morgens oder nach 18 Uhr abends eröffnet. Vitus Rettermeier widmet sich nächtlicher Sternenfotografie und starken Makroaufnahmen von Szenen, die man mit bloßem Auge nicht erkennt. Muriel Breu, die bei der Tegernseer Kunstausstellung und der Gmundart mit großformatigen Ölgemälde-Porträts teilnahm, hat bei der Motivsuche für die Malerei ihre Leidenschaft für Fotografie entdeckt. Ihre Fotos zeigen Menschen ihrer Heimat, die das Klischee aber nie im Tal verorten würde.

Felix Wolf nimmt das große Ganze zwischen Berg und Tal in den Blick. „Atmosphäre entsteht nicht durch Details“, sagt er. Lea Schneider provoziert mit Brüchen, setzt knallharte Tegernsee-Motive in alte, idyllisch gemalte Ölschinken. Und Illustratorin Katharina Bourjau, die für Magazine und Zeitungen arbeitet und 2016 mit ihrem Buch „Bayerische Sagen und Legenden aus dem Tegernseer Tal“ für Furore sorgte, hat sich von der Natur, den Farben, der Sprache, dem Humor und generell der hiesigen Lebensart inspirieren lassen. Sie zeigt neben Wolpertingern auch historisch anmutende Werbeplakate für ein längst vergangenes Tegernseer Tal. „Wir wollen uns mit der Schau offiziell als junge Künstler vorstellen“, sagt Bourjau selbstbewusst.

Dass das richtig professionell passiert, dafür sorgt der Kunst- und Kulturverein. „Wir werden die rund 70 Arbeiten so zusammenstellen, dass Themenblöcke oder auch harte Brüche entstehen“, verspricht Winkler. „Wir warten aus 70 neuen Blickwinkeln mit Überraschungen zum Thema Heimat auf.“ Die Ausstellung soll den Auftakt einer Reihe für die junge Tegernseer Künstlergeneration bilden.

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„Wo samma denn?“ eröffnet am Freitag, 19. Oktober 2018, um 19 Uhr mit einer Vernissage mit „Oimara“ Beni Hafner und anschließender Open-End-Party mit DJ Dancekowski. Geöffnet ist die Schau am Samstag und Sonntag, 20./21. Oktober, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Am Sonntag um 11 Uhr setzt sie mit einem Frühschoppen mit den Burzbichler Buam zum Endspurt an. 

Am Samstag, 20. Oktober 2018, um 19 Uhr findet im Seeforum auch eine Neuauflage des Überraschungs-Konzerts „Was Ihr wollt“ statt (Tickets zu 15 Euro bei allen Tourist-Infos und auf muenchenticket.de). Unter Leitung von Thomas Rebensburg treten Simon Pfisterer und Michael Vereno (Dudelsack und Drehleier), Damaris Henn und Jonathan Frey (Klarinette und Klavier), Rachel Rosendorfer mit Gedichten, der Chor Sunshine Gospels, Magdalena Liedschreiber an der Harfe und Sängerin Jessica von Wehner im Seeforum auf.

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