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Der Kapitän und sein Schiff: Andreas Pohl sieht seinem Co-Piloten Torsten Sprenger (43) bei einem Flug zu. „Ein Traumhobby mit viel Geschichte“ nennt er die Luftschifffahrt.

Luftschiff-Weltmeisterschaft

Heißluft-Manöver über dem Tegernsee: Das Luftschiff und sein Kapitän

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Kreuth – Die tollkühnen Männer und ihre fliegenden Zigarren sind los: Am Tegernsee geht es derzeit um einen WM-Titel. Gesucht ist der beste Luftschiff-Pilot von allen. Der Sieg ist aber nicht alles. Ein Flug mit einem, der liebt, was er tut.

„Pffffrrrrrrrssssch!“, faucht der Gasbrenner in die knallgelbe Kunststoff-Hülle. Hinter verspiegelten Sonnenbrillengläsern nickt Andreas Pohl seinen beiden Helfern zu, die sich an die Halteseile am Bug klammern. „Leinen los!“, schmettert Pohl ins Mikro. Leinen sind los. Sanft gleitet die verschneite Wiese unter ihm davon, das Schiff gewinnt an Höhe. Das Schiff fliegt.

„Andreas Pohl, Heißluft-Luftschiff-Pilot“, so stellt sich der 50-jährige Hesse seinen Gegenübern vor. Er ist einer von neun dieser Exoten, die in den kommenden Tagen am Ufer des Tegernsees um den Weltmeistertitel der Luftschiff-Piloten kämpfen.

Im Cockpit genießt Pilot Andreas Pohl den Blick über das winterliche Tegernseer Tal. Ein GPS-Gerät hilft bei der Orientierung.

An diesem Vormittag, dem Tag vor dem Turnierstart, sind eigentlich Präzisionsmanöver angesagt, Wettkampftraining. Doch davor nimmt sich der Pilot die Zeit für eine kurze Spritztour. „Ist das geil!“, ruft er durch das Knattern des Heckpropellers und das Fauchen des Brenners. Sein behandschuhter Finger deutet über den spiegelglatten Tegernsee in die Berge hinein. Der wolkenlose Himmel strahlt mit der Wasseroberfläche um die Wette. Pohl raunt ins Mikro: „Dieses Panorama ist der Grund, warum ich das alles mache. Versuch das mal wem daheim zu erklären. Das musst du erlebt haben.“

Der Pilot, 50 Jahre alt, eigentlich IT-Fachmann im hessischen Bad Arolsen, hat den fast kahlen Kopf unter eine dicke, schwarze Wollmütze gepackt. In ein paar hundert Höhenmetern weht kalter Fahrtwind durch die offene Viersitzerkabine, die am Bauch der 41 Meter langen, zigarrenförmigen Luftschiffhülle klebt. Pohl gibt dem Zweitakter-Propeller Stoff. „Mehr Geschwindigkeit, damit ich Druck aufs Ruder kriege“, erklärt er.

Wer Weltmeister werden will, muss sein Schiff im Griff haben

Das Luftschiff, 3000 Kubikmeter Volumen, zieht eine Kurve über dem Uferort Rottach-Egern. Der Brenner bleibt aus. Die Hausdächer kommen näher. „Habt ihr Angst? Ich auch!“, frotzelt er. Pilotenhumor. Auf Schulterhöhe gleitet das Luftschiff über die Wiese, die Halteseile schleifen im Schnee. Pohl visiert eine orangefarbene Markierung an, die ein Helfer im Schnee platziert hat und wirft ein Sandsäckchen. Knapp daneben, das Luftschiff gleitet in Laufschrittgeschwindigkeit weiter. Die Zielübung gehört zu den Aufgaben, die ein Pilot meistern muss, wenn er Heißluft-Luftschiff-Weltmeister werden will. Weitere Disziplinen: Punktlandung, Geschicklichkeitsmanöver, Geschwindigkeitsrennen.

„Ein bisschen bekloppt musst du dafür schon sein“, sagt Pohl nach der Landung in gediegenem Hessisch über seinen Sport. Lange Anfahrt, frühmorgens aufstehen, den ganzen Tag im Stress, am Abend fällt die sechsköpfige Crew todmüde ins Bett. Eine ganze Woche lang. Zu stemmen ist der Turnierwahnsinn ohnehin nur, weil die Warsteiner-Brauerei das Material sponsert, denn Preisgeld gibt es keins zu holen. Pohl schnauft durch: „Es ist viel Maloche.“ Aber auch ein Riesenspaß. Und am Ende könnte ein Weltmeistertitel herausspringen. „Dabeisein ist bekanntlich alles“, sagt der Pilot und lacht. „Wenn ich extra hierher fahre, dann will ich auch gewinnen. So eine Chance kriege ich vielleicht nur einmal.“

Einpacken nach dem Training. Das 41 Meter lange Heißluftschiff fällt in sich zusammen.

Die 10. Luftschiff-WM

findet vom 15. bis 22. Februar statt. Der Startplatz liegt zwischen Kreuth und Rottach-Egern (Kreis Miesbach). Spielt das Wetter mit, wird zweimal täglich geflogen. Eintritt frei. Aktuelle Infos im Internet:
world-championship.org

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