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Gefragt: die HEM-Tankstelle in Rottach-Egern. Vor den Zapfsäulen gibt’s oft lange Schlangen. Dabei passt sich die Konkurrenz bei den Preisen immer mehr an.

Tankstellen am Tegernsee

Billig-Sprit bei HEM: Die Konkurrenz hält mit

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Mit ihren günstigen Spritpreisen lockte die HEM-Tankstelle in Rottach-Egern jahrelang Autofahrer von weither. Doch das scheint Vergangenheit. HEM hebt sich kaum noch von den übrigen Tankstellen der Region ab. 

Tegernseer Tal – Von teilweise weit her kommen die Autofahrer zur HEM-Tankstelle in Rottach-Egern. Seit diese Anfang 2015 an der Südlichen Hauptstraße eröffnet und OMV als Betreiber abgelöst hat, mischt sie die Sprit-Branche am Tegernsee gehörig auf. Die HEM-Preise pro Liter Kraftstoff lagen – bisher – stets um mindestens einen Cent unter dem talüblichen Niveau. Noch größer war der Unterschied zu den anderen Tankstellen im Landkreis. Die Folge: lange Schlangen an den Zapfsäulen, die teilweise den Verkehr auf der ohnehin dicht befahrenen Ortsdurchfahrt blockieren.

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Damit ist nun offenbar Schluss. Wie es aussieht, hebt sich HEM kaum noch von den übrigen Tankstellen im Umkreis von 15 Kilometern ab. Beispiel Diesel: Laut Internet-Portal clever-tanken.de, das die Preise permanent aktualisiert, verlangt HEM am Dienstag, 6. November, um 14.16 Uhr 1,48 Euro pro Liter. Die Alpin-oil Tankstelle an der Tegernseer Straße in Waakirchen hält mit dem gleichen Preis mit. Agip an der Schwaighofstraße in Tegernsee und Esso, der HEM-Nachbar an der Südlichen Hauptstraße in Rottach-Egern, folgen mit 1,49 Euro pro Liter Diesel. Während Aral in Bad Wiessee seinen Preis auf 1,51 Euro festgelegt hat, justiert Agip an der Tegernseer Straße in Gmund an diesem Tag schon zum zweiten Mal nach und liegt bei 1,52 Euro pro Liter. Spitzenreiter in der Umgebung ist zu diesem Zeitpunkt Shell in Wendling bei Irschenberg mit 1,63 Euro.

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Wie funktioniert das Auf und Ab der Spritpreise, gibt es womöglich Absprachen? „Absprachen unter den Konzernen gibt’s nicht“, sagt Josef Killy (61), der seit 1998 die Aral in Bad Wiessee sowie die Aral in Holzkirchen betreibt. Seiner Meinung nach verfolge der Tamoil-Konzern, der hinter HEM steckt, aber bei jeder Neueröffnung eine klare Strategie: mit Preiskampf die Kunden locken. Und der übertrage sich auf andere Konzerne, wie die Hamburger Tamoil-Sprecherin Marion Menke erklärt: „HEM trägt wesentlich dazu bei, dass das Tanken in Deutschland bezahlbar bleibt.“

Die Sprecherin erklärt, wie das HEM-System funktioniert: „Seit April 2015 garantieren wir den jeweils günstigsten Preis der Umgebung. HEM kooperiert dabei mit dem unabhängigen Verbraucherportal clever-tanken.de, das per App sämtliche Kraftstoffpreise im Umkreis um den Standort oder eine Postleitzahl vergleicht.“ Tatsächlich justieren die anderen Konzerne ständig nach, indem sie sich an HEM orientieren. „Wegen der HEM-Strategie ist das Tanken schon seit ein paar Jahren am Tegernsee tatsächlich billiger als etwa in München“, weiß Killy. Er modernisiert gerade seinen Shop, mit dem er das eigentliche Geld verdient. Dass sich HEM aktuell nicht mehr so deutlich wie bisher von den anderen Tankstellen unterscheidet, begründet Killy so: „Der Markt ist angespannt, die Spielräume zum Verdienen werden kleiner, auch für HEM.“

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Mittwoch, 17.33 Uhr: die Digitalanzeige bei HEM in Rottach-Egern zeigt immer noch 1,48 Euro pro Liter Diesel. „Morgens und mittags wird von der Zentrale nachjustiert“, weiß Mitarbeiter Alexander Klade. Dann bleibe der Preis bis zum nächsten Tag stabil – und das Spiel mit den Konkurrenten am See beginnt von Neuem.

gr

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