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„Unverschämt“ findet der Ortsplanungsausschuss das Vorgehen bei den Neubauten an der Werinherstraße. Der Bauherr wollte sich höhere Dächer und breitere Fensterfronten per Tektur absegnen lassen. 

Verstöße gegen Bauvorschriften

Der Kommunalpolitik platzt allmählich der Kragen

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Die Riesenbaustelle an der Werinherstraße 2 in Rottach-Egern hat lange für Diskussionen gesorgt. Jetzt sind die Neubauten fast fertig – doch der Ärger geht weiter.

Rottach-Egern– Immer wieder waren die zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage und Schwimmbad sowie die beiden Einfamilienhäuser mit Tiefgarage, die auf dem 6000 Quadratmeter großen Ufergrundstück des ehemaligen Promiarztes Dr. Issels entstehen sollten, ein heiß diskutiertes Thema im Rottacher Gemeinderat (wir berichteten). Ein regelrechtes Tauziehen um die Abstände und Höhen, Stellplätze und Fassadengestaltung ging dem Bau voraus. Jetzt, da die Neubauten fast fertig sind, hat die W2 Verwaltungs GmbH aus Grünwald als Bauherrin für beide Projekt – Ein- und Mehrfamilienhäuser – Tekturanträge nachgelegt: Die Gebäude entsprechen nicht den genehmigten Bauplänen. Im Ortsplanungsausschuss des Gemeinderats sorgte das für Ärger und harsche Kritik.

Statt der genehmigten 20 Grad weist das Projekt jetzt eine Dachneigung von 23 Grad auf. Das hat Folgen für die Höhe, die dem Gemeinderat ohnehin schon sehr massiv erschien: Der First ragt nun 9,45 Meter in die Höhe anstatt der genehmigten 9,20 Meter. Bei beiden Projekten wurden zudem die Stellplätze erheblich reduziert, bei den Einfamilienhäusern beispielsweise von 16 auf zwölf. Auch wurden hier die Terrassen vergrößert. Bei einem der Mehrfamilienhäuser findet sich im ersten Stock nun nur eine Wohnung statt zweien. Am meisten aber störten den Ausschuss die „filigran eingefassten, anthrazitfarbenen Alufenster“ zur Seeseite hin, die wie eine sechs Meter breite Glasfassade wirkten: „Diese filigrane Einfassung ist aber auch das einzig Filigrane an diesem Haus“, schimpfte Bürgermeister Christian Köck (CSU): „Das ist eine massive optische Herausforderung für jeden, der vorbeikommt.“ Von den Fensterläden aus der Planung sehe man jetzt gar nichts. Köck nannte die Fensterrahmen eine optische Täuschung. „Das Ganze hat nix mehr mit dem Plan zu tun“, wetterte er und machte seinem Ärger über das gesamte Vorgehen des Bauwerbers Luft: „Es ist schon dreist, wie alles ausgereizt und dann auch noch betont wird, wie wichtig einem das Einvernehmen mit der Gemeinde sei, um dann die Satzung komplett auszuhebeln.“ Wenn man ein angesehener Geschäftsmann sei, dann sollte man mehr Fingerspitzengefühl beweisen, fand Köck, zumal es ja immer noch die Maßnahme des Rückbaus gebe. „Hier ist jetzt Schluss mit lustig, ich bin sauer“, wetterte der Rathauschef und hatte den gesamten Bauausschuss auf seiner Seite.

Josef Kaiser (CSU) sprach von einer „Unverschämtheit“: „Erst drücken und beugen die unsere Ortssatzung, wie es nur geht, und dann setzten sie noch was drauf.“ Jakob Appoltshauser (SPD) erinnerte, dass der Ärger schon mit der Tiefgarage angefangen hatte und bemerkte, dass er nicht verstehe, wie ein Architekt aus dem Tal so etwas bauen könne. Er forderte sogar, das Dach wieder zurückzubauen. Auch Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) lehnte es ab, den Verstößen nachträglich den Segen zu geben.

Lesen Sie hierzu auch: Baustelle an der Verfassungslinde: Rottach-Egern tritt auf die Bremse

„Wir werden wie die Vollidioten von Rottach-Egern vorgeführt“, zürnte Anastasia Stadler (CSU) und forderte, diese Häuser beim Landratsamt anzuzeigen. Bürgermeister Köck stimmte ihr zu: „Jetzt steht es da und wir sind jetzt gefragt, im Nachgang von unserer Satzung abzurücken. Dazu bin ich nicht bereit.“ Ebenso wenig, wie sich auf ein „Kasperltheater“ mit dem Landratsamt einzulassen, falls dieses die Planung modifizieren würde. Einstimmig lehnte der Ortsplanungsausschuss die Tektur für beide Projekte, sprich alle vier Häuser, ab.

Zur Vorgeschichte: Beim Anblick von Riesen-Baustelle: Anlieger sorgen sich wegen Hochwasser

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