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Vornehm, aber nicht überladen: Das Hubertus Schlössl in Rottach-Egern diente der Familie des früheren russischen Staatsmanns Michail Gorbatschow zehn Jahre lang als Rückzugsort. 

Hubertus Schlössl in Rottach-Egern

Gorbatschows Villa steht zum Verkauf - Das soll sie kosten

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Zehn Jahre lang verbrachte die Familie Gorbatschow viel Zeit in ihrem Hubertus Schlössl in Rottach-Egern. Jetzt will sie sich von ihrem Domizil am Tegernsee trennen.

Rottach-Egern Die Enkelkinder spielen auf der Rutsche im Garten, der Opa liest ein Buch in seinem Arbeitszimmer, die Mutter bereitet das Mittagessen zu. Ab und zu geht die Familie gemeinsam am See spazieren oder zum Essen in ein örtliches Lokal. Als „ganz normal“ würden die Nachbarn die prominenten Bewohner des Hubertus Schlössls in Rottach-Egern bezeichnen. Und tatsächlich lebte die Familie von Michail Gorbatschow sehr zurückgezogen in ihrem Domizil. „Eher europäisch als russisch“, heißt es im Ort.

Das gilt auch für die Ausstattung ihres Hauses, das seit Kurzem beim Immobilienbüro Grund & Wohnen in Gmund zum Verkauf steht. Goldene Wasserhähne sucht man in der Villa vergebens. Dennoch ist der Kaufpreis üppig: Sieben Millionen Euro muss berappen, wer dort schlafen will, wo der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträger von 1990 genächtigt hat. Weil der aus gesundheitlichen Gründen Moskau nicht mehr verlassen kann, hat sich die Familie zum Verkauf des Hubertus Schlössls entschieden. Wie berichtet, konnte Michail Gorbatschow schon den „Freiheitspreis der Medien“, der ihm im Januar 2016 im Rahmen des Ludwig-Erhard-Gipfels im Seeforum überreicht werden sollte, nicht mehr persönlich entgegennehmen. In den Jahren zuvor hatte er das Haus in Rottach-Egern oft und gerne als Rückzugsort aufgesucht.

Im Grundbuch taucht der Name des Ex-Politikers jedoch nicht auf. Besitzerin der Villa ist vielmehr Gorbatschows Tochter Irina Virganskaya, die das Objekt vor zehn Jahren gekauft hat. 2008 ließ sie es dann aufwendig restaurieren. „Das Anwesen befindet sich in absolutem Topzustand, es sind keine Renovierungen erforderlich“, heißt es auf der Internetseite des Immobilienbüros. Die 570 Quadratmeter Wohnfläche im Haupthaus samt Türmchen und das 120 Quadratmeter große Nebengebäude auf dem mit 2600 Quadratmeter großzügig bemessenen Grundstück seien „edel ausgestattet“ und technisch auf dem neuesten Stand.

Dennoch: Herrschaftlichen Pomp und Prunk sucht man hier vergebens. Dafür gibt’s einen mit einem schlichten weißen Sockel eingefassten offenen Kamin im Wohnzimmer und im Obergeschoss einen langen Flur mit Holzboden und Gemälden an den Wänden. Auch nach oben ist bei einer Raumhöhe von 2,80 Metern viel Platz. Hinzu kommen Garagen und zwei Einliegerwohnungen.

Wer denkt, die Gorbatschows hätten mit einem ganzen Hofstaat in Rottach-Egern gelebt, liegt falsch. Auch hier ist die Familie dem Vernehmen nach sehr zurückhaltend gewesen. Ein Hausmeister fürs Rasenmähen und Schneeräumen – das leisten sich auch andere Hauseigentümer am Tegernsee. Und auch da verhielt sich Gorbatschow angenehm „unstaatsmännisch“. So wird erzählt, dass er sich ab und an auch mal ein Bier mit einem Handwerker genehmigt habe. Die Bodyguards im Nebengebäude habe er dagegen mehr als Last denn als Notwendigkeit empfunden.

Rottachs Bürgermeister Christian Köck teilt diesen Eindruck. Auch er sei Gorbatschow hin und wieder im Ort begegnet. „Wir haben uns gegrüßt“, sagt Köck. „Ich weiß aber nicht, ob er mich als Bürgermeister gekannt hat“, meint er schmunzelnd. Wesentlich länger kennt Köck hingegen das Hubertus Schlössl. „Ich bin da als Bub oft vorbeigeradelt“, erzählt er. Seines Wissens sei das Anwesen früher ein Kinderheim gewesen, bevor es dann in private Hand überging und zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Zwischenzeitlich habe es aber auch mal leer gestanden.

Wer den Gorbatschows als Bewohner nachfolgt, ist noch offen. Doch die Familie bleibt dem Tegernseer Tal auch nach dem Verkauf des Rottacher Hubertus Schlössls verbunden. Sie besitzt noch einen zweiten Wohnsitz in Rottach-Egern.

sg

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