Eine Glasfront in der Fassade des Hubertus-Schlössl schwebt den neuen Eigentümern vor. Dagegen regt sich im Rottacher Bauausschuss Widerstand.
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Eine Glasfront in der Fassade des Hubertus-Schlössl schwebt den neuen Eigentümern vor. Dagegen regt sich im Rottacher Bauausschuss Widerstand.

Bauausschuss will Fassade des Hubertusschlössls erhalten

Frühere Gorbatschow-Villa soll auf die Denkmalliste

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Schlagzeilen machte das Rottacher Hubertus-Schlössl als Gorbatschow-Villa. Jetzt gibt’s neue Eigentümer – und Pläne, die dem Rottacher Bauausschuss nicht gefallen.

  • Immobilienfirma plant Umbau in drei Wohneinheiten.
  • Bauausschuss lehnt Glasfront an der Ostseite ab.
  • Gemeinde macht sich für Aufnahme in die Denkmalschutzliste stark.

Rottach-Egern – Mit viel Feingefühl und beträchtlichem Aufwand hatte Irina Virganskaya, Tochter von Michail Gorbatschow, das in die Jahre gekommene Hubertus-Schlössl 2008 saniert. Platz hatte die Familie dort reichlich: Das schmucke Schlössl bietet im Haupthaus samt Türmchen über 570 Quadratmeter Wohnfläche, dazu kommen 120 Quadratmeter im Nebengebäude, dem Kutscherhaus. Auch der berühmte Vater war oft zu Gast, spazierte freundlich grüßend durch den Ort.

Gorbatschows Familie verkaufte vor zwei Jahren

Als sich die Familie 2017 zum Verkauf der Villa entschloss, war der Medienrummel groß. Sieben Millionen Euro sollte das Gebäude einbringen. Trotz oder vielleicht auch wegen der Prominenz der ehemaligen Bewohner lief der Verkauf schleppend. Erst im Februar 2019 ging er über die Bühne. Zunächst war von einem ortsansässigen Investor die Rede. Doch wenig später, im April 2019, hatte der Rottacher Ortsplanungsausschuss einen Antrag der Immobilienfirma Centholding GmbH auf dem Tisch, die ihren Sitz damals auf der Nordseeinsel Sylt hatte. Geplant war ein Umbau des Schlössls in drei exklusive Wohneinheiten. „Aber ich hatte das Versprechen, dass die Fassade erhalten wird“, erinnerte Bürgermeister Christian Köck (CSU) jetzt im Bauausschuss.

Dort war nun eine Tektur beantragt, also eine Veränderung der bereits genehmigten Planung. Antragssteller ist die More Consulting GmbH mit Sitz im hessischen Gernsheim. Geblieben ist die Absicht, drei Wohnungen im Schlössl zu schaffen. Zudem will die Gesellschaft in der Nachbarschaft des Schlössls ein Zweifamilienhaus hochziehen. Dagegen hat der Bauausschuss auch keine Einwände. Was für Kopfschütteln sorgte, ist die Absicht, auf der Ostseite die Fensterflächen des Schlössls zu verändern und eine große Glasfront in die Fassade zu setzen.

Villa nach dem Krieg als Kinderheim genutzt

Unter Denkmalschutz steht das Gebäude derzeit nicht. Aber Bauamtsleiterin Tanja Butz sieht Handlungsbedarf. Sie habe das Denkmalschutzamt informiert, erklärte sie bei der Sitzung. Ihrer Meinung nach solle die Fachbehörde am Landratsamt die Planung begleiten.

Bürgermeister Köck sieht das nicht anders. Der jetzige Entwurf bedeute eine gravierende Veränderung, die nicht zum Stil des Hauses passe. Er wolle die neuen Eigentümer nicht schikanieren, sehe es aber als geboten, dass der Denkmalschutz genauer hinsehe. Das markante Gebäude stehe „seit ewigen Jahrzehnten“ an dieser Stelle und habe eine in Rottach-Egern einzigartige Architektur.

Nach dem Krieg habe es als Kinderheim gedient. Größtenteils seien es verwaiste Kinder gewesen, die dort „in einer Art Schullandheim“ einige Zeit verbracht hätten, berichtete Köck. Noch heute fragten bisweilen Senioren im Rathaus nach, wo das Schlössl von einst stehe. Er wolle verhindern, dass wieder ein Stück Rottach von der Bildfläche verschwinde, machte Köck klar. Seiner Ansicht nach soll zumindest die Fassade erhalten werden.

Gemeinde zieht Fachbehörde für Denkmalschutz hinzu

Die Ausschussmitglieder schlossen sich dieser Meinung einmütig an. Den Planern fehle jedes Gefühl für das Haus, urteilte Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG). Ihr Fraktionskollege Klaus Fresenius regte an, die Geschichte des Schlössls näher zu erforschen und zu dokumentieren. Dem Bauamt, merkte Leiterin Butz an, liege zu dem Anwesen ein Schriftstück aus dem Jahr 1941 vor. Die Villa stand zu diesem Zeitpunkt schon, müsse also älter sein. Nach Ansicht der Gemeinde soll das Haus in die Denkmalliste aufgenommen werden. Eine entsprechende Empfehlung hat das Bauamt jetzt beim Landratsamt eingereicht.

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