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Dehnübungen mit dem Theraband gehören zu jeder Fitnesseinheit dazu: (v.l.) Vorturnerin Stefanie Stork, Mia Hölzl, Christl Löffler, Gabriele Schweder und Marina von Baratta.

Die wohl älteste Turngruppe im Tegernseer Tal

Mit 90 Jahren noch Turnen? Für die Hecker-Girls kein Problem

Rottach-Egern - Die „Hecker Girls“ sind die wohl älteste Turngruppe im Tegernseer Tal. Alle zwei Wochen treffen sich die vier Seniorinnen zwischen 78 und 90 um sich fit zu halten.

19 Uhr, die Krankengymnastik-Praxis von Cornelia Krauss in Rottach-Egern hat geschlossen. Die Räumlichkeiten müssten eigentlich leer und verlassen sein. Müssten. Tatsächlich aber sitzen dort die „Hecker-Girls“ auf Hockern in einem Kreis. Jeden zweiten Mittwoch treffen sich Gabriele Schweder (90), Christl Löffler (85), Marina von Baratta (78), Mia Hölzl (85) und Vorturnerin Stefanie Stork (50) zu gemeinsamen Turnübungen. 

Therabänder dienen als Werkzeug für Dehnübungen

Zunächst stehen Dehnübungen auf dem Programm. Jede der Seniorinnen schnappt sich ein Theraband und nimmt ein Ende in jede Hand. Dann wird gezogen, einmal links einmal rechts. „Die Ellenbogen am Körper lassen“, mahnt Vorturnerin Stefanie Stork. Dann: Übungswechsel. Die „Hecker-Girls“ halten ihre Therabänder wieder in beiden Händen, diesmal zieht die Hand aber nicht zur Seite, sondern nach oben. Alle machen mit – trotz diverser altersbedingter Einschränkungen. 

"Jeder darf so viel Pause machen wie er braucht“

„Ich bin hier die blinde Kuh“, sagt Hölzl. Sie sei vor fünf Jahren erblindet, Umrisse könen sie aber noch erkennen, so die 85-Jährige. Bei manchen Übungen, gerade bei solchen, die im Stehen abgehalten werden, pausiert sie. Ebenso wie Schweder, das dienstälteste Hecker-Girl. Mit ihren 90 Jahren fehlt es ihr bisweilen an Standfestigkeit. Bei beiden sogt der Hocker für Sicherheit. Löffler (85) hört lediglich schlecht, von Baratta (78) hat Knieprobleme. Jede hat ihr persönliches Handicap. Das macht aber nichts. „Jeder darf so viel Pause machen wie er braucht“, sagt die Vorturnerin. Es sei ohnehin „beispielhaft, wie gut alle durchhalten.“ 

Angefangen hatte alles als Mutter-Kind-Turngruppe

Und das zum Teil seit rund 50 Jahren. Angefangen hatte alles als Mutter-Kind-Turngruppe unter der Vorturnerin Frau Hecker, damals noch im Rottacher Rathaus. Schweder war von Anfang an dabei. „Damals waren wir etwa 15 Leute“, erinnert sie sich. Nach und nach habe die Gruppe aber Teilnehmer eingebüßt. „Viele sind weggezogen, einige verstorben“, sagt von Baratta, seit über 40 Jahren Mitglied der Hecker-Girls. 

Jeden zweiten Mittwoch sammelt Stork ihre Schützlinge ein und fährt sie wieder nach Hause

Die gute Seele der Gruppe ist Stork. Die Vorturnerin betreut die Hecker-Girls inzwischen seit 21 Jahren. Ehrenamtlich. Und damit nicht genug. „Sie ist auch unsere Fahrerin“, sagt Löffler. Jeden zweiten Mittwoch sammelt Stork ihre Schützlinge ein und fährt sie anschließend wieder nach Hause. Sogar bis nach Ellmösl. Für sie ist das selbstverständlich. „Wir halten zusammen.“ 

„In der Gemeinschaft geht es einfach besser"

Dass die Hecker-Girls trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch immer zusammenkommen hat mehrere Gründe. „Ich musste mich heute richtig aufraffen“, gibt Schweder zu. „Danach ist man aber einfach besser beinand.“ Die Turngruppe sei für sie ein Jungbrunnen und ein Aufleben, körperlich und geistig. Aber auch was das Zwischenmenschliche angeht, stimmt es in der Gruppe. Denn auch außerhalb der sportlichen Betätigung treffen sich die Damen. „Wir waren schon Eisessen und im Kino“, sagt Löffler. Und auch zuhause habe man sich schon getroffen, fügt von Baratta an. Denn: „In der Gemeinschaft geht es einfach besser.

Bastian Huber

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