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In Situationen wie hier mit einer gestürzten Radfahrerin leisten die Johanniter, hier Bernhard Nusser und Elisabeth Halmbacher, Erste Hilfe bis der Notarzt oder Rettungsdienst kommt.

Jubiläum der Johanniter Rottach-Egern

Johanniter im Interview: Uns gehen die Ehrenamtlichen aus

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Elisabeth Halmbacher ist stellvertretende Bereitschaftsleiterin der Johanniter in Rottach-Egern. Im Interview spricht sie über das Jubiläum und dass Ehrenamtliche immer weniger werden.

Rottach-Egern– Die Johanniter am Tegernsee feiern 20. Geburtstag. Der Ortsverband von Rottach-Egern und Kreuth nimmt das zum Anlass, um die Bevölkerung zu einem Mitmach-Tag einzuladen. Am Samstag, 9. September, der auch der Tag der Ersten Hilfe ist, wollen die Ehrenamtlichen ihre Arbeit präsentieren und auf sich aufmerksam machen.

Denn die Johanniter werden immer weniger. Elisabeth Halmbacher (34) aus Weißach ist stellvertretende Bereitschaftsleiterin und schon seit 2001 beim Ortsverband dabei. Sie hat miterlebt, wie stark die Mitgliederzahlen gesunken sind. Wir haben den runden Geburtstag zum Anlass genommen, mit ihr über die Gründe dafür, die schlimmsten Einsätze und den Alltag eines Johanniters zu sprechen.

Frau Halmbacher, was genau macht eigentlich ein Johanniter?

Halmbacher: Wir beim Ortsverband in Rottach kümmern uns als First Responder um die Erstversorgung bei Notfällen. Wir sind also die Vorab-Helfer, bis der Rettungsdienst oder Notarzt da ist. Manchmal kommen wir auch als Unterstützung dazu. Außerdem bilden wir Betriebsersthelfer und Schulsanitäter aus, zum Beispiel an der Grund- und Mittelschule in Rottach-Egern.

Daraus resultiert sicher auch Nachwuchs für die Johanniter.

Halmbacher: Leider kaum. Wir bilden die Schüler aus, aber viele gehen nach dem Abschluss weiter weg zu einem Studium oder einer Ausbildung. Und da wir erst Mitglieder ab 18 Jahren bei unseren Einsätzen mitnehmen, ist das während der Schulzeit noch nicht möglich. Und das Bei-Laune-Halten der Jugendlichen in der Übergangszeit vom Schulabschluss bis zur Volljährigkeit ist schwierig, da sie noch nicht im aktiven Dienst mitwirken können.

Wieso ab 18 Jahren?

Halmbacher: Als Ersthelfer kommt man häufig in dramatische Situationen. Dazu sollte man ein gewisses Alter haben, um das Erlebte zu verarbeiten. Am schlimmsten sind Einsätze bei Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang. Da sieht man Dinge, die man sich lieber gar nicht vorstellt. Besonders schlimm ist auch, wenn Bekannte betroffen sind. Das kommt leider auch hin und wieder vor. Hier möchten wir unsere Jugend schützen.

Muss man für solche Einsätze ausgebildeter Rettungssanitäter sein?

Halmbacher: Verlangt wird eine Ausbildung als Sanitätshelfer. Das sind 80 Stunden für Responder. Wir bilden uns aber stetig fort und einige sogar bis zum Rettungsdiensthelfer oder auch Rettungssanitäter. Als First Responder reicht aber eben die erste Ausbildungsstufe.

Also wäre es gar nicht so kompliziert, Johanniter zu werden. Die Zahlen sinken aber.

Halmbacher: Wir sind bei uns derzeit zehn aktive Ehrenamtliche. Aus München, vom Regionalverband, werden wir auch von Helfern unterstützt. Aber seit der Gründung vor 20 Jahren nimmt die Zahl der Ehrenamtlichen immer weiter ab, wie auch bei anderen Hilfsorganisationen. Zugegeben, bei unseren Einsätzen sehen wir nicht immer das Glück der Welt und das dann unentgeltlich zu machen, wollen leider heutzutage nicht mehr viele.

Zu wie vielen Einsätzen werden die Johanniter in Rottach denn im Schnitt gerufen?

Halmbacher: Das ist von Monat zu Monat schwankend. Bei der schwülen Hitze im Sommer sind es auch viele Einsätze bei Kreislaufproblemen, im Winter bei Stürzen auf dem Eis. Ich würde aber sagen, im Monat sind es zwischen 20 und 30 Notrufe, zu denen wir fahren.

Zu zehnt kann das aber stressig sein, oder?

Halmbacher: Das geht schon. Das Schicht-Team besteht aus zwei Personen. Unter der Woche ist die Wache die ganze Nacht besetzt und am Wochenende Tag und Nacht. Da machen wir es uns dann gemütlich und manchmal kommen uns auch die anderen Johanniter besuchen. Und es passiert ja auch nicht dauernd etwas.

Zu den Einsätzen wird ja auch das BRK gerufen. Stellt das eine Konkurrenz zu den Johannitern dar?

Halmbacher: Ein Konkurrenzdenken gibt es da auf keinen Fall. Klar ist man schon mal unterschiedlicher Meinung. Aber im Mittelpunkt steht das Menschenleben.

Genau wie beim Mitmach-Tag zum Jubiläum.

Halmbacher: Genau. Die Bevölkerung soll sehen, wie unsere Arbeit funktioniert und beim ungezwungenen Ausprobieren die Hemmungen verlieren. Die Gäste können zum Beispiel ihr Erste-Hilfe-Wissen auffrischen oder testen, wie ein Defibrillator funktioniert. Auch für Kinder steht einiges auf dem Programm. Einen Hintergedanken haben wir da natürlich schon: Es wäre schön, wenn sich nach dem Tag ein paar Menschen entschließen, öfter bei uns mitzumachen.

Das Jubiläumsfest der Johanniter am Tegernsee findet am Samstag, 9. September, von 10 bis 16 Uhr am E-Werk in Weißach statt. Auch die Feuerwehr Kreuth ist mit einer Löschübung dabei.

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