rban Priol im Seeforum
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Muss jetzt die Kanzlerin verteidigen: Urban Priol im Seeforum.

Kabarett-Star im Seeforum

Was Priol über Merkel und Hoeneß am Tegernsee sagt

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Rottach-Egern – Miss Europe, Miss World, Misserfolg. Angela Merkel bleibt ihrer Linie treu, meint Kabarettist Urban Priol. Über die Auswirkungen berichtete er nun im Seeforum in Rottach-Egern.

Die Schonfrist für die Kanzlerin endet nach 15 Minuten. Na endlich. Nach Merkels Pakt mit „Döner-Putin“ Erdogan habe er gewusst, dass seine Angela wieder ganz die Alte ist, sagt Urban Priol. Ihr Zeitfenster der Menschlichkeit habe sich geschlossen – und Priol wirkt erleichtert. Zehn Jahre lang habe er sich an ihrem Vakuum abgearbeitet, und plötzlich musste er sie verteidigen. „Ich?“, schreit der Kabarettist auf der Bühne im leicht übertemperierten Rottacher Seeforum. Doch halt, ruhig bleiben. „Die wird schon wieder“, habe er sich da gedacht.

Dass er recht hatte, zeigt Priol abendfüllend in seinem neuen Programm „Jetzt... ständig aktualisiert“. Er wettert gegen Merkels Türkei-Deal, rauft sich die ohnehin zu Berge stehenden Haare, hetzt von links nach rechts, fasst sich an die Stirn, stottert – und da ist sie wieder, die für ihn typische Schnappatmung. Auf „Angie“ ist Verlass. Wenigstens eine Konstante in einem Land, in dem man auf nichts mehr vertrauen kann. Nicht mal auf Abgaswerte, Fußball oder Wurst. Selbst Kaiser Franz’ „Ja gut äh“ oder Wolfgang Schäubles „Da isch nix dran“ könnten das Volk nicht mehr beruhigen.

Ständig ändere sich irgendwas. Auch als Kabarettist müsse man darauf gefasst sein. Kein Wunder, dass Priol mit iPad unterm Arm drei Minuten zu spät auf die Bühne spurtet und sich noch fix mit dem „tollen Tegernsee WLAN“ verbindet. „Falls noch was Aktuelles reinkommt.“ Zum Beispiel eine Dienstanweisung vom Bosporus. Oder ein Tor im DFB-Pokalfinale zwischen den Bayern und Dortmund. Und dass sei schließlich von Interesse am Tegernsee, „wo der Freigänger wohnt“. Das Publikum johlt.

Zwischendurch herrscht betretenes Schweigen. Wenn Priol über die Flüchtlingslage spricht, braucht er keine Pointen. Die Realität ist Satire genug – wenn auch eine äußerst traurige Form. „Genau“, flüstert jemand in den fast voll besetzten Zuschauerreihen. „Er hat recht.“ Messerscharf analysiert Priol das Verursacherprinzip der Globalisierung. „Eine Einbahnstraße um eine Kugel kommt irgendwann zu einem zurück.“ Dumm nur, dass das die „Alpendödel von der CSU“ nicht kapiert hätten.

Die EU sei da nicht besser. Anstatt ernsthaft etwas zu unternehmen, verblöde sie das Volk mit „Nebelkerzenbegriffen“ wie „subsidiärer Schutz“ oder „Hotspots an den Außengrenzen“. Und bekämpfe die Fluchtursachen, in dem sie die Schlauchboote der Schleuser zerstöre. In denen solle man lieber die Wirtschaftsflüchtlinge mit ihren Schwarzgeldern nach Panama schicken, begleitet von sieben weißen Haien. Aber nein, stattdessen erkläre „Drohnen-Tommy“ Thomas De Mazière Afghanistan zum sicheren Herkunftsland. Da ist sie wieder, die Schnappatmung. Priol hechtet ans iPad: 0:0. Beruhigend, wenigstens diese Mauer hält.

Anders als bei der CSU. „Da ist links die Mauer weg und rechts die AfD.“ Szenenapplaus im Publikum. Man reibt sich die Hände. Wenn Priol schon die Kanzlerin so zerlegt, was macht er dann erst mit Frauke Petry? Doch es kommt anders. Anstatt sie zu öffnen, packt der Kabarettist die „AfD-Büchsen“ in den Schrank. Und ihre Gefolgschaft in Person der „Pegidioten zur Verblödung des Abendlands“ gleich mit dazu. Das einzig Richtige, meint er, „wenn sich innere mit äußerer Hässlichkeit vermählt“.

Priol konzentriert sich lieber auf seine Klassiker: den Dicken (Helmut Kohl), wegen dem er damals mit Kabarett angefangen habe. Sigmar Gabriel, bei dem zuletzt das einzig Rote seine Gürtelrose gewesen sei. Und natürlich das trotzende Maut-Kleinkind Alexander Dobrindt, dessen Schaukel wohl zu nah an der Wand gestanden habe. Als doch wieder die Schnappatmung einsetzt, greift Priol zur wohl besten Yoga-Übung aller Zeiten. Eine Figur, die – anders als der „herabschauende Hund“ – auch ohne Kiefersperre funktioniert. Er formt die Hände zum Dreieck, trottet gemächlich nach vorne und sagt: „Wir schaffen das."

sg

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