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„Ein Schwebebalken“: Nach der Abholzaktion ist auf dem Damm nur ein kahler Weg geblieben. Der jetzige Zustand wird nicht bleiben: Der Ausbau beginnt erst noch. 

Rodung auf dem Rottach-Damm 

„Der Kahlschlag ist schon ein Schock“

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Die Bäume auf dem Rottach-Damm sind weg, geblieben ist ein nackter Weg. Die Maßnahme für den Hochwasserschutz war lange angekündigt. Trotzdem ist der Anblick für viele ein Schock.

Rottach-Egern– Die Bäume am Rottachdamm zwischen der Tuftenbrücke und der Brücke an der Bundesstraße sind weg. Allesamt abrasiert in einer großen Fällaktion. Keine Überraschung: Die Rodung für den Hochwasserschutz war vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim lange geplant, vielfach besprochen, kurz zuvor noch einmal – auch in unserer Zeitung – angekündigt. „Aber der Kahlschlag jetzt ist schon ein Schock“, räumt Bürgermeister Christian Köck ein. Die Ufer so nackt zu sehen, sei sehr ungewohnt. „Von der Wahrnehmung her ist das für den Bürger schwierig.“

Das ist eine sachte Umschreibung der Traurigkeit, die Anwohner Andreas Reischl befällt, wenn er von seinem Haus aufs kahle Rottach-Ufer blickt. Reischl, 1961 in Tegernsee geboren, lebt seit über einem halben Jahrhundert mit Blick auf den Fluss. Er hat als Kind am dicht bewachsenen Ufer gespielt, geht heute dort mit dem Hund spazieren. Wie so viele andere auch. Vor allem im Sommer lockte das kühle Blätterdach und machte den Rottachdamm zu einem der beliebtesten Spazierwege überhaupt. „Ein grüner Traum war das“, sagt Reischl.

Er sei keinesfalls gegen den Hochwasserschutz, versichert er. Dem Schutz der am Fluss liegenden Häuser gelte die erste Priorität. Doch musste es gleich ein Kahlschlag sein?

Reischl bezweifelt das. „Ein nachhaltiges Flussmanagement hätte das Zerreißen von komplexen biologischen Wirkungsketten verhindern können“, glaubt der Rottacher. So wäre die biologische Vielfalt und das Ökosystem der Rottach erhalten geblieben. Jetzt, so Reischl, lasse sich der radikale Einschnitt ja nicht mehr rückgängig machen. Aber vielleicht könne man für die Zukunft daraus lernen.

Sorgen macht ihm die Sicherheit auf dem Dammweg. „Ein Schwebebalken ist das“, meint er. Hier mit kleinen Kindern zu laufen, sei gefährlich. Das nun nackte Ufer sei sehr steil, schnell könne ein Kind in den Fluss fallen. Überhaupt müssten Spaziergänger schwindelfrei sein, um auf dem Weg zu laufen.

Mit dem Vorwurf, für den Hochwasserschutz zu radikal vorzugehen, musste sich Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt schon oft auseinandersetzen. 2016 rief ein Anwohner sogar die Polizei, als im Bereich Kalkofen die Holzfäller anrückten. Schon damals versicherte Holderer, auch ihn schmerze die Abholzaktion. Die Behörde würde einen naturnahen Ausbau bevorzugen. Zu schön wäre es, wenn die Rottach so frei mäandern dürfte wie einst, und Hochwasser einfach so in den Wiesen stünde. Aber der Fluss wurde nun mal zum Kanal gemacht, damit sich dort Holz triften lässt. Die Bebauung ist dicht ans Ufer gerückt. Nur der Damm schützt die Häuser. Beim Hochwasser 2013 hätte er um ein Haar nicht gehalten. „Da kam’s nur nicht zur Katastrophe, weil die Feuerwehr so gut gearbeitet hat“, sagte Bürgermeister Köck auch kürzlich in der Bürgerversammlung im Seeforum.

Darum wird nun ein Damm errichtet, der besser standhält. Der schmale Weg, den Reischl moniert, wird nicht so bleiben. Aktuell ist er auch nur auf eigene Gefahr und eingeschränkt begehbar.

Die Rodung ist der erste Schritt, die Baumaßnahme folgt erst. Die Deichkrone wächst im Schnitt um einen halben Meter. Oben wird der Weg am Ende fast zwei Meter breit sein. „Das ist komfortabel“, meint Köck. Auf die Sicherheit der Spaziergänger werde bei der Planung sehr viel Wert gelegt. An kritischen Stellen gebe es Absturzsicherungen, der Damm werde auch begrünt. An der Weissach habe sich gezeigt, dass der Einschnitt dann doch rasch verschmerzt sei, erinnert Köck: „Da staunt man, wie schnell das Grün aufkommt.“

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