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Eine Traglufthalle diente in Rottach-Egern als Flüchtlingsheim.

Zeugen sagten nicht aus 

Keine Beweise: Freispruch nach Attacke auf Christen in Rottacher Flüchtlingsunterkunft

Am Ende fehlten die Beweise. Somit sprach das Gericht einen 26-jährigen Afghanen frei. Er stand im Verdacht, in der Rottacher Flüchtlingsunterkunft einen Christen attackiert zu haben.

Miesbach/Rottach-Egern – Das Miesbacher Schöffengericht sprach den 26-jährigen Afghanen frei. Der Mann stand im Verdacht, im Juni 2016 an einer Schlägerei im ehemaligen Flüchtlingsheim am Birkenmoos in Rottach-Egern beteiligt gewesen zu sein. Das Urteil fiel bei der Fortsetzung der Verhandlung. Wie berichtet, hatte das Gericht die Verhandlung unterbrochen, um zwei weitere Zeugen zu hören.

Abgespielt hatte sich Folgendes: Eine Gruppe von betenden Muslimen aus Afghanistan und dem Iran fühlten sich von einem zum Christentum konvertierten Iraner beim Gebet gestört. Dieser hatte sie gebeten, leiser zu sein. Immerhin war es zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Uhr nachts. Mit 15 bis 20 Mann sollen die gerade noch Betenden daraufhin das Zimmer des „ungläubigen Christen“, wie sie ihn angeblich schimpften, gestürmt und auf ihn eingeprügelt haben. Nicht nur mit den Händen, auch mit einem Maßkrug soll der Christ angegriffen worden sein.

Inmitten dieser Auseinandersetzung habe sich der 26-jährige Afghane befunden, der zugeschlagen und mit Gegenständen geworfen haben soll. Zur Fortsetzung der Verhandlung des Schöffengerichts wurde er von zwei Polizisten begleitet, da er momentan in der Jugendvollzugsanstalt Stadelheim inhaftiert ist.

Suizidgedanken nach Vorfall in Flüchtlingsheim

Einer der beiden geladenen Zeugen fehlte. Dem Bericht einer Ärztin zufolge muss sich der Mann zunächst in therapeutische Behandlung begeben, da er aufgrund des Vorfalls im Flüchtlingsheim unter anderem Suizidgedanken habe. So blieb es letztlich bei der Aussage des zweiten Zeugen, eines 24-jährigen Afghanen. Gegen ihn war ebenfalls wegen dieser Sache verhandelt worden. Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung lautete das Urteil gegen ihn.

Der 24-Jährige soll damals den zum Christentum Konvertierten ebenfalls attackiert haben. Als nach mehreren Angriffen auf den Christen schon dessen Blut floss, soll der 24-Jährige gesagt haben, dieses Blut sei unrein. Es wäre gut, wenn der Christ getötet würde.

Als Zeuge stand der Afghane in der Fortsetzungsverhandlung nun unter Wahrheitspflicht. „Es kann Ihnen nichts passieren, wenn Sie noch einmal die Wahrheit sagen“, erklärte Richter Klaus-Jürgen Schmid. „Sie sind ja schon verurteilt worden.“

Zeuge verstrickt sich in Widersprüche

Diese Worte kamen jedoch bei dem 24-Jährigen anscheinend auch nach mehrmaliger Belehrung durch den Richter nicht an. Immer wieder verstrickte sich der Zeuge in Widersprüche. „Ich bin erst 30 Minuten nach allen anderen in das Zimmer des Opfers“, sagte der Zeuge aus. „Ob der Angeklagte dabei war, habe ich nicht gesehen.“ Auch den verletzten Christen will er nicht gesehen haben.

Aufgrund des bereits gegen ihn gesprochenen Urteils konnte diese Aussage nicht stimmen. Auch nachdem Schmid dem 24-Jährigen durch eine Unterbrechung der Verhandlung erneut die Chance gab, seine Aussage zu ändern, tat er dies nicht. Ein letztes Mal fragte Schmid den Zeugen: „Waren Sie nicht schon vorher im Zimmer, um den Mann zur Rede zu stellen?“ Ein energisches „Nein“ war die Antwort des Zeugen. Daraufhin ließ Schmid den Mann vereidigen.

Der angeklagte 26-Jährige hingegen kam ungeschoren davon. „Die Vorwürfe gegen den Angeklagten haben sich heute nicht bestätigt“, erklärte der Staatsanwalt bei seinem Plädoyer. Es könne dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, dass er jemanden „mit Gegenständen abgeworfen“ hat. „Der einzige Zeuge, der das widerlegen könnte“, so der Staatsanwalt, „ist nicht zu sprechen.“ Freispruch sei die logische Folge. Schmid schloss sich dem an, sprach den 26-Jährigen frei und beendete die Schöffensitzung mit den Worten: „Es gibt nicht genügend Beweise für eine Verurteilung.“ 

Von Philipp Hamm 

Lesen Sie auch: Nach Attacke auf „ungläubigen Christen“: Afghane (26) vor Gericht

Richter über seinen Alltag: „Wir kriegen hier viel Elend mit“

Für ihn wurde das Kruzifix abgehängt: Jetzt spricht der verurteilte Afghane

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