1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Rottach-Egern

Keine Chance für Photovoltaik-Park mit Streichelzoo in Rottach-Egern

Erstellt:

Von: Christina Jachert-Maier

Kommentare

Die PV-Anlage ist auf einer Wiese in der Nähe großer Hotels geplant. Grafik: Erneuerbare energien Egern/MM
Die PV-Anlage ist auf einer Wiese in der Nähe großer Hotels geplant. © Grafik: Erneuerbare Energien Egern/MM

Luxus-Hotels mit Wellness-Landschaften brauchen Unmengen an Energie. Um sie zu beschaffen, will die Bachmair-Erbengemeinschaft auf einer Wiese nahe ihres Hotels Villa Adolphine ein Nahwärmenetz mit erneuerbaren Energien errichten. Der Gemeinderat lehnte ab.

Rottach-Egern – Auf der Wiese, um die es geht, spielte Bachmair-Chef Karl Rauh in den 80er-Jahren gern Golf mit Otto Beisheim. Heute ist die Fläche verwildert, ein paar Sandbunker erinnern an die Nutzung von einst. Zweimal im Jahr wird die Wiese gemäht, das Heu bekommen die Jäger zur Rotwildfütterung. Künftig will Franz Herrmann, Schwiegersohn des 2015 verstorbenen Rauh und Sprecher der Familie, auf der Fläche Energie ernten. „Wir brauchen sie dringend für unsere Hotels“, sagt er. Gemeint sind die Villa Adolphine, das Parkhotel, das an Hirmer verpachtete Bachmair am See und weitere Hotels in der Umgebung. Herrmann spricht von 480 Hotelbetten, Personalhäusern mit 57 Wohnungen, auch der nahe Kindergarten, die evangelische Kirche und Privathäuser könnten über ein Nahwärmenetz versorgt werden, und dies mit kurzen Leitungen.

Konzept mit drei Säulen

Das Konzept fußt auf drei Säulen: eine Grundwasserpumpe für die Energiegewinnung, eine Freiflächen-PV-Anlage, die den Strom für die Pumpe liefert, und ein Hackschnitzelheizwerk, um auch Verbrauchsspitzen abzudecken. „Ein perpetuum mobile, zu 100 Prozent CO2-neutral“, sagt Herrmann. Ein Besucherpark mit Info-Stadel und Streichelzoo könnte die Anlage komplett machen.

In nicht öffentlicher Sitzung hatte Herrmann sein Konzept dem Rottacher Gemeinderat schon am 8. November vorgestellt. Es wurde intensiv und kontrovers diskutiert, am ersten Adventssamstag erörterte der Gemeinderat das Projekt und das ganze Thema Energie bei einer Klausurtagung. Als der Antrag jetzt öffentlich auf der Tagesordnung stand, war das Urteil schon gefällt. Der Daumen zeigte nach unten.

„Die Fläche ist nicht geeignet“

„Die Fläche ist nicht geeignet“, stellte Bürgermeister Christian Köck (CSU) fest. Die Wiese gehöre baurechtlich zum Außenbereich, es handle sich auch nicht um eine so genannte Konversionsfläche, also um eine Brache, die für PV-Anlagen genutzt werden darf. Gespräche mit den Genehmigungsbehörden hätten eine ablehnende Haltung gezeigt, der Antrag sei aussichtslos.

Die zahlreichen Zuhörer hörten dies größtenteils mit Freude, für ablehnende Äußerungen gab’s auch bei nachfolgenden Wortmeldungen kräftigen Applaus. Es waren viele Anwohner gekommen, die um den schönen Blick auf eine freie Wiese fürchten. Etliche von ihnen hatten Köck zuvor schon im Rathaus aufgesucht, um gegen das Projekt zu wettern.

Am Ende stimmten nur die beiden grünen Gemeinderäte und SPD-Vertreterin Margit Lehnerer für den Antrag. Der Appell von Grünen-Sprecher Thomas Tomaschek, die Gemeinde müsse sich bewegen, um die Energiewende zu schaffen, verhallte. Klimaschutz sei Landschaftsschutz, meinte Tomaschek. Rottach-Egern dürfe es nicht allein den Nachbarn überlassen, für erneuerbare Energien zu sorgen und selbst in Schönheit sterben: „Wir müssen etwas Neues machen, um das Alte zu erhalten.“ Er empfehle, ein Sondergebiet Energie auszuweisen und zumindest den Versuch zu unternehmen, das Projekt zu realisieren.

Die Landschaft nicht verschandeln

Während Tomaschek weit ausholte, kamen von den anderen Fraktionen nur knappe Äußerungen. Er halte PV-Anlagen auf Freiflächen für ein Problem, meinte Anton Maier (CSU): „Mit Gewalt darf man die Landschaft nicht verschandeln.“ Stefan Niedermaier (Blitz) kritisierte, der Betreiber habe mit Punkten geworben, die nicht der Wahrheit entsprächen. Grundsätzlich sei Nahwärme eine gute Idee, die Gemeinde solle dies aber selbst in die Hand nehmen.

Köck versicherte, die Gemeinde sei auf dem Sektor Energie durchaus aktiv, werde aber nicht in Aktionismus verfallen. Man plane eine Satzungsänderung, um mehr PV-Anlagen auf dem Dach zu ermöglichen. Auch in diesem Fall könnten die Antragsteller Dachflächen und unproblematische Grundstücke nutzen, um für erneuerbare Energie zu sorgen.

Keine Bezugsfälle schaffen

Wichtig, so Köck, sei der Gleichbehandlungsgrundsatz. Was die Gemeinde dem einen auf der Wiese im Außenbereich erlaube, könne sie anderen nicht verwehren. Um der Ortsplanung willen dürften keine Bezugsfälle geschaffen werden, auch wenn das Konzept einen zukunftsweisenden Charakter habe. Im Übrigen, merkte Köck an, gehe es bei dem Projekt nicht nur um alternative Energie: „Damit kann man auch gut verdienen.“

Online-Befragung vor der Sitzung sorgt für Irritationen

Schon vor der Sitzung hatte Franz Herrmann auf der Homepage www.e-re.de das Projekt Erneuerbare Energien Egern präsentiert und mit einer Online-Abstimmung verbunden. Dies sorgte im Gemeinderat ebenso für Irritationen wie der Umstand, dass auf dem betreffenden Grundstück bereits Bäume abgeholzt wurden. Nachbarn hatten dies umgehend angezeigt. „Ich denke, das wird ein empfindliches Bußgeld nach sich ziehen“, meint Bürgermeister Christian Köck. Die Untere Naturschutzbehörde sei mit dem Vorgang befasst.

Grundstückseigentümer Franz Herrmann kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Er habe wegen des Eschensterbens Bäume entfernen müssen, meint er. Der Erhalt alter Bäume sei ihm und seiner Familie grundsätzlich sehr wichtig, weshalb er entgegen des Ratschlags der Gemeinde auch nicht alle Dächer seiner Immobilien mit PV-Anlagen versehen könne. Diese würden durch Baumriesen zu sehr verschattet. Aufgeben wird Herrmann seine Pläne, für Öko-Wärme zu sorgen, nach der Abfuhr nicht: „Wir müssen Energie herbringen, um unsere Hotels zu betreiben.“

Neuer Antrag soll folgen

Das Unternehmen Hirmer etwa warte auf Nachricht, ob das Hotel Bachmair am See mit Nahwärme aus der Zentrale versorgt werden könnte. Die Aussage Köcks in der Sitzung, mit der Anlage solle Geld verdient werden, könne er nicht nachvollziehen, so Herrmann. Angesichts der explodierten Energiekosten müsse die Familie nach alternativen Energiequellen suchen, um ihre Hotels erhalten zu können. Ansonsten müssten die Preise für den Gast zu sehr erhöht werden. „Dann kommt keiner mehr.“ Die Zeit drängt, Herrmann will demnächst einen neuen Antrag stellen. Dann wohl nur für ein Hackschnitzelheizwerk ohne PV-Anlage.

Auch interessant

Kommentare