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Der 19-jährige Rumäne muss für zwei Wochen ins Gefängnis (Symbolbild).

Rumäne wegen Diebstahl verurteilt

Wenn Diebe aus Versehen aussagen

Rottach-Egern – Vier Rumänen klauten Kleidung aus einer Rottacher Edelboutique. Man hätte ihnen die Tat wohl nie nachweisen können - doch die Diebe machten einen folgenschweren Fehler.

Es war ein scheinbar gut durchdachter Plan, den vier junge Rumänen im Alter von 18 bis 25 Jahren hatten, als sie im Januar des vergangenen Jahres ein Bekleidungsgeschäft in Rottach-Egern betraten. Einer sollte die Verkäuferinnen ablenken – der Rest so viel Kleidung wie möglich einsacken. Ein heute 19-jähriger arbeitsloser Planegger, der daran beteiligt gewesen sein soll, saß nun auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts. Bis zum Schluss wies er alle Schuld von sich. Gebracht hat es ihm nichts. 

„Die kamen uns schon die ganze Zeit komisch vor“, sagt eine Verkäuferin bei der Verhandlung. „Die jungen Männer haben uns in eine Ecke gelockt. Von dort konnten wir die Eingangstüre nicht sehen.“ Im Laden selbst gelang es der Bande allerdings nicht, irgendetwas mitgehen zu lassen. Erst als die zweite Verkäuferin aus der Mittagspause kam, entdeckte sie, dass auf einem Ständer vor dem Laden alle Kleidungsstücke fehlten. Das Diebesgut: zwei Herrenwesten, eine Strickjacke und eine Winterjacke der Marke Camp David. Wert: 540 Euro. 

Sofort alarmierten die Frauen die Polizei. „Es konnten nur die vier Männer gewesen sein, die davor bei uns im Laden waren“, sagt eine der beiden Angestellten. Bestätigt wurde ihr Verdacht von einem Mann, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite beim Rauchen stand. Er hatte den Diebstahl beobachtet. „Ich hab erst gedacht, die vier haben die Sachen im Laden bezahlt.“ Dem war nicht so. 

Besonders dumm für die Diebe: Auch das Nummernschild des Fluchtautos hatte sich die aufmerksame Verkäuferin notiert, weil ihr die Situation eben so suspekt vorkam. So hatte die Polizei den Wagen schnell gestellt. Alle vier Verdächtigen saßen auch noch drin. Doch von der teuren Kleidung fehlte jede Spur in dem Auto mit rumänischem Kennzeichen. „Wir wissen bis heute nicht, wo sie ist“, erklärte der zuständige Beamte der Polizei Bad Wiessee. 

Ohne das Diebesgut hätte ihnen wohl nie nachgewiesen werden können, dass sie den Überfall begangen haben. Der Beamte nahm die Männer trotzdem mit aufs Präsidium. Und dann machten die Verdächtigen einen folgenschweren Fehler: Sie diskutierten auf Rumänisch über den Diebstahl – und rechneten nicht damit, dass ein anwesender Beamte jedes Wort verstand: „Ich konnte raushören, dass sie sich auf rumänisch über die Tat unterhielten und dass alle vier daran beteiligt waren.“ Erst durch diese Aussage fiel das Kartenhaus der jungen Diebe zusammen. 

Die Staatsanwältin forderte einen Arrest von drei Wochen für den 19-Jährigen. „Durch die Bestätigung des Polizisten und die Beobachtung des Mannes von der anderen Straßenseite besteht für mich kein Zweifel daran, dass Sie am Überfall mitgewirkt haben“, stelle sie gegenüber dem Angeklagten fest. Auch seine Vorstrafen spielten bei ihrer Bewertung eine Rolle. Der Rumäne saß bereits 2012 wegen versuchten Betrugs in besonders schwerem Fall. Verteidigerin Christiana Bianco hegte Zweifel am Tathergang und der Beteiligung ihres Mandanten: „Niemand hat gesehen, dass er etwas gestohlen hat.“ 

Bianco forderte Freispruch. Darauf ließ sich Richter Klaus-Jürgen Schmid allerdings nicht ein und verurteilte den Planegger wegen Diebstahls zu zwei Wochen Arrest: „Ich bin überzeugt, dass Sie dabei waren. Ihr Geständnis auf rumänisch bei der Polizei beweist das auch.“

Philipp Hamm

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