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„Bitte verkauft nicht so leichtfertig Eure Immobilie im Tal“: Bürgermeister Christian Köcks Appell an seine Rottacher.

Bürgerversammlung 

Jetzt stehen die Investoren schon mit Geldkoffern in der Tür

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Der Bau-Wahnsinn und die rasant steigenden Immobilienpreise in Rottach-Egern machen Rathauschef Christian Köck (CSU) große Sorgen. Jetzt gab es deutliche Worte. 

Die Entwicklung in Rottach-Egern bietet schon fast Stoff für einen Krimi: Da erzählt ein Immobilienbesitzer, dass er ein lukratives Angebot für seinen Besitz bekommen habe. Tage später sei ein weiterer Interessant mit einem Koffer voller Geld vor der Türe gestanden und habe zwei Millionen Euro mehr geboten. „Das ist wirklich so passiert“, berichtete Rathauschef Christian Köck, als er bei der Bürgerversammlung im nicht ganz voll besetzten Seeforum die Entwicklung im Ort zum Thema machte. 

Köck fand klare Worte und räumte ein, dass ihm das Thema große Sorgen bereite. Seine Amtsvorgänger und auch Verwaltungsmitarbeiter hätten keine Schuld an der Entwicklung, so Köck. Denn in der Vergangenheit hätte niemand den Hype um Rottach-Egern absehen können. „Die Maßlosigkeit bei den Verkaufspreisen ist die Wurzel allen Übels“, wetterte Köck. „Da werden Summen verlangt, da können wir als Gemeinde nicht mithalten.“ Und dann appellierte Köck an die Moral der Einheimischen: „Bitte verkauft nicht so leichtfertig Eure Immobilie im Tal!“ Der Zuzug mache Rottach-Egern zunehmend das Leben schwer, so Köck, „es geht viel an Identifikation verloren.“ Wer in den Ort ziehe, müsse auch bereit sein, sich zu integrieren, forderte Köck in Anlehnung an den jüngsten Kuhglockenstreit (wir berichteten). Im Saal bekam er dafür spontan Applaus. 

Die Preisentwicklung habe eine Rasanz, dass einem schwindlig werde, so Köck. Auch der Umgang miteinander sei „schlimm“. Und inzwischen sei es sogar guter Sport, nach einer Bauausschuss- oder Gemeinderatssitzung mit einem Anwalt im Rathaus aufzuschlagen, um Druck auszuüben und gefasste Beschlüsse rückgängig zu machen. „Das macht Demokratie schwer“, so Köck. Er sei sich bewusst, dass der Ort von der Steuerkraft profitiere. Aber Einheimische seien bald komplett von der Entwicklung ausgeschlossen. Dazu komme die zunehmende Überalterung. 

Was konkrete Vorhaben betreffe, so versuche die Gemeinde, diese mit Bebauungsplänen an der ein oder anderen Stelle in den Griff zu kriegen. Damit will man das derzeit lukrativste Modell – den Bau von Mehrfamilienhäusern mit Tiefgarage auf einem großzügigen Grundstück mit ehemals nur einer einzigen Villa – von den Ausmaßen her begrenzen. Einige Vorhaben pickte Köck heraus: etwa den Abriss und Neubau der Seeperle an der Seestraße. „Ich hoffe, dass wir bald ein Ergebnis sehen, dann der leerstehende Bau ist keine Zierde mehr.“ Wie berichtet, soll der Abriss im Herbst erfolgen. Dass die Gemeinde das ehemalige Gästehaus Mahler an der Seestraße für drei Millionen Euro habe kaufen können, habe nichts damit zu tun, dass die Gemeinde jetzt auch als Bauträger auftrete. Dies sei eine „historische Chance“ gewesen, um alte Servitutsrechte am Warmbadareal zu löschen. Das Anwesen werde jetzt wieder verkauft, 27 Bewerber gebe es bereits. Schon in der kommenden Woche, so der Bürgermeister, werde bei einer geheimen Sondersitzung entschieden, wer das Haus bekommt und im Sinne der Gemeinde damit weiterverfährt. 

Auf die Wiederherstellung der Lindenstraße müssen sich die Rottacher noch gedulden. Im Oktober war die Straße nach einer Geothermie-Bohrung abgesackt und hatte einen Krater von 20 Metern Durchmesser hinterlassen (wir berichteten). Inzwischen ist die Straße notdürftig repariert, doch die endgültige Sanierung wird erst im Herbst erfolgen. Denn weitere Setzungen seien derzeit nicht auszuschließen, berichtete Köck. Ein Gutachten werde gerade ausgewertet. Wer hat Schuld? Köck stellte klar, dass die Gemeinde zwar die Baugenehmigung erteilt habe, die Bohrung aber vom Landratsamt abgesegnet worden sei. Es habe ihn schon geärgert, so Köck, dass Landrat Wolfgang Rzehak nicht ein einziges Mal nachgefragt habe, „wo wir doch inzwischen mit allen Kosten in Vorleistung gegangen sind.“ Köck bezweifelte, ob Rottach-Egern wirklich ein geeignetes Areal für solche Bohrungen sei. Dies in dieser Tiefe zu erlauben, empfahl er vorerst keinem. Abschließend sei er aber froh, dass nur Sachschaden entstanden sei und keine Person verletzt wurde.

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