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See, Kirche, Berge: So schön sich Rottach-Egern gibt, so sehr kämpfen Bürgermeister Christian Köck und der Gemeinderat gegen die immer mehr um sich greifende Bauwut.

Rottachs Bürgermeister im Halbzeit-Interview

Köck zum Ausverkauf Rottachs: „Mancher wird Opfer seiner Gier“

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Drei Jahre nach der Kommunalwahl haben wir die neu gewählten Bürgermeister um eine Halbzeitbilanz gebeten. Christian Köck über folgenschwere Entscheidungen und die Gier seiner Mitbürger.

Rottach-Egern – Der Sprung ins Bürgermeisteramt war für Christian Köck (CSU), damals schon Gemeinderat, einer ohne Sicherungshaken. Für seine neue Aufgabe gab der Mediengestalter, heute 45, seinen Betrieb auf, betrat absolutes Neuland als Verwaltungschef im Rathaus und Berufs-Politiker. Jetzt, zur Halbzeit der ersten Amtsperiode, ist sich Köck sicher: Es war eine gute Entscheidung. Und er hat noch viel vor.

Herr Köck, drei Jahre als Bürgermeister sind um. So lange dauert für gewöhnlich die Lehrzeit.

Köck: Zum Glück hat es mir mein Team im Rathaus leicht gemacht, in die Aufgabe zu finden. Heute kann ich sagen: Ich betrachte mich als in dem Beruf angekommen, auch wenn man jeden Tag aufs Neue herausgefordert wird und die Belastung schon sehr hoch ist. Aber ich wusste schon vor der Wahl, dass es kein Spaziergang wird. Die Arbeit macht mir sehr viel Freude. Meine Entscheidung, Bürgermeister zu werden, habe ich noch zu keinem Zeitpunkt bereut.

Und Sie wollen es auch bleiben?

Köck: Ich möchte wieder kandidieren, daran gibt es für mich überhaupt keinen Zweifel. Es ist Teil meiner Lebensplanung, darum habe ich 2014 nach der Wahl meinen Betrieb aufgelöst. Das war noch viel Arbeit, die parallel gelaufen ist, weil mein Vorgänger Franz Hafner mich dankenswerterweise vor dem eigentlichen Amtsantritt schon eingebunden hat. Aber ich hatte mich damals schon ganz für meinen neuen Beruf entschieden. 2020 werde ich 49 Jahre alt sein. Mein Ziel ist es, dass ich wiedergewählt werde und die Projekte weitermache, die wir angefangen haben. Wenn die Leute es denn wollen, bin ich bereit. 2020 weiterzumachen.

Aber vielleicht als Landrat?

Köck: Ich weiß, dass da viel spekuliert wird. Aber für mich kommt eine Kandidatur als Landrat definitiv nicht in Frage. Es ist klar, dass die Kreis-CSU bei der nächsten Wahl wieder einen Landratskandidaten stellen wird. Aber wir wollen nicht jetzt schon eine Diskussion um Namen führen. Zu gegebener Zeit werden wir einen nennen, wollen aber nicht jetzt schon eine Personaldiskussion führen. Ich konzentriere mich voll auf Rottach-Egern, auf die Aufgabe, für die ich gewählt wurde.

Im Moment sind Sie vor allem damit beschäftigt, den Bau-Wahnsinn einzudämmen. Geht das überhaupt?

Köck: In gewissem Maß schon, das haben wir ja auch schon bewiesen. Wir betreiben keine Bauverhinderungspolitik, das wollen und dürfen wir nicht. Aber es bringt schon viel, wenn wir Bauwerbern verdeutlichen, dass die absolute Gewinnmaximierung nicht im Sinn unseres Ortes ist. Meist geht es auch um den schnellen Euro. Wenn wir eine Mammut-Planung mit einer Veränderungssperre in die Warteschleife legen, kommt oft ein kleinerer Entwurf. Damit ist viel erreicht. Auch für den Tourismus. Wer will noch bei uns Urlaub machen, wenn da nur Baustellen sind und man keine Ruhe hat? Und es muss auch möglich sein, dass Einheimische hier noch leben können. Sonst findet eine Verdrängung statt, die für unsere Ortsgemeinschaft schmerzhaft wird.

Aber mit Bebauungsplänen können Sie die Häuser ja nur kleiner machen, nicht billiger.

Köck: Deshalb haben wir bei einer – sehr guten – Gemeinderatsklausur auch beschlossen, zum Ende dieser Legislaturperiode in einem noch nicht definierten Gebiet Wohnraum für junge Familien zu schaffen. Im Moment liegt der Altersschnitt in unserem Ort schon bei 51 Jahren. Und bei den Leuten mit Hauptwohnsitz sind viele sogar über 60. Wir müssen also überlegen, wie wir junge Leute halten können. Es muss nicht das klassische Einheimischenprogramm sein, es kann auch sein, dass wir neue Gemeindehäuser schaffen. Gefragt sind vor allem Drei-Zimmer-Wohnungen, da sind wir ganz schwach auf der Brust. Im Moment haben wir 134 Gemeindewohnungen, alle belegt. Aber manche sind so in die Jahre gekommen, dass man hinterfragen muss, ob eine Sanierung noch Sinn macht – oder ob wir besser abreißen und neu bauen.

Ihre Bauamtsleiterin hat mit den ganzen Bebauungsplänen jetzt schon ziemlich viel zu tun.

Köck: Das Ganze ist unwahrscheinlich arbeitsintensiv und für eine Person gar nicht mehr leistbar. Wir wollen in absehbarer Zeit jemanden finden, der das Bauamt verstärkt. Locker lassen werden wir in dem Bereich nicht. Aufgrund der Rasanz der Entwicklung und der Vielzahl der Fälle ist eine stringente Baupolitik für unseren Ort sehr wichtig.

Zumal die Bauwerber ja mit Koffern voller Geld anrücken, wie Sie bei der Bürgerversammlung erzählt haben.

Köck: Was meine Äußerung mit den Geldkoffern angeht: Ich habe gesagt, dass die Käufer inzwischen versuchen, sich zu übertrumpfen. Dass da der eine oder andere schwach wird, ist menschlich. Ich wollte aber auch dokumentieren, dass die Wurzel allen Übels beim Verkauf beginnt. Denn ab da sind wir als Gemeinde in der Defensive. Dann beginnen Gesprächsrunden mit Bauwerben, die viel Kraft rauben und an die Substanz gehen, aber wichtig sind. Ich will die Verkäufer an ihre Verantwortung für die kommenden Generationen erinnern. Mancher wird da Opfer seiner Gier.

Aber läuft die Gemeinde bei so viel Kapital im Hintergrund nicht Gefahr, mal gewaltig Schadenersatz zahlen zu müssen?

Köck: Wir müssen immer genau abwägen, ab wann der Fall des Regresses eintritt. Man hat ja immer noch die Möglichkeit, eine Veränderungssperre wieder aufzuheben. Aber wir müssen der Maximierung Einhalt gebieten. Das ist unser größtes Ziel. Zum Glück sind wir uns da im Gemeinderat einig. Es zeichnet uns schon aus, dass wir konstruktiv und unaufgeregt zusammenarbeiten. Ich wünsche mir sehr, dass das in den kommenden Jahren so weitergeht. Zerwürfnisse oder Animositäten, wie sie sich andernorts abspielen, wären nicht dienlich.

Ende vergangenen Jahres mussten Sie krankheitsbedingt eine Pause einlegen. Geht es Ihnen wieder gut?

Köck: Sehr gut. Ich hatte eine Operation am Rücken, eine Bandscheibe hatte mich im Stich gelassen. Danach war ich auf Reha in der Klinik im Alpenpark. Das war für mich eine wichtige, gute Zeit, um zu reflektieren und manches auch zu delegieren. Ich habe zwölf Kilo abgenommen und fühle mich rundum wohl. Ich lebe seither bewusster und achte auf meinen Körper. Als Erholung zwischendurch reicht mir meistens schon ein Wochenende in Südtirol.

Halbzeit

haben jetzt, drei Jahre nach der Wahl, alle Bürgermeister, die ihr Amt 2014 das erste Mal angetreten haben. Es ist mehr als ein Job: Das Amt verlangt den ganzen Menschen. Was das bedeutet, welche Ziele die Neu-Bürgermeister haben und ob sie gerne weitermachen möchten, ist Thema unserer Interview-Serie.

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