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„Ganz ehrlich: Da muasst di scho schama“ - Gabi Werner, Tegernseer Zeitung. 

Kolumne zum Glocken-Disput

Reaktionen auf Kuhglocken-Beschwerde: So fängt Fremdenhass an

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Ein norddeutsches Ehepaar fühlt sich von Kuhglocken gestört. Der Rottacher Bürgermeister prangert das öffentlichkeitswirksam an. Und auf Facebook überschlagen sich die Hasskommentare. Ja, liebe Leute, geht‘s denn noch?

Meine Güte, was für eine Aufregung! Als wir kürzlich über das aus dem Norden Deutschlands an den Tegernsee gezogene Ehepaar berichteten, das sich am Kuhglocken-Gebimmel auf der nahen Weide störte, gab es kein Halten mehr. Auf Facebook hagelte es Hasskommentare – die meisten machten ungezügelt ihrem Unmut über die Zuagroasten Luft. Ja klar: Preißn, die sich über traditionelles Glockengeläut beschweren – da kocht die bayerische Volksseele. Was sonst? Wenn noch dazu ein Bürgermeister die Vorlage liefert, indem er das Schreiben des Ehepaares in der Rottacher Gemeinderatssitzung verliest und dem Absender öffentlichkeitswirksam empfiehlt, doch da zu bleiben, „wo der Pfeffer wächst“, kennt auch der Facebook-User keine Hemmungen mehr.

Warum es ein Bürgermeister nötig hat, sich auf diese Weise Schulterklopfen abzuholen, ist eine Frage, die mich dabei nur am Rande beschäftigt. Wirklich erschrocken bin ich über die Kommentare, die daraufhin durchs Netz geisterten. „De Saupreissn soin se schleicha“, „Sofort abschieben!“, „Schmeißt’s den Deppen raus“. Das ist nur eine kleine, feine Auswahl der Aufforderungen, denen sich das Ehepaar ausgesetzt sah.

Ja, liebe Leute, geht’s denn noch? Ist denn die Bitte des Ehepaars, das Kuhglocken-Geläut direkt unterm Schlafzimmerfenster nach Möglichkeit einzudämmen, wirklich so ungeheuerlich? Für den betreffenden Landwirt, der den Wassertrog der Kühe bereitwillig versetzte, war es das offenbar nicht. Für manchen Leser mit ausgeprägter „Mia-san-mia“-Mentalität schon. Ist ja auch eine feine Sache, in allgemeines Gefluche einzustimmen und sich dafür auch noch ein paar „Gefällt mir“ abzuholen. So fängt für mich der Fremdenhass an. Und ganz ehrlich: Da muasst di scho schama!

gab

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