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In der Komödie "Die drei Eisbären" bringt ein Baby das zurückgezogene Leben dreier Bauern gehörig durcheinander.

Inszenierung könnte Kultpotenzial haben

"Die drei Eisbären" begeistern im Seeforum

Rottach-Egern – Mit ihrer Inszenierung des Klassikers „Die drei Eisbären“ begeisterte die Rottacher Ludwig-Thoma-Bühne das Premieren-Publikum im Seeforum restlos.

Der Dreiakter „Die drei Eisbären“, den Maximilian Vitus 1933 in seiner Zeit bei den „Tegernseern“ verfasste, zählt fraglos zu den Klassikern des Volkstheaters. Er diente in den 1980er Jahren sogar als Vorlage zum französischen Kinofilm „Drei Männer und ein Baby“ („3 hommes et un couffin“) sowie zum gleichnamigen amerikanischen Remake unter anderem mit Tom Selleck („Magnum“) und Ted Danson („Cheers“).

Da war dem deutschen Publikum aber schon lange klar, dass das humorige Stück noch besser mit einer idealen Besetzung zur Geltung kommt: Die legendären Komödienstadl-Inszenierung von 1973 mit Gustl Bayerhammer, Maxl Graf und Gerhard Lippert war einfach prägend und blieb bis Dienstagabend unerreicht.

Nun hat sich die Rottacher Ludwig-Thoma-Bühne des Stücks angenommen und stellt unter der Regie von Vollblut-Theaterfrau Claudia Mabell eine Inszenierung vor, die ihrerseits wieder Kultpotential hat. Aus der Inszenierung, die versiert jede Pointe und jeden Dialog auf den Punkt bringt und überquillt von charmanten, lebendigen Regieeinfällen, wurde zwar die Rolle der reichen und heiratswilligen Haslocherin herausgeschrieben, aber das tut dem Plot und der Geschwindigkeit des Stücks keinen Abbruch.

Video von der Premiere der "Drei Eisbären" im Rottacher Seeforum

Die Komödie dreht sich um drei Bauern, die sich ihr frauenloses und auch -feindliches Leben auf ihrem Hof oben in den Bergen bequem eingerichtet haben. Den Haushalt führt ihnen seit Jahrzehnten die Magd Veronika und so läuft alles bestens, demokratisch und friedvoll auf dem Haldenegger-Hof. Bis den drei Junggesellen, die wegen ihres Desinteresses am weiblichen Geschlecht im Dorf nur „die drei Eisbären“ genannt werden, ein Findelkind vor die Tür gelegt wird.

Dieses rührt die gar nicht so kalten Herzen der drei Grantler und sie holen sich auf guten Rat des Pfarrers hin die Kindsmagd Maralen auf den Hof. Doch damit beginnen die Turbulenzen, denn das Maralen ist nicht nur eine resche, sondern auch eine fesche Dirn („da riecht’s nach Pantoffeln. Aber nicht nach hölzernen, sondern nach samtweichen“), so dass sich alle drei raubeinigen Eisbären in sie verlieben und plötzlich heiraten wollen.

Hanno Sollacher, Michael Janiczek und Patrick Schosser sind wie gemacht für die Rollen der drei Eisbären: differenziert geben sie jedem der drei Brüder einen eigenen Charakter und ernteten bei der Premiere einen Lacher nach dem anderen sowie immer wieder begeisterten Zwischenapplaus. Witzig auch die Idee, aus Peter und Paul Haldenegger Zwillinge zu machen: Das betont das enge Verhältnis der beiden älteren Brüder noch einmal und macht aus der typmäßigen Ähnlichkeit der beiden Schauspieler eine Tugend.

Hervorragend besetzt ist außerdem die Magd Veronika durch Barbara Kutzer. Souverän leuchtet sie den Part zwischen zänkischer Keif und lebensklugen und liebevollem Mutterersatz aus. So gereicht er der Schauspielerin zur Paraderolle, die damit eine würdige Nachfolge der großen Marianne Lindner, der ewigen „Beißzang“ des Volkstheaters antritt.

Die 100 Premierenzuschauer lagen schier über den Tischen beim zünftigen Schlagabtausch, den sich Kutzer mit Peter Nagel als kuppelnden Viehhändler lieferte. Und natürlich Claudia Mabell selbst. Sie gab eine derart frische, aufrechte und liebenswerte Maralen gab, dass ihr das gesamte Publikum verliebt zu Füßen lag. So hinreißend war sie in ihrer Verzweiflung, Schlossers Juliander Haldenegger, der wirklich auf einer extrem langen (Liebes-)Leitung steht, zu einem Liebesgeständnis und zu damit zu einem Heiratsantrag zu bewegen. „Schee!“, kommentierte da spontan das Publikum und war schließlich beim „Happy End“ regelrecht euphorisch ob so viel guter Schauspielkunst.

Von Alexandra Korimorth

Weitere Termine der Drei Eisbären, jeweils ab 19 Uhr: Freitag, 5. September 2014: Hotel zur Post in Bad Wiessee Dienstag, 15. September 2014: Seeforum in Rottach-Egern Mittwoch, 22. Oktober 2014: Hotel zur Post in Bad Wiessee Donnerstag, 30. Oktober 2014: Kursaal in Bad Füssing

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