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Alles im Blick hat Kramerin Margret Mannhardt auch weiterhin. 

Margret Mannhardt zieht sich aus dem Ladl zurück

Die Kramerin von Rottach-Egern verabschiedet sich - und setzt auf den Enkel

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Margret Mannhardt und ihr Kramerladl in der Seestraße sind eine Institution. Mit 80 Jahren zieht sich die Kramerin aus dem Geschäft zurück. Ihr Ladl jedoch bleibt – mit Veränderungen. 

Rottach-Egern„Es hilft nix: Das Altern lässt sich nicht aufhalten“, sagt Margret Mannhardt. Mit 80 Jahren verabschiedet sich die Kramerin in den Ruhestand, was viele bedauern. Bei der Kramerin gab’s bayerische Rezepte, historische Hintergrundinformationen, dort erfuhr man Neuigkeiten oder bekam Veranstaltungstipps – egal ob einheimisch, zuagroast oder als Gast. Sie stehe aber weiter der Kommunikationsabteilung ihres Unternehmens vor, scherzt Mannhart. „Ich sitz oiwei no vor da Tür und ratsch mit de Leit.“ Aber nur, wenn es sie „gfreit“. Sonst gibt sie sich frei und entspannt.

Verdient hat sie sich das. Mit 14 Jahren hat Mannhart im Ladl eine Lehre bei ihrer Oma, der Reiffenstuel Rosl, gemacht. Seitdem war sie im Geschäft, zu dem nicht nur der Gemischtwarenladen, sondern auch eine Ferienwohnung und zehn Gästebetten gehörten. Von der Oma Rosl haben erst die Mama Maria Kaiser und dann Margret ihre Profession von der Pike auf gelernt. Der Kolonialwarenladen war schon immer bekannt dafür, besondere Lebensmittel im Angebot zu haben – zum Beispiel Zucker, Kaffee, Tabak, Reis und Kakao aus Übersee oder später dann echten Dallmayer-Kaffee, der lange schwer zu kriegen war. „Bei mir hat’s immer ois gem – vom echten Kaviar über Gmias bis zu de Schuahbandl.“ Die Feinkostsalate habe sie teilweise auch selber gemacht, sagt die Kramerin stolz.

Das Gespür fürs Gute und den herzlichen Umgang mit den Kunden hat sie von der Oma gelernt. „Der Leo Slezak ist regelmäßig zur Oma zum Essen gekommen. Zu Hause haben sie ihn immer auf Diät gesetzt, aber meine Oma hat immer was Gutes für ihn aufgehoben und ihn durchgefüttert“, verrät Mannhardt über den berühmten Opernsänger aus der Nachbarschaft. Auch sie selbst hatte spezielle Stammkundschaft: Schauspieler Erik Ode etwa kam regelmäßig, um bei ihr Weine für seine Gäste zu kaufen: „Ihn durfte man nicht namentlich grüßen, wenn der Laden voll war. Weil er inkognito sein und seine Ruhe haben wollte, wenn er unser Weinregal in Angriff genommen hat“, erinnert sie sich.

Maidi von Liebermann, die sich nebenan bei der Schneiderin Laule ständig Dirndl habe anfertigen lassen, zählte ebenso zu ihrer Stammkundschaft wie Autor Heinrich Spoerl („Die Feuerzangenbowle“) oder Maler Paul Mathias Padua. Dem hat sie einmal das Bild einer alten Bäuerin von der Eck, im Gmunder Hinterland, wo der Maler aufwuchs, abgekauft und dafür ihr Geld zusammengekratzt.

Der souveräne Umgang mit der prominenten Kundschaft und der, die sich dafür hält, ist ihr Erfolgsgeheimnis. Mannhardt hofft, es an ihren Enkel Adriano weitergegeben zu haben. Der soll den Kramerladen irgendwann nach typischer Mannhardt-Art weiterführen.

Die Basis hat er von zu Hause mitbekommen, es folgte eine Ausbildung bei Dallmayr in München. Bis Adriano das Kramerladl mit Bistro übernimmt, will er erst noch am Schliersee Erfahrungen in der neuen Fischerei mit Bistro sammeln, die er unlängst mit zwei Freunden aufgezogen hat.

Vorübergehend führt unterdessen Sissi Rampf von der Markthalle das Kramerladl. Sie will die Institution ganz im Sinn Mannhardts weiterführen. Das gilt vor allem für das Pausenbrot und die Mittagssemmel für die Kinder. „Es soll so bleiben, wie es schon immer war. Ich will nichts Hochgestelztes draus machen“, verspricht Rampf. Sie bietet hier weiter regionale Lebensmittel, Obst und Gemüse, aber auch italienische Spezialitäten an, passend zur neuen italienischen Kaffeemaschine. Neu ist auch, dass man sich jetzt für den Snack zwischendurch oder ein Glas Wein drinnen und draußen hinsetzen kann. Das Kramerladl öffnet um sieben Uhr in der Früh und schließt gegen 18 Uhr. Im Sommer kann sich das auch ein bisschen ausdehnen – je nach aktuellem Kundenwunsch. Denn offiziell sind Öffnungszeiten bis 22 Uhr genehmigt.

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